Der Samstag vergangener Woche war ein schöner ruhiger Herbsttag. Wie schon so oft hatten Enrico Schulze aus Herzberg und sein bester Freund Marco Fichte aus Buckau an der Elbe bei Mühlberg ihre Angeln ausgeworfen. Gegen 16.30 Uhr, die Sonne war gerade am Untergehen, tat sich etwas im Wasser und Enrico Schulze war bald klar, dass er etwas besonders Großes an der Angel hatte. „Wir haben fast eine halbe Stunde gebraucht, den Fisch an die Oberfläche zu holen. Das war Adrenalin pur“, schwärmt er noch Tage später.

18 Kilogramm schwerer Hecht aus der Elbe geholt

Was die beiden Männer dann mit einem Kescher an Land zogen, war ein wahrhaft kapitaler Fang – ein Hecht, 1,24 Meter lang und 18 Kilogramm schwer. „Ich angele schon seit 20 Jahren. Einmal habe ich bereits einen Hecht von über einem Meter Länge gefangen. Aber so groß wie der war er nicht. So einen Fang wie den vom Samstag macht man nur einmal. Das ist ein richtiger Ausnahmefisch“, freut sich Enrico Schulze. Der Hecht habe auf einen Gummifisch angebissen, also auf eine Beutefischanimation, erklärt der Herzberger.

Enrico Schulz aus Herzberg hat schon als Kind geangelt

Enrico Schulze ist Angler durch und durch. Schon als Kind hat ihn der Vater immer mit zum Angeln genommen. „Da hab ich mich wohl mit dem Anglervirus infiziert“, sagt er. Fast jede freie Stunde verbringt der 33-Jährige am Wasser. Auch seine Freundin Franziska kommt oft mit, erzählt er. „Sie akzeptiert das so“, meint Enrico Schulze.
Von Beruf ist er Bäcker und arbeitet in der Bäckerei Kotte in Mügeln im benachbarten Landkreis Wittenberg. Da Enrico Schulze nachts in der Backstube steht, bleibt ihm tagsüber Zeit für sein Hobby. „Etwas schlafen muss ich natürlich auch, aber wenn nichts weiter anliegt, gehe ich angeln oder mit meiner Freundin in der Natur spazieren“, erzählt er.
Und wenn er mal nicht arbeiten muss, dann gibt es für den Herzberger nichts Schöneres, als am Fluss im Zelt zu übernachten, morgens den Sonnenaufgang zu beobachten und die Angeln auszuwerfen. Wenn dann abends noch ein paar Freunde vorbei kommen und der Fisch auf dem Grill liegt, ist für ihn ein Angeltag perfekt.

Langeweile kommt bei Enrico Schulz beim Angeln nie auf

Meist ist Enrico Schulze mit seinem besten Kumpel Marco Fichte unterwegs. „Der ist genauso ein passionierter Angler wie ich“, sagt Schulze. Beide sind Mitglieder im Angelsportverein Herzberg und angeln zumeist an der Elbe bei Mühlberg oder an der Schwarzen Elster im Herzberger Raum. Die richtigen Angler sind eigen. „Die meisten haben ganz bestimmte Ecken, von denen sie genau wissen, dass sie Fisch bringen. Aber sie verraten die Stellen nicht“, erzählt Enrico Schulze.
Er und Marco Fichte gehen auf die gängigsten Fische wie Hecht, Aal, Zander oder Karpfen. Was gefangen wird, kommt entweder auf den Grill und in die Pfanne oder wird eingefroren. Langweilig wird den Männern bei ihrem Hobby nie. „Natürlich kann es auch mal sein, dass stundenlang kein Fisch anbeißt, aber dann kann man eben die schöne Natur genießen“, so Enrico Schulze. Angeln könne man das ganze Jahr über, auch im Winter. Natürlich müsse man immer die Schonzeit der einzelnen Fischarten beachten. Diese Fische kämen dann wieder zurück ins Gewässer, sagt er.

Großes Bild vom Hecht aus der Elbe für das Wohnzimmer

Und der kapitale Hecht? Auch der zieht seine Bahnen wieder in der Elbe. „Der hat so gezappelt und war so glitschig, dass er uns letztendlich doch noch aus den Händen geglitten ist“, sagt Enrico Schulze. Für ein paar Fotos hat es aber gereicht. Er habe schon einige ausgedruckt und in seinem Wohnzimmer soll bald ein ganz großes Bild vom Fang seines Lebens hängen, so der Herzberger Angler.

Bad Liebenwerda

Der Herzberger Angelsportverein

Angeln ist ein weit verbreitetes Hobby. Allein der Angelsportverein Herzberg e. V. hat mehr als 200 Mitglieder, davon etwa 25 Kinder und Jugendliche, die zumeist mit den Eltern oder Großeltern angeln. Der Vorsitzende des Vorstands des Vereins ist Sandro Kranke. Der Verein ist sehr aktiv – vom An- und Abangeln über Familien- und Veteranenangeln bis zu Arbeitseinsätzen wie zum Beispiel vor dem Tierparkfest.
Die Corona-Krise wirkt sich aber auch auf das Vereinsleben der Angler aus. Zwar können sie trotz Corona angeln gehen, aber alle gemeinsamen Vorhaben sind derzeit gestrichen. Die erste Veranstaltung, die Corona zum Opfer fiel, war am 28. März der traditionelle Anglerball.
Der Verein wurde am 22. November 1991 gegründet. 2021 kann also der 30. Geburtstag begangen werden. Erster Vorsitzender war Andreas Kanter.