Von Birgit Rudow

Zwei Frauen mit bepackten Eseln haben am Montagvormittag im Herzberger Stadtgebiet für neugierige Blicke gesorgt. Wie von einem Zirkus sahen sie nicht aus. Sind sie auch nicht. Benigna und Andrea (ihre Nachnamen wollen sie der Öffentlichkeit lieber vorenthalten) sind auf dem Weg nach Florenz. Und das ist nicht nur so eine Flitzidee, sondern eine Aktion, die vor allem Benigna seit Jahren vorbereitet hat.

Die Frau aus Rauen bei Fürstenwalde ist vor Jahren schon einmal mit dem Rucksack auf dem Rücken von ihrem Heimatort nach Thüringen gewandert. Der Rucksack war schwer, und sie hatte sich damals schon einen „Lasten“-Esel gewünscht. Später hat sie viel über die Tiere gelesen, und so stieg der Wunsch nach einer langen Wanderung nach Italien – aber nur mit Esel. Sie hat sich beraten lassen, zwei Esel gekauft und ihr Mann hat 2012 einen Eselstall im heimischen Gemüsegarten gebaut. Seitdem gehören „Enzo“ und „Blue“ zur Familie. „Ich habe sieben Jahre mit den Tieren trainiert, um sie auf die Wanderung vorzubereiten“, erzählt Benigna. Sie ist mit ihnen spazieren gegangen, auf Straßen und in Menschenmengen gelaufen oder hat mit ihnen im Freien übernachtet. Auch das Tragen von Gepäck musste lange geübt werden. „Jetzt sind sie soweit und ich kann die lange Wanderung starten“, sagt sie. Die Familie spielt mit. Ihr Mann und die fünf Kinder, sie sind zwischen 27 und 17 Jahre alt, geben ihr Rückendeckung. „Mama, wenn Du das möchtest, dann mach das, haben sie gesagt“, erzählt die freiberufliche Bewegungspädagogin nach Pikler.

Andrea aus Berlin Neukölln hat von der Aktion erfahren und ist spontan nach Rauen zu Benigna gefahren. Doch dann sei sie skeptisch geworden, so die gelernte Krankenschwester. „Im Zelt schlafen ist eigentlich nichts für mich. Ich brauche ein Bett und eine Dusche“, sagt sie. Erst wollte sie nur bis Thüringen mitwandern, wo eine längere Rast eingelegt werden soll, aber Benigna hat sie dann doch überzeugt, die gesamte Strecke bis Florenz mit ihr und den Eseln anzugehen. Ihre beiden Kinder fanden das toll. „Wir ergänzen uns beide gut, und ich habe auch keine Angst mehr vor den Eseln. Für mich ist das alles bewusstes Leben“, sagt Andrea, die auch für das Fotografieren zuständig ist. Der Fotoapparat ist neben einem Reisetagebuch und einem Handy so ziemlich der einzige Luxus. „Es kann ja nur das Nötigste mit. Auch die Esel dürfen nicht überlastet werden“, sagt Benigna.

Vor zwei Wochen sind die beiden Frauen aufgebrochen, und es gab natürlich auch schon die ersten Problemchen, mal abgesehen vom gerade wieder kühler werdenden Wetter. „Wir haben zum Beispiel nicht mehr gewusst, was in welcher Tasche ist“, so Benigna. Die Frauen hatten die Taschen vorher abgewogen, um die Esel ausgewogen zu belasten. Dieses System darf durch ständiges Ein- und Auspacken nicht durcheinander geraten.

In den ersten Tagen sind Benigna und Andrea auf viele interessierte und gastfreundliche Leute getroffen. Zwar haben sie vier Nächte im Zelt verbracht, kamen aber auch auf Pferdehöfen, Wohnwagen oder (zur Freude der Esel) in Gärten unter. Einmal hatten sie ein ganzes Bauernhaus für sich, das gerade saniert wird. In Schönewalde wurden die Frauen herzlich auf einem Bio-Bauernhof aufgenommen und auch in Kaxdorf wurden sie prima versorgt, erzählen sie. „Da hat mir der Hausherr morgens sogar heißes Wasser für meine Haferflocken gebracht“, erzählt Andrea. Alle fünf Tage müssen die Wanderinnen eine längere Pause einlegen. Dann brauchen Enzo und Blue einen Ruhetag.

Für die Frauen ging es am Montag erst einmal in Richtung Torgau weiter. Rehfeld sollte die nächste Station sein. Aus Sachsen geht es dann weiter nach Thüringen, wo sie bei Benignas Eltern einen größeren Zwischenstopp einlegen wollen. Dann warten die Alpen. „Immer geradeaus rüber“, kündigt Benigna an. Sie hat Bekannte, die das schon einmal bewältigt haben. Außerdem haben sich schon Begleiter angesagt. „Mein Schwager will zum Beispiel über die Alpen mitkommen“, sagt sie. Begleitung ist den beiden Frauen nicht fremd. Schon am zweiten Tag ist jemand den ganzen Tag mit ihnen mitgelaufen.

Einmal am Tag telefoniert Benigna mit ihrem Mann zu Hause. „Er beobachtet auf der Karte genau, wo wir gerade sind und schreibt auch die Geschichten auf, die wir am Telefon erzählen“, sagt sie.

Und wann wollen die beiden in Italien ankommen? „Wenn es soweit ist, sind wir da“, meinen sie und wollen sich und die beiden Tiere auf dem Weg zu ihrem Traumziel nicht unter Druck setzen. Und sie hoffen, unterwegs noch viele nette Menschen kennenzulernen.