Den Sommer hat Daniel Lenhart jetzt hinter sich gelassen. Dafür verbringt er nun nach fünf Wochen der Trennung seine freie Zeit wieder im Kreis der Familie. Der Sommer, das war für den Oberfeldwebel die Hitze der Wüsten Israels. Tageshöchstwerte zwischen 29 und 36 Grad Celsius galt es für ihn und alle anderen an der Übung „Blue Flag“ beteiligten Soldaten zu meistern – an fünf Tagen in der Woche rund um die Uhr. Das damit verbundene Abenteuer und Erlebte möchte der 30-jährige Truppführer dennoch nicht missen. „Es war eine tolle Erfahrung und echte Herausforderung für uns”, betonte er nach seiner Rückkehr am Bundeswehrstandort Schönewalde-Holzdorf.

An der bedeutendsten Übung der Luftwaffe der Bundeswehr ist er bis vor wenigen Tagen in Israel beteiligt gewesen. Gemeinsam mit internationalen Partnern wie Israel, den USA, Griechenland und Italien trainierte die Luftwaffe Luftoperationen im multinationalen Rahmen. An der unter dem Namen „Blue Flag“ stehenden Operationen beteiligten sich erstmalig auch sechs Soldaten des Einsatzführungsbereiches 3 aus Schönewalde-Holzdorf. Ihr Auftrag lautete, die Handlungen des deutschen Kontingentes mit einer stabile Datenverbindung in die Heimat sicherzustellen.

Überall feiner Staub

Unter der Hitze gelitten hat dort auch das technische Equipment, fügte er an. Die SatCom-Anlage, die Verbindung zu einem bundeswehreigenen Satelliten in etwa 36 000 Kilometern Höhe herstellte, galt es täglich von feinem Staub zu reinigen und für den Dauereinsatz fit zu halten. Zwar ist das die Anlage, eine von vier, die die Bundeswehr besitzt, aus einer vorherigen Anwendung in Afghanistan gewöhnt, doch ohne die Pflege der Soldaten kann das Gerät seinen Dienst nicht verrichten. Selbst jetzt, nachdem sie eine Antonov 124 wieder nach Deutschland zurück gebracht hat, gibt es noch viel zu tun, sie wieder in den technischen Normalzustand zu versetzen.

Ohne das Zutun der Soldaten aus Schönewalde-Holzdorf hätten es die 140 deutschen Kontingentteilnehmer schwer gehabt, den Kontakt in die Heimat zu halten. Die Datenverbindung war notwendig, um die Absicherung des Übungsauftrages zu garantieren. Allem voran den von mehreren deutschen Eurofightern, die auf einer Air Base nahe Eilat im israelischen Grenzbereich zu Jordanien und Ägypten stationiert waren.

Weltweit autarker Netzwerkbetrieb

Die Aufgabe der Männer vom Einsatzführungsbereich 3 aus Schönewalde war somit enorm wichtig. In Zeiten der Digitalisierung geht nichts mehr ohne stabile Datenverbindungen. Diese stellt die SatCom-Anlage mit ihrer über zwei Meter großen Satellitenschüssel sicher. Ausgestattet mit einem Stromaggregat und einer Klimaanlage ermöglicht das mobile System der Luftwaffe einen weltweit autarken Netzwerkbetrieb. Abschließend spricht die israelische Seite von der komplexesten Übung seit das Format „Blue Flag“ 2013 erstmalig zum Einsatz kam. Insgesamt nahmen an dem Manöver etwa 1000 Soldaten und 50 Kampfflugzeuge teil, um vornehmlich Luftkampfszenarien zu trainieren.

Alarm-App ist angeschlagen

Fünf Wochen Übungseinsatz boten den deutschen Soldaten aber auch hin und wieder Zeit und Gelegenheit, das Gastgeberland etwas näher zu erkunden. Tagestouren an das Tote Meer, nach Jerusalem oder zur Felsregion Red Canyon brachten Abwechslung und zeigten die Schönheit des Landes auf. „Die Bevölkerung ist uns gegenüber überaus freundlich gewesen. Gleichsam sind die monströsen Grenzzaunanlagen zu Ägypten oder die Sperranlagen um Bethlehem aber auch erschreckend. Eine Alarm-App, die vor Raketenangriffen auf Israel warnt und die wir mitführen mussten, schlug mehrfach an”, berichtet Lehnart.

Gern wieder dabei

Sollte das deutsche Kontingent zur nächsten Auflage von „Blue Flag“ im Jahr 2021 wieder Soldaten des EFB 3 benötigen, wäre Daniel Lehnart gern mit dabei. „Diese Erfahrung möchte ich nicht missen”, bekennt er. Aber ehe es soweit ist, bleibt noch reichlich Zeit, um sich auf die nächsten Herausforderungen vorzubereiten.

Neupetershain