Von Ute Richter

550 Städte und Gemeinden haben am Samstag den fünften Tag der Städtebauförderung gefeiert. Rund 750 Veranstaltungen fanden bundesweit statt. In Guben hatte der Tag einen länderübergreifenden  Stellenwert: Die Neißestadt informierte über die Wirkung sowie die Entwicklung und Prägung besonderer städtischer Bauten. Legte man in Guben 2016 den Fokus auf die Obersprucke und 2018 auf das ehemalige Gefängnis, so sollte dieses Jahr das Bauhaus gewürdigt werden. Deshalb standen die Bauten in der Rosa-Luxemburg-Straße und der Karl-Marx-Straße im Bereich des Klimaquartiers Hegelstraße im Vordergrund.

In der Rosa-Luxemburg-Straße stand der Gubener Architekt Kai Sicks, der einst selbst an der Sanierung dieser Bauten mitgearbeitet hatte, bereit und erläuterte alle Fragen zu den Bauten. Die Wohnblöcke wurden in den 1920er-Jahren von dem Berliner Architekten Willi Ludewig entworfen und in den letzten zehn Jahren, zumindest was die Außengestaltung betrifft, fast in den Originalzustand versetzt. Eine Wohnung in der Nummer 46 hatte der Vorstand der Gubener Wohnungsbaugenossenschaft (GWG) zur Besichtigung freigegeben. Dort war der Stil der damals gebauten Wohnungen, die eher klein gehalten wurden, zu sehen. „Die Architektur der Ludewig-Bauten ist sehr frisch. Eine gute Architektur spiegelt den Zeitgeist wider“, so Kai Sicks. Jeder Block habe sein eigenes, interessantes Erscheinungsbild, ergänzt er. Auch in der Karl-Marx-Straße 35-37 bestand mit Unterstützung der Gubener Wohnungsgesellschaft (GuWo) die Möglichkeit, sich Wohnungen anzuschauen, die von Ludewig entworfen wurden.

Im Vorfeld des Aktionstages wurde im Stadt- und Industriemuseum eine Sonderausstellung unter dem Titel „Neues Bauen in Guben und Gubin – 100 Jahre Bauhaus“ erstellt. Der Tag der Städtebauförderung bot sich an, um diese Ausstellung mit einer Vernissage zu eröffnen. In Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Potsdam, Prof. Dr. sc. Annegret Burg, Professorin für Architektur- und Stadtbaugeschichte, den Kuratoren Therese Mausbach, Kulturarbeiterin und Kunsthistorikerin M.A. und Lars Wiedemann, Berliner Fotograf sowie dem Vorsitzenden vom polnischen Verein Freunde des Gubiner Landes Stefan Pilaczynski entstand diese Ausstellung. Die Eurostadt Guben-Gubin ist auch ein bedeutsamer Standort des Bauhaus-Erbes der Moderne. Laut Museumsleiterin Heike Rochlitz ist dies eine der bedeutendsten Ausstellungen 2019.

Für Bürgermeister Fred Mahro sind Bauhaus und Stadtumbau in enger Verbindung mit der Zusammenarbeit zwischen Guben und Gubin zu sehen. „Architektur und Stadtplanung werden sich nie in politischen Schranken bewegen“, so das Stadtoberhaupt. Denn Bauhaus-Visionäre hätten damals auch nach vorn geschaut, haben funktionale Lösungen bei schnörkelloser Einfachheit gesucht und gefunden.

Im Anschluss an die Vernissage waren alle zum Rundgang durch die Ausstellung eingeladen. Diese ist in zwei Bereiche geteilt: zum einen in den geschichtlichen Hintergrund des Bauhauses und des „Neuen Bauens“ und zum anderen in das moderne Erstlingswerk vom letzten Bauhausdirektor Ludwig Mies van der Rohe – die Villa Wolf. Auch die GWG hat zwei Ausstellungsstücke beigetragen. „Wir haben in unserem Archiv gestöbert und Baupläne aus den 20er-Jahren von den Ludewig-Bauten gefunden“, erzählt Volker Paffenholz vom Vorstand. Ihn beeindruckten die Fotos der Häuser in der Rosa-Luxemburg-Straße sehr. „Ich bin schon so oft dort gewesen, aber auf den Bildern bekommen sie noch einmal einen ganz anderen Stellenwert“, so Paffenholz. Aber auch Fotos der Feuerwehrwache und des ehemaligen Sparkassengebäudes in Gubin steuerte Fotograf Lars Wiedemann bei.

In den Sommermonaten wird es im Rahmen der Sonderausstellung, die bis 29. September zu sehen ist,  Sonderveranstaltungen mit Fachvorträgen von Referenten rund um das Thema „100 Jahre Bauhaus“ für deutsche und polnische Besucher geben.