Der Strom- und Gasnetzbetreiber enviaM, der auch große Teile des Netzes in der sächsischen und brandenburgischen Lausitz betreibt, hat am Mittwoch angekündigt, seine Strompreisgestaltung ab 1. Januar 2022 anzupassen.
Ein befürchteter großer Preissprung bleibt dabei beim Strom ab Januar aus.

Höherer Grundpreis, niedrigerer Verbrauchspreis

Der Energiedienstleister senkt nämlich zum Jahreswechsel die Verbrauchspreise. Den Verbrauch können die Kunden mit ihrer Stromabnahme mehr oder weniger individuell bestimmen.
Dagegen erhöht sich der Grundpreise für den Strom, den alle Verbraucher in gleicher Höhe zahlen müssen. Die Stromrechnung ändert sich durch die Verschiebung, nach Angaben der enviaM für die meisten Kunden nur unwesentlich.

Finsterwalde

Betroffen sind 770.000 Strom-Kunden

Von der Anpassung der Verbrauchs- und Grundpreise für Strom sind immerhin rund 770.000 Privat- und Geschäftskunden im enviaM-Netzgebiet betroffen. Das umfasst vor allem Sachsen (nicht die sächsische Lausitz) sowie in Südbrandenburg sowie Teilen Sachsen-Anhalt und Thüringens.

Das bedeuten Verbrauchs- und Grundpreis beim Strom

Der Strompreis setzt sich aus dem Verbrauchspreis und dem Grundpreis zusammen. Unter dem Verbrauchspreis für Strom sind alle Kosten zu verstehen, die für die Stromlieferung und den Stromverbrauch anfallen. Der Grundpreis für Strom ist vom Stromverbrauch unabhängig. Er beinhaltet die Aufwendungen für die Bereitstellung der Leistung, den Messstellenbetrieb, die Abrechnung und die Vertriebskosten.
„Wir sind sehr froh, unsere Privat- und Gewerbekunden bei den Verbrauchspreisen für Strom entlasten zu können und geben dabei die Senkung der EEG-Umlage weiter“, sagt Andreas Auerbach, der enviaM-Vorstand für den Vertrieb. Er begrüßte, dass die EEG-Umlage auf den niedrigsten Stand seit neun Jahren gefallen sei. Das sei vor allem der finanziellen Bezuschussung durch den Bund zu verdanken, sagte Auerbach.

Beispiel: So ändert sich die Stromrechnung konkret

Während der Verbrauchspreis für Privat- und Gewerbekunden dadurch sinkt, steigt der Grundpreis zum Jahreswechsel von bisher 134,37 Euro brutto auf 145,05 Euro brutto pro Jahr. Das ist eine Steigerung von immerhin 7,9 Prozent.
Für einen enviaM-Gewerbekunden in der Grundversorgung erhöht sich der Grundpreis zum Jahreswechsel von 200,00 Euro brutto auf 210,68 Euro brutto pro Jahr (+5,3 Prozent).
Der Erhöhung der Grundpreise für Strom steht die Senkung der Verbrauchspreise entgegen. Die Stromrechnungen für die Kunden verändert sich deshalb ab 1. Januar 2022 nur unwesentlich.
Bei Verbräuchen ab 3.000 Kilowattstunden pro Jahr sinke die Stromrechnung sogar leicht, hatten die Fachleute der enviaM ausgerechnet.
Die Stromrechnung für einen Privatkunden in der Grundversorgung mit einem Jahresverbrauch von 2.000 Kilowattstunden beträgt im neuen Jahr statt 721 Euro künftig rund 725 Euro brutto pro Jahr. Das entspricht einer Steigerung von 0,5 Prozent..
Die Stromrechnung für Gewerbekunden in der Grundversorgung mit einem Jahresverbrauch von 6.000 Kilowattstunden beträgt dann ab 1. Januar 2022 statt rund 1.971 Euro künftig rund 1.960 Euro brutto pro Jahr – ein Minus von 0,5 Prozent.

Preis für Erdgas steigt massiv

Mitnetz Gas – die Gastochter der enviaM hat am Mittwoch dagegen massive Preissteigerungen beim Erdgas ab 1. Januar 2022 angekündigt. Die Verbrauchspreise sollen zum Jahreswechsel für Privat- und Gewerbekunden im Netzgebiet der Mitnetz Gas um 1,25 Cent pro Kilowattstunde brutto steigen.
Für einen Privat- und Gewerbekunden im Netzgebiet der Mitnetz Gas mit dem häufig gewählten Tarif „Classic-Paket“, erhöht sich der Verbrauchspreis im neuen Jahr ab 1. Januer 2022 von 6,99 Cent auf 8,24 Cent je Kilowattstunde brutto. Ein Durchschnittshaushalt mit einem Jahresverbrauch von 18.000 Kilowattstunden zahlt künftig für Erdgas rund 225 Euro mehr pro Jahr als bisher. Das ist ein satter Aufschlag von 16 Prozent.
Zum Grundversorgungsgebiet der Mitnetz Gas gehören Teile der Elbe-Elster-Region um Herzberg und Schönewalde. Wer sich genauer informieren will: Im Internet gibt es die Karte für das Versorgungsgebiet von Mitnetz Gas.

Das sind die Ursachen für den Preis-Schock

Begründet wird der von Andreas Auerbach, der auch Geschäftsführer der Mitnetz Gas ist, mit der eingeführten und weiter steigenden CO2-Abgabe und den horrend gestiegenen Beschaffungskosten. Die hätten sich seit Anfang 2021 vervierfacht.
„Dass die Preisexplosion im laufenden Jahr bei unseren Privat- und Gewerbekunden nicht noch stärker durchgeschlagen hat, ist unserer langfristigen Beschaffungsstrategie zu verdanken. Wir kaufen das Erdgas für unsere Privat- und Gewerbekunden in mehreren Tranchen zu verschiedenen Zeitpunkten ein“, erklärt Andreas Auerbach die Strategie seines Unternehmens.
Für das Jahr 2022 sei in den Jahren von 2019 bis 2021 Erdgas eingekauft worden. Die jüngsten massiven Preissprünge bei den Beschaffungskosten träfen die enviaM-Kunden nicht in vollem Umfang Auf die CO2-Abgabe, die neben den Beschaffungskosten der zweite wesentliche Preistreiber sei, hätten die Gasversorger keinen Einfluss. Sie sei gesetzlich festgelegt und werde einfach an die Kunden weitergereicht.

Chemnitz

Die enviaM-Gruppe

►Die enviaM-Gruppe ist der führende regionale Energiedienstleister in Ostdeutschland. Der Unternehmensverbund versorgt knapp 1,3 Millionen Kunden mit Strom, Gas, Wärme und Energie-Dienstleistungen.
►Zur Unternehmensgruppe mit rund 3.300 Beschäftigten gehören die envia Mitteldeutsche Energie AG (enviaM), Chemnitz, sowie weitere Gesellschaften, an denen enviaM mehrheitlich beteiligt ist. Gemeinsam entwickeln sie das Internet der Energie in Ostdeutschland.
►Anteilseigner der enviaM sind mehrheitlich die E.ON SE sowie rund 650 ostdeutsche Kommunen. Die Anteilseigner sind sowohl unmittelbar als auch mittelbar über Beteiligungsgesellschaften an enviaM beteiligt.