Von Daniel Schauff

Ja, die Deulowitzer Straße sei ein Schwerpunkt im Spree-Neiße-Kreis, sagt Landrat Harald Altekrüger (CDU). Es geht noch einmal um die beiden gewalttätigen Auseinandersetzungen unter Bewohnern des Wohnverbunds vor einigen Tagen. Binnen nicht einmal zwei Wochen hatte es zunächst eine Beilattacke, dann eine Messerattacke gegeben. Beteiligt waren im ersten Fall Syrer, im zweiten Fall ein Syrer und ein Äthiopier. Schlimme Verletzungen blieben aus, was aber blieb, war die Sorge um den Frieden am Gubener Altstadtrand. Immer wieder ist es in der Vergangenheit dort zu Straftaten gekommen, mal war es Gewalt, mal waren es Drogen. Jetzt will der Landkreis reagieren. Im Rahmen seiner Möglichkeiten. „Entzerren“ nennt Altekrüger das.

„Wir prüfen zurzeit eine anderweitige Unterbringung der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge“, sagt der Landrat. Sie sind eine von vielen Gruppen, die in dem mehrstöckigen Haus untergebracht sind. Zwölf sind es dem Landratsamt zufolge, dazu kommen 26 Asylbewerber mit laufendem Verfahren beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) und Bleibeberechtigte. Für Letztere zeichnet der Kreis nicht mehr verantwortlich.

Ohnehin ist die Konstellation in der Deulowitzer Straße 33 eine schwierige. Das Gebäude ist in Privatbesitz, der Kreis mietet dort Wohnungen, Privatpersonen können dort ebenfalls günstige Bleiben finden. Attraktiv für bleibeberechtigte Flüchtlinge ist das Haus allemal – die Chance, Landsmänner zu finden, soziale Kontakte zu halten oder zu knüpfen, ist groß. Allerdings: Die Chance, dass Konflikte entstehen, ebenso. Unterschiedliche Nationalitäten, unterschiedliche Religionen, Unterschiede im Aufenthaltsstatus.

„Die unbegleiteten Minderjährigen sind vielleicht die, die wir noch am besten erreichen“, sagt Altekrüger. Wo sie künftig untergebracht werden, stehe noch nicht fest, würde derzeit geprüft. Auch ob sie in Guben bleiben, sei noch nicht klar, so der Landrat.

Endgültig gelöst ist das Problem damit noch nicht, das ist auch in der Kreisverwaltung klar. Altekrüger setzt auf Austausch – Polizei, Gubens Bürgermeister Fred Mahro (CDU), Annett Noack, Integrationsbeauftragte des Landkreises, Carsten Konzack, als Leiter des Fachbereichs Bürgerservice in Cottbus auch zuständig für die Ausländerbehörde Cottbus/Spree-Neiße, und weitere Akteure hat er zum Gespräch gebeten. „Jegliche Gewalt ist für uns inakzeptabel“, sagt Altekrüger. Die Deulowitzer Straße müsse man gemeinsam im Auge behalten, auch wenn es seit dem zweiten Vorfall am 24. Januar offenbar keine Zwischenfälle mehr gab.

Unklar bleibt derweil, was mit dem 20-jährigen Syrer geschieht, laut Polizei den Beamten bereits bekannt und in beide Zwischenfälle in der Gubener Unterkunft verwickelt. Die Polizei hat gegen ihn ermittelt, ebenso wie gegen die anderen an den Auseinandersetzungen Beteiligten. Beim Kreis liegt die Verantwortung für Konsequenzen nicht, die Ausländerbehörde Cottbus/Spree-Neiße befasst sich mit dem Fall, verweist aber auf die polizeilichen Ermittlungen. Nach Informationen der RUNDSCHAU sind die Fälle der Staatsanwaltschaft übergeben worden. Eine Verhandlung vor Gericht ist abzusehen.

Im Landratsamt will man derweil die Netzwerke weiter unterstützen – eine ganze Reihe davon gibt es in den größeren und kleineren Kommunen des Kreises. Spätestens allerdings mit der Bleibeberechtigung wird der Einfluss der Ämter und Initiativen kleiner. Ob Geflüchtete die Angebote annehmen, bleibt ihnen selbst überlassen.

Bei aller Problematik rund um die Deulowitzer Straße 33 – Gubens Bürgermeister Mahro stellt das Recht auf Asyl nicht infrage. Das betonte er zuletzt beim Neujahrsempfang der beiden Städte Guben und Gubin kurz nach dem zweiten Zwischenfall in dem Wohnverbund. Daran ändere auch eine „Eskalation der Gewalt“ zwischen den Beteiligten nichts.