Von Daniel Roßbach

Mehr als vier Wochen nachdem der jüdische Friedhof in Uebigau beschädigt wurde, bestätigt nun die Stadt Uebigau-Wahrenbrück, dass absichtlicher Vandalismus der Grund dafür war. Damit ist klar, dass es sich dabei um eine antisemitische Tat handelt.

„Es gibt keine Kratzer oder Aufprallspuren“, sagt Roland Schrey, der Hauptamtsleiter der Stadt. „Sicher hat eine unbekannte Person versucht, die Stele umzuschieben.“

Weder bei der Stadt noch bei der Polizei gibt es bisher Hinweise darauf, wer für den Schaden verantwortlich ist. „Es wurde bisher kein Täter ermittelt“, sagt Amtsleiter Schrey der RUNDSCHAU.  Ines Filohn, Sprecherin der Polizeidirektion Süd in Cottbus, sagt ebenfalls, dass der Polizei dazu keine Erkenntnisse vorliegen. Die Kräfte der Polizei in Elbe-Elster seien derzeit ganz auf die Aufklärung der Brandstiftungen konzentriert, so Filohn.

Auf der umgestoßenen Stele ist ein Abriss der Geschichte der 1839 angelegten Grabstätte zu lesen. Erst im November letzten Jahres wurde der jüdische Friedhof am Bahnübergang südlich von Uebigau wieder hergestellt und neu eingeweiht. Nach jüdischem Ritual ist die Ruhefrist im „Haus des ewigen Lebens“ unbegrenzt.

Recherchen des Berliner Tagesspiegels zu Folge kam es in Deutschland 2018 zu 27 antisemitischen Angriffen auf Friedhöfe, sieben mehr als im Jahr zuvor. Davon seien nur drei aufgeklärt worden. Diese Zahlen nannte das Bundesinnenministerium in einer Antwort auf eine Anfrage von Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Linke). Drei der Übergriffe ereigneten sich in Brandenburg. Damit ist nur Baden-Württemberg häufiger in der unrühmlichen Statistik vertreten. Außerdem wurden in Brandenburg zwei ­Synagogen angegriffen.

Wie Roland Schrey erklärt, wurde die beschädigte Stele in Uebigau zunächst provisorisch wieder aufgerichtet: „Eine stabile Verankerung im Boden wird erst erfolgen.“ Einen Termin dafür gibt es demnach noch nicht. „Wir brauchen noch etwas Zeit, um den Vorgang abzuschließen“, so Schrey.