Von Sylvia Kunze

Wer meint, Artenschutz und Arterzahltungszuchtprojekte sind nur in großen zoologischen Einrichtungen angesiedelt, der irrt. Den Beweis erbringen die Falkenberger Jungaquarianer, die mit genau so einem Projekt betraut worden sind und sich ordentlich dahinterknien, dass es ihren schwimmenden Schützlingen gut geht und sie sich bald ausreichend vermehren.

Die Zwergbuntbarsche, die eigentlich im Moliwe-Fluss in Kamerun beheimatet sind, dort aber wegen dem durch Monokultur weiträumig zerstörten Uferbereich des Flusses in ihrem Lebensraum bedroht sind, haben sich gut in ihrem Becken in den Räumen der Arbeitsgemeinschaft in der Falkenberger Karlstraße eingelebt. Sie sind unter den rund 100 Aquarien- und Terrarientierarten, die hier von den derzeit 19 Kindern und Jugendlichen und ihrem Betreuer Jens Helemann versorgt werden, bei weitem nicht die einigen Exoten. Auch nicht die Größten oder Schönsten. Aber die einzigen Tiere, bei denen es knallhart um Arterhaltungszucht geht. Gelingt die nicht, stirbt womöglich schon bald die nächsten Tierart aus.

Schaut man in das Becken, muss man dies allerdings nicht akut befürchten. Der AG-Leiter Jens Helemann frohlockt mit Blick auf einige Weibchen, dass es vielleicht schon bald mit dem ersten Nachwuchs klappen könnte. Einige der Kinder lassen sich interessiert erklären, was dann zu beachten ist. Helemann spricht davon, Bruthöhlen in das Aquarium einzubringen sowie andere Fischarten, die sich darin aktuell noch tummeln, hingegen zu entnehmen und in andere Becken umzusetzen, damit der Nachwuchs der Pelviacachromis kribensis dann ungestört heranwachsen kann.

Und das alles wird genau dokumentiert: Wie viele Tiere sind in Falkenberg angekommen? Wie groß waren sie da? Wie wachsen sie heran? Wie entwickelt sich der Bestand? Alle diese Daten werden in einem zentralen Zuchtbuch notiert. Denn die Falkenberger sind nicht die einzigen Fischfreunde, die sich dem Artenschutz verschrieben haben und mithelfen wollen, die Welt im Kleinen zu retten.

„Die Tiere bleiben Eigentum des Projekts und dürfen nicht ohne Rücksprache mit dem Projektleiter weitergegeben werden“, erläutert Helemann. Ziel sei es natürlich, diese Arten zu vermehren, denn umso mehr sich um deren Erhalt kümmern würden, desto eher gelte der Bestand als gesichert. Der AG-Chef ist überzeugt: „Unsere Jugendgruppe wird an diesem Projekt viel Freude haben und es in Bildungseinrichtungen und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit der Arbeitsgemeinschaft vorstellen.“

Und dabei bestenfalls auch gleich noch über weitere besondere Schützlinge sprechen. Zum Beispiel über seltene Wildformen wie die Jamaika Kärpflinge oder den Rio Atoyac-Schwertträger, für den Aquarienfreunde extra von Bremerhaven nach Falkenberg gereist kommen. Oder auch über geglückte eigene Axolotl- und Bartagamenaufzuchten, Schlangen, die das Veterinäramt bringt, oder eine Boa constrictor, die aus dem Tierschutz kommt.

Da sage mal noch einer, dass Aquaristik und/oder Terraristik langweilige Hobbys wären. Über nunmehr mehr als 20 Jahre hält Jens Helemann die Kids bei der Stange. Scheiden sie altersbedingt dann einmal aus, sind meist schon Jüngere nachgerutscht. „Jetzt, nach dem zurückliegenden erfolgreichen Messewochenende im Haus des Gastes, haben wir wieder drei Neuanmeldungen registriert. Das sind aktuell so viele Kinder und Jugendliche, die in der AG mitarbeiten wollen, dass ich erstmals einen Aufnahmestopp ausgesprochen habe und in der Folge mit einer Warteliste arbeiten muss“, resümiert der Leiter der Arbeitsgruppe.