Flüchtlinge in Herzberg
: So schenkt ein Verein Menschen Hoffnung

Gegründet in der Flüchtlingskrise ist ein Verein in Herzberg heute Vorzeigeprojekt für Unterstützung und Zusammenhalt. Er bietet Migranten eine neue Heimat. Das wurde erreicht.
Von
Isabell Hartmann
Herzberg
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Flüchtling Shafi Ramani mit dem zweiten Vorsitzenden des Vereins, Frank Gebauer (rechts im Bild). Sie treffen sich regelmäßig jede Woche zum Volleyball.

Hoffbunbg in Herzberg: Flüchtling Shafi Ramani mit dem zweiten Vorsitzenden des Vereins, Frank Gebauer (rechts im Bild). Sie treffen sich regelmäßig jede Woche zum Volleyball.

Isabell Hartmann

Während der globalen Unruhen und massenhaften Fluchtbewegungen im Jahr 2015 gründet sich in Herzberg der Verein WELT. Die Abkürzung steht für Wissen, Engagieren, Lernen, Tolerieren. Das erklärte Ziel: Menschen mit Migrationshintergrund bei der Teilhabe am sozialen Leben zu unterstützen. Was konnte seitdem erreicht werden? Welche Aufgaben stehen in den nächsten Monaten an?

In Kooperation mit der Grund- und Oberschule „Johannes Clajus“, die für ihr Engagement im Bereich Migration mit dem Titel „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" ausgezeichnet wurde, werden Bildungspatenschaften mit Einheimischen organisiert. Über das Bildungsministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend haben zwei Osteuropäerinnen Patenschaften für Flüchtlinge übernommen, um ihre Erfahrungen in Deutschland mit den Migranten zu teilen. Die zwei Frauen sind die eigentlichen Gründer des Vereins. Unterstützt werden sie dabei von dem ehemaligen Integrationsbeauftragten des Landkreises Elbe-Elster und jetzt Vorsitzenden des Vereins, Jürgen Brückner.

Schwimmkurse für Frauen als Angebot

Er besorgt Fördergelder für den Verein. Hilfe dafür erhält er auch von der stellvertretenden Bürgermeisterin Stephanie Kunze. Er sagt dazu: „Die Gelder konnten wir über das Bündnis für Brandenburg für Integrationsförderung und des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge organisieren. Wir haben so die Möglichkeit, viele Projekte im Verein durchzuführen.“ Die Angebote für Ausländer reichen dabei von Schwimmkursen für Frauen, dem Austausch über das Leben in einer Kommune oder auch, wie eine Verwaltung in Deutschland funktioniert.

Der Vereinsvorsitzende führt weiter aus: „Wir hatten erst eine Referentin da, die über Frauenrechte im Land aufklärt. Die Frauen konnten hier über ihre eigenen Erfahrungen in ihren Heimatländern berichten. Wichtig ist uns, neben Bildungsangeboten auch sportliche Angebote zu ermöglichen. Deshalb haben wir eine Volleyballgruppe gegründet, in der sich Männer und Frauen sportlich betätigen können.“

Neue Lebensaufgabe in Herzberg

Diese Gruppe leitet der zweite Vorsitzende des Vereins, Frank Gebauer. Ein Bandscheibenvorfall vor mehr als zehn Jahren zwingt ihn, beruflich kürzerzutreten. Er sucht eine neue Aufgabe, der er sich widmen kann und erhält zufällig ein Angebot, das sein Leben verändert. Er erklärt: „Vor ein paar Jahren wurde ich von einer befreundeten kurdischen Familie angesprochen, ob ich nicht ihren beiden Söhnen Deutsch beibringen könnte. Meine Frau ist Lehrerin, von ihr konnte ich mir Tipps geben lassen, wie man unterrichtet. Ich habe dann die Bildungspatenschaft für die Jungs übernommen und über diese Patenschaft kam ich zum Verein.“

Seitdem unterstützt er Afghanen, Syrer oder auch Iraner bei Problemen im Alltag und führt auch mal handwerkliche Tätigkeiten in ihren Wohnungen und Unterkünften aus. Mittlerweile betreut er über zwanzig Familien. Manchmal sei es eine Herausforderung, den Überblick zu behalten, sagt er, aber die tatkräftige Hilfe der Migranten erleichtere seine Aufgabe: „Die Menschen, die hier herkommen, sind keineswegs passive Empfänger. Sie gestalten aktiv das Vereinsleben und organisieren Feste, auch für die neu angekommenen. Sie sind sehr dankbar für die Hilfe, die wir ihnen zusätzlich geben.“

Regelmäßig treffen sich Migranten zum kulturellen und intellektuellen Austausch. Auch Alltagssorgen werden hier besprochen.

Regelmäßig treffen sich Migranten zum kulturellen und intellektuellen Austausch. Auch Alltagssorgen werden hier besprochen.

Frank Gebauer

Flüchtlinge dankbar für Hilfe in Herzberg

Dankbar ist auch Shafi Ramani. Der Afghane hat in seiner Heimat als Journalist gearbeitet, bis durch die Übernahme der Taliban sein Leben bedroht wird. Über eine Hilfsorganisation kommt er mit der Ausländerbehörde Deutschlands in Kontakt, die ihm die Ausreise nach Deutschland ermöglicht. Mit seiner Frau und zwei Kindern lebt er nun seit sechs Monaten in Herzberg. Dass jetzt auch seine Mutter in Deutschland leben darf, hat einen speziellen Grund. Er verstehe, dass einige Deutsche ein Problem mit dem Familiennachzug haben, erklärt er, aber seine Mutter könne nicht allein in Afghanistan bleiben: „Mein Vater war Lehrer und hat Jungen und Mädchen zusammen unterrichtet. Das haben Vertreter einer Gruppe, die sich auf traditionelle Werte berief, mitbekommen, sind in unser Haus eingedrungen und haben meinen Vater getötet. Das ist 25 Jahre her. Seit ich erwachsen bin, habe ich mich um meine Familie gekümmert. Meine Mutter hätte es ohne Mann in Afghanistan nicht geschafft, zu überleben.“

Shafi Ramani möchte auch in Deutschland für seine Familie sorgen. Um hier arbeiten zu können, braucht er das Sprachniveau B2, das heißt, er muss in der Lage sein, sich fließend zu verständigen. Er spricht bereits sehr gut deutsch und ist zuversichtlich, dass er in den nächsten Monaten den Kurs bewältigen wird. Hilfe bekommt er dabei im Sprachcafé des 3 Horizonte Projekthauses.

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