Von Sven Gückel

Mit falschen Fakten versehen haben aus Sicht der Bundeswehr kürzlich einige überregionale Medien über den Einsatz eines SAR-Hubschraubers aus Holzdorf in der Sächsischen Schweiz berichtet. Das veranlasst die Zuständigen am Bundeswehrstandort Schönewalde/Holzdorf, den Einsatz aus ihrer Sicht darzulegen.

Auslöser war eine 19-jährige Bergsteigerin, die nahe Bad Schandau in der Sächsischen Schweiz verunglückt ist. Die junge Frau war am 23. April beim Klettern abgestürzt und lag mit erkennbar offener Beinfraktur in einer für Retter unzugänglichen Region. Begleiter der Bergsteigerin hatten die sächsische Bergwacht informiert, die wiederum die Leitstelle für Rettungsflugeinsätze über den Unfall informierte. Der in diesem Fall zuständige Helikopter der DRF Luftrettung aus Bautzen „Christopher 62“ war allerdings zu einem anderen Einsatz unterwegs. „Aus diesem Grund wurde unsere Staffel in Holzdorf um Hilfe gebeten“, erläutert Major Marcus Preuß, Kommandeur der SAR-Flotte (Suche und Rettung) der Bundeswehr.

Acht Minuten später war die Maschine des Typs Bell UH 1D bereits in der Luft. Ihr Ziel war ein vereinbarter Treffpunkt, an dem ein Bergretter aufgenommen werden sollte. Für die Bundeswehrsoldaten kein seltenes Szenario. „Mit der sächsischen Bergwacht arbeiten wir gut und eng zusammen und haben schon mehrere gemeinsame Einsätze erfolgreich gemeistert“, betont Preuß.

An dem Tag herrschten Winde mit bis zu 70 Stundenkilomtern

Da die Bundeswehrmaschine keinen eigenen Arzt an Bord hat, sollte der Bergretter über der Unglücksstelle mit einer Seilwinde zur verletzten Bergsteigerin abgelassen werden. An diesem April-Tag herrschten vor Ort jedoch Winde mit bis zu 70 km/h. Das Fliegen eines Hubschraubers ist in dieser schwierigen Situationen alles andere als einfach. Immer wieder rissen Böen den Helikopter mit und ließen ein gezieltes Ableinen des Retters nicht zu. „Die Maschine wurde durch den Wind permanent in Richtung der Felsen gedrückt. Dennoch hat die Crew alles versucht, die Bergsteigerin zu retten. Dabei führte der Pilot den Helikopter bewusst in den Grenzbereich seiner technischen Möglichkeiten“, beschreibt Marcus Preuß die Dramatik des Einsatzes. Allerdings kam es dabei zu Überschreitungen der zulässigen Triebwerksleistungen. Der Einsatz musste komplett abgebrochen werden. Zwei aufleuchtende Notlampen in der Maschine signalisierten dem Piloten, dass er schnellstmöglich landen sollte.

Inzwischen wurde auch die Leiststelle über den missglückten Rettungseinsatz informiert. Die beorderte erneut „Christopher 62“ in die Felsengegend. An Bord der Maschine des Typs H 145 saß ein der Holzdorfer Crew bekannter Kollege. „Er war viele Jahre selbst Soldat und ist für uns SAR-Einsätze geflogen“, so Kommandeur Preuß. Zwar fiel auch ihm die Rettung der jungen Frau nicht leicht. Doch mit wesentlich mehr Power ausgestattet, schaffte es die H 145, die Verletzte zu bergen und in ein Krankenhaus zu bringen.

Feldjäger bewachten den defekten Helikopter

Angesichts der Schwere des Schadens blieb der Bell UH 1D der selbständige Rückflug verwehrt. „In diesem Fall muss das Hauptgetriebe gewechselt werden, was natürlich vor Ort nicht möglich ist“, erklärt Preuß. Eine zweite SAR-Maschine wurde deshalb nach Bad Schandau beordert, die sich der medizinischen Ausrüstung des beschädigten Helikopters annahm und statt ihrer an den Stützpunkt Holzdorf flog. Der defekte Helikopter hingegen wurde von Feldjägern bewacht und am folgenden Tag via Sattelschlepper in die Werft nach Niederstetten, dem Sitz des SAR-Kommandos gebracht.

„Natürlich hätten wir uns ein anderes Ende der Mission gewünscht. Aber angesichts der schlechten Ausgangslage ist der Crew kein Vorwurf zu machen. Im Gegenteil. Sie hat ihr Möglichstes versucht. Um so mehr hoffen wir jetzt aber, dass unsere betagten Bell UH 1D bald gegen die neuen H 145 getauscht werden“, ergänzt Marcus Preuß. Beide Maschinen trennt ein Quantensprung. Bis Herbst 2020 soll die Bundeswehr sieben Maschinen des Typs H 145 erhalten und sie in den SAR-Dienst stellen. Der erste Hubschrauber befindet sich im Airbus-Werk in Donauwörth bereits in der Endmontage, die Ausbildung der 50 Piloten der Staffel hat ebenfalls schon begonnen. Auf die Bell UH 1D indes wartet nur noch der Ruhestand.