Mit einem simplen Klick gab Mario Müller das Signal. In der Leitstelle Lausitz aktivierte der Systemtechniker über den Computer Hunderte Sirenen im Bereich der Südbrandenburger Leitstelle. Doch nicht alle Warnmelder sprangen an. Der erste bundesweite Warntag im Jahr 2020 legte die Schwachstellen im System offen.
Brandenburgs Staatssekretär Uwe Schüler sprach zwar in einer ersten Auswertung von einem insgesamt erfolgreichen Verlauf. Aber auch er bestätigte: „Aus technischen Gründen konnten nicht in allen Städten und Gemeinden Sirenen aktiviert werden.“ Ein flächendeckendes Sirenennetz, wie es noch vor 30 Jahren existierte, sei heute nicht mehr vorhanden. Um perspektivisch alle Bürger mit Sirenensignalen vor möglichen Gefahren warnen zu können, sollten die Möglichkeiten geprüft werden, das vorhandene Sirenennetz weiter auszubauen.

Elbe-Elster rüstet bei Sirenen auf

Das hat der Landkreis Elbe-Elster getan, bestätigte Kreisbrandmeister Steffen Ludewig gegenüber LR.de. Die Aufrüstung und Wiederinbetriebnahme von Sirenen sei bereits im ersten Quartal des Jahres 2021 vom Landkreis in Angriff genommen worden. Dazu habe es im Rahmen der Nachbereitung des 2020er-Warntages einen Ansatz gegeben, dafür Fördermittel zu bekommen.
Geld ist inzwischen auch schon geflossen. So hat die Stadt Herzberg zum Beispiel 57.000 Euro Fördermittel aus dem „Sonderprogramm Sirenen“ des Bundes zur Verbesserung der Warninfrastruktur erhalten. Davon sollten fünf Sirenen im Stadtgebiet erneuert werden.

Mehr als 200 Sirenen gibt es in Elbe-Elster

Laut Kreisbrandmeister gibt es im Landkreis noch 217 Sirenen. Davon seien 209 mit der Leitstelle Lausitz in Cottbus verbunden und 201 an die digitale Alarmierung angeschlossen. Damit hat fast jeder Ort noch mindestens eine Sirene.
Ob diese alle auch funktionieren, soll beim Warntag am 8. Dezember ermittelt werden, sagt Friedericke Ullrich vom Ordnungsamt des Landkreises Elbe-Elster. „Das ist der Part, den wir und die Kommunen zum Warntag übernehmen“, ergänzt sie. Städte wie Herzberg oder Elsterwerda würden zudem auf ihren Internetseiten informieren. Auch Stadt-Info-Apps, die über das Handy geladen werden können, seien in das System eingebunden.
Doch auch die Landkreis-Mitarbeiterin hebt die Bedeutung der Sirenen hervor. „Über diese wird der größte Teil der Bevölkerung erreicht.“

Sirenen waren nach der Wende nicht mehr gefragt

Sirenen würden alle Menschen warnen, die kein Handy besitzen, sagt der stellvertretende Kreisbrandmeister Mario Harnisch. „Unmittelbar nach der Wende waren die Sirenen, aus welchem Grund auch immer, plötzlich nicht mehr gefragt“, erinnert er sich. Doch inzwischen sei die Bedeutung wieder erkannt worden.
Die Stadt Herzberg hat 57.000 Euro für fünf Sirenen im Stadtgebiet erhalten.
Die Stadt Herzberg hat 57.000 Euro für fünf Sirenen im Stadtgebiet erhalten.
© Foto: Dieter Müller
Allerdings machten die Sirenen nur Sinn, wenn sie auch bei einem Stromausfall funktionieren. Deshalb seien in einigen Orten bereits Notstromaggregate installiert worden. Dafür habe es eine Förderung des Landes gegeben. „Auch einige Gerätehäuser verfügen mittlerweile über eine autarke Stromquelle“, so der Vize-Kreisbrandmeister. Dem Warntag am 8. Dezember blicke er deshalb optimistisch entgegen.

Bundesweiter Warntag: Das passiert am 8. Dezember

Was passiert aber nun genau am 8. Dezember? Ab 11 Uhr aktivieren die beteiligten Behörden und Einsatzkräfte unterschiedliche Warnmittel wie zum Beispiel Radio und Fernsehen, digitale Stadtanzeigetafeln oder Warn-Apps. Beim Warntag wird zudem Cell Broadcast zum ersten Mal getestet. Cell Broadcast ist eine Warnnachricht, die direkt aufs Handy geschickt wird.
Auf diese Weise sollen die technischen Abläufe im Fall einer Warnung und auch die Warnmittel selber auf ihre Funktion und auf mögliche Schwachstellen hin überprüft werden, heißt es aus dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Im Nachgang werden laut Amt von den Verantwortlichen gegebenenfalls Verbesserungen vorgenommen und so das System der Bevölkerungswarnung sicherer gemacht.

Teilnahme am Warntag ist freiwillig

Der bundesweite Warntag diene dem Ziel, die Menschen in Deutschland über die Warnung der Bevölkerung zu informieren und sie damit für Warnungen zu sensibilisieren. Die Teilnahme am bundesweiten Warntag sei allerdings freiwillig.