In Zeiten, wo dem Falkenberger Bürgermeister Herold Quick (parteilos) in Sachen Verbandsgemeindezusammenschluss mit den Nachbarstädten Bad Liebenwerda, Uebigau-Wahrenbrück und Mühlberg aus den Reihen der einheimischen Abgeordneten ein rauher Wind entgegen bläst, sind positive Lichtblicke besonders gern gesehen.

Ein solcher war aus Sicht des Stadtoberhaupts definitiv der Abschlusstermin zum Projekt „Baukultur in ländlichen Räumen“ in der Brandenburger Landesvertretung in Berlin. Es hat die Stadtverantwortlichen und ihre Partner immerhin ein ganzes Jahr lang neben der eigentlich zu leistenden Arbeit beschäftigt. „An den Aussagen und in den Gesichtern der Anwesenden war deutlich abzulesen, dass alle mit dem Ergebnis sichtlich zufrieden sind“, bilanziert Herold Quick danach.

Aufgeben ist der falsche Weg Die Ideen der Bürger sind gefragt

Falkenberg

Was macht nun die Baukultur in Falkenberg aus? Worin unterscheidet sie sich von der anderer Städte und Gemeinden im Umkreis? Wie soll und kann man mit ihr zukünftig umgehen? Auf jede dieser drei Kernfragen hat die Projektarbeit ausreichende Antworten gegeben.

Prägendstes Detail im Beinamen verankert

Das prägendste Detail haben die Falkenberger längst allein erkannt und im Beinamen verankert: Eisenbahnstadt nennt sich Falkenberg nun schon seit geraumer Zeit und offiziell bestätigt. Und die Bahn ist es auch, die der Stadt einen gehörigen (nicht nur architektonischen) Stempel aufdrückt, sie erst zerschnitten hat und später maßgeblich für deren späte Entwicklung vom Dorf zu einer Kleinstadt sorgte.

„Selbst Stadtpark und die vielen Kleingärten sind erst mit der Bahn entstanden“, zeigt Herold Quick Querverbindungen auf, die bis ins Heute reichen: „Die Bildungslandschaft in dieser Form, wie wir sie heute in Falkenberg vorfinden, basiert auf der Erreichbarkeit unserer Stadt mit der Bahn.“

Das hat man sich im Laufe des Projektzeitraums noch einmal sehr bewusst gemacht, ist mit Bürgern und Ehrenamtlern ins Gespräch gekommen und hat intensiv über die Zukunft debattiert.

Denn, so Baustaatssekretär Rainer Genilke (CDU): „Wir wollen die Kommunen im ländlichen Raum stärken und sie in ihrer Entwicklung unterstützen. Bei dem Projekt ,Stadt-Land gestalten’ geht es auch darum, sich die gebaute Geschichte eines Ortes ins Gedächtnis zu rufen. Was macht unsere Gemeinde aus? Was ist das Besondere? Wo gibt es bauliche Kontinuität, wo Veränderung?

Dass bei der Beantwortung dieser Fragen die Bürgerinnen und Bürger mit eingebunden werden, stärkt die Identifikation mit dem Wohnort und es entsteht zugleich ein Bewusstsein für die baukulturellen Werte der Kommunen und ihrer Umgebung.“

Themen sollen weiterentwickelt werden

Was danach bleibt, sind für das Falkenberger Stadtoberhaupt sehr viele Parallelen zum erstellten Integrierten Stadtentwicklungskonzept. „Ich bin zuversichtlich, dass wir die angerissenen Themen weiterentwickeln und umsetzen können“, sagt Quick. Beim Aspekt der Bahn bleibend zeigt sich der Bürgermeister optimistisch: In Zeiten der Klimadiskussion werde dieses Transportmittel an Stabilität gewinnen und „vielleicht hilft uns das ja hier vor Ort weiter“.

Zudem erinnert Quick daran, dass im Koalitionsvertrag von einem zweiten Gleis Richtung Jüterbog die Rede sei und er verweist auf die laufenden Planungen für die Modernisierung des unteren Bahnhofs. „Das alles kann unseren Eisenbahnknoten nur aufwerten.“

So intensiv über Vergangenheit, Zukunft und Identität zu sprechen, hat in Falkenberg für einen Schub gesorgt. „Der Workshop hat offenbart, dass sich auch junge Leute für die Stadt engagieren wollen. Im Nachgang gründete sich gleich eine Gruppe, die begonnen hat, Veranstaltungen im Stadtgebiet zu koordinieren“, freut sich der Bürgermeister.

Weitere Ideen, die insbesondere in dem Workshop zu unterschiedlichen Themenfeldern erarbeitet wurden, gilt es noch abzuarbeiten. „Das wird maßgeblich davon abhängen, wie es uns gelingt, im Stadtumbauprogramm oder über andere Quellen Fördermittel dafür zu akquirieren. Eine gute planerische Grundlagen haben wir jedenfalls dafür schon mal“, ergänzt Gundula Manigk, Leiterin des Stadtbauamtes.

Was es zum Projekt zu sagen gibt


Das Projekt hat Anstöße für eine gemeinsam entwickelte Baukultur vor Ort gegeben und zeigt beispielhaft, welche örtlichen Kräfte für Erhalt und Entwicklung unverwechselbarer Städte und Gemeinden in den ländlichen Regionen mobilisiert und genutzt werden können. Beim Beispiel Falkenberg geht es u.a. um das Leben in einer wichtigen Eisenbahnstadt, die Zukunft des Traditionsstandortes, die regionale Wirtschaftskraft und die Stadterneuerung mit Blick auf historisch wertvolle Bauwerke.

Die Projektreihe „Stadt-Land gestalten“ zur Baukultur in ländlichen Räumen wird unterstützt von der Brandenburgischen Architektenkammer und vom Infrastrukturministerium. Eckpunkte sind ein Workshop sowie eine Ausstellung und eine Publikation, die das Wesentliche, das die EnergieBahnStadt Falkenberg ausmacht, zusammenfasst.

Bisherige Austragungsorte des Formats „Stadt-Land gestalten“ waren Plaue (Brandenburg/Havel - 2015), Letschin (Oderbruch - 2016), Kloster Lehnin (2017), Amt Unterspreewald (2018). 2020 richtet sich damit die Aufmerksamkeit auf Lenzen/Elbtalaue.