Baum fällen
: Wie man es richtig macht und was beim Umgang mit der Kettensäge wichtig ist

Marco Hammer kümmert sich neben Zweirädern auch um Kettensägen. Das betrifft deren Verkauf, Wartung und die Organisation von Ausbildungslehrgängen. Was wird dabei vermittelt und worauf sollte man generell beim Umgang mit diesen Sägen achten?
Von
Rico Meißner
Herzberg
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Marco Hammer in seinem Geschäft in Herzberg. Die Nachfrage nach neuen Geräten und Wartung der alten ist ungebrochen.

Rico Meißner

Eigentlich hat es Marco Hammer aus Herzberg ja eher mit den Zweirädern. Seit 2017 ist aber ein weiteres berufliches Standbein dazugekommen und das boomt. Neben Gartengeräten und dem Zweiradgeschäft bietet er alles an, was Kettensägen betrifft. Das reicht vom Verkauf, über die Wartung bis hin zu anfallenden Reparaturarbeiten.

„Als ich das Geschäft übernommen habe, hatte ich etwas Muffensausen, ob es denn auch wirklich funktionieren würde. Aber diese Sorge habe ich zum Glück überhaupt nicht mehr.“ Seine Kundschaft ist breit gefächert. „Das fängt bei Firmenkunden an, beispielsweise aus dem Bereich Hausmeisterdienste, Gebäudemanagement oder Zimmerleute. Und dann sind da natürlich auch noch die Privatkunden. Letztlich eigentlich jeder, der irgendetwas mit Bäumen zu tun hat.“

Hammer sieht einen aktuellen Trend, der sich deutlich steigert, nämlich den Einsatz von Maschinen mit Akkubetrieb. „Das fängt bei Laubbläsern an und geht weiter bis in den Kettensägenbereich. Zumal es in Deutschland bereits Kommunen gibt, wo im innerstädtischen Bereich gar keine Verbrennungsmotoren bei den Geräten mehr erlaubt sind.“ Der Vorteil dabei: unter anderem die Lärmbelastung sinkt massiv. „Ich glaube, das wird sich weiter fortsetzen“, meint Hammer.

Viele heizen noch (teilweise) mit Holz

Aber auch die „klassischen“ Sägen mit Verbrennungsmotor sind weiterhin gefragt. „Das ist in unserer Umgebung ja eigentlich auch kein Wunder. Sehr viele Leute haben entweder einen Kamin oder einen Holzvergaser bei sich zu Hause stehen. Und da braucht man schon eine ziemliche Menge an Holz. Manche holen es sich aus ihrem eigenen Wald, andere beispielsweise auch aus dem Bundesforst.“

Damit kommt etwas ins Spiel, was über die Kettensäge hinausgeht. „Wer selber fällen möchte, muss die Befähigung dafür nachweisen.“ Also muss an einer „Arbeitsschutzunterweisung“ teilgenommen werden, die Hammer ebenfalls organisiert. „Das umfasst dann einen theoretischen und einen praktischen Teil. Ganz am Anfang steht aber die richtige Ausrüstung und um die muss sich der Teilnehmer bereits im Vorfeld kümmern. Neben einer Schnittschutzhose gehören dazu Schuhe mit Stahlkappeneinlage und ein Forsthelm mit Gehörschutz. „Die Wichtigkeit dieser Ausrüstung wird in der Theorie noch einmal erläutert, ebenso die Frage nach der gesundheitlichen Eignung und wie eigentlich richtig gefällt werden muss.“

Im Augenblick sei der Sicherheitsfällschnitt die Variante der Wahl. Nach Festlegung der Fallrichtung wird dabei zunächst ein Fallkerb angelegt. Im Anschluss wird eine Bruchleiste und ein Sicherheitsband gestochen und ausgeformt. „Der Vorteil dieser Methode liegt darin, dass der Baumfäller nicht auf den physikalischen ‚Zufall‘ angewiesen ist, wann der Baum fällt, sondern den Zeitpunkt durch das Durchtrennen des Sicherheitsbandes selber wählt.“

Mehr als nur die richtige Fälltechnik

Genau das wird dann im praktischen Teil der Unterweisung, gemeinsam mit einem Forstingenieur, geübt. „Dazu kommen noch eine Vielzahl weiterer Dinge, auf die man zu achten hat. Etwa, wie man vorgeht, wenn ein Baum unter Spannung steht. Oder auch, wenn man im Bereich des Totholzes arbeitet, wie es bei den Kursen in der Regel der Fall ist, dass man auch immer bedenken muss, was von oben gegebenenfalls vom Astmaterial brechen und herunterstürzen kann.“

Dass auch bei solchen Einführungen nicht immer alles glattgeht, weiß Marco Hammer aus Erfahrung. „Im letzten Jahr hatten wir zum Beispiel einen Teilnehmer, der sich in den Oberschenkel gesägt hat. Dank der Schnittschutzhose wurde die Säge gestoppt und es war keine so tragische Sache. Ohne diese Hose wäre das allerdings eine ziemlich unschöne und blutige Sache geworden.“ Auch mit der Konzentration hapert es manchmal bei einigen Teilnehmern. „Da gab es einen Fall, in dem nicht bis zum vorgesehenen Punkt, sondern einfach weitergesägt wurde, bis der Stamm dann komplett durch war. Dann fällt er aber nicht mehr in die geplante Fallrichtung. In diesem einzelnen Fall ist er sogar komplett in die Gegenrichtung abgegangen. So etwas kann schnell schiefgehen.“

Hammer setzt in seinem Geschäft nur auf die Marke Stihl. „Mit den Sägen haben wir gute Erfahrungen gemacht. Die meisten Geräte, die wir warten, stammen zum Teil aus den Neunziger oder Zweitausender Jahren. Es sind aber hin und wieder auch alte Geräte aus den Achtzigern dabei.“ Das meiste, was repariert werden muss, sind Verschleißteile, also Dinge wie beispielsweise spröde Gummis, Schwerter oder Sägeketten.

Auch Schärfen will gelernt sein

Die Letzteren sind auch ein Punkt für sich. „Unser Schärfdienst ist auf jeden Fall gut ausgelastet“, sagt Hammer. Denn das Schärfen einer solchen Kette erfordert Übung und Augenmaß. „Bei manchen gebrachten Ketten sieht man schon, dass der Schärfwinkel falsch angesetzt wurde. Aber noch eine Tatsache ist vielen nicht bewusst. Die Zähne der Kette müssen alle die gleiche Größe haben. Ansonsten besteht so gut wie keine Chance, mit der Säge einen exakt senkrechten Schnitt durchzuführen.“ In seinem Betrieb wird die Schärfung mittels einer Diamantscheibe vorgenommen. Die Maschine passt gleichzeitig auch die Tiefenbegrenzer an.

Ein solches Schärfgerät für Sägeketten dürften wohl die wenigsten in ihrer privaten Werkstatt besitzen.

Rico Meißner

„Viele unserer Kunden schätzen auch die Beratung vor Ort, denn es gibt wirklich große Qualitätsunterschiede. Natürlich kann man sich auch viel möglichst billig im Internet bestellen, aber in der Regel ist das dann im Nachhinein kontraproduktiv, zumindest wenn man mehr machen möchte, als nur ein paar Obstbaumäste abzusägen.“

Auch eine gewisse Vorratshaltung an Ersatzteilen wüssten die Menschen zu schätzen. „Es kommen immer wieder Leute, bei Privatpersonen zum Beispiel auch gerne am Samstagvormittag, wo plötzlich der Deckel vom Tank gebrochen, das Anzugsseil gerissen ist oder auch das Schwert nicht mehr mitspielt. Solche Dinge können wir in der Regel schnell beheben und für unsere Kunden hat es den Vorteil, dass sie noch am gleichen Tag weiterarbeiten können und nicht erst ewig auf ein Ersatzteil warten müssen.“

Neue Kurse im Herbst

Die nächsten Kurse in den Modulen A und B (Fortgeschrittene) werden aber erst wieder ab Anfang Oktober abgehalten. „Über den Sommer machen wir das nicht mehr.“ Ein Teil der Plätze ist auch jetzt schon bereits reserviert.