Museumsnacht in Guben
: Enkel von berühmtem Stadtbaurat schließt Wissenslücken

Steffen Römmler aus dem Breisgau ist ein gern gesehener Gast in Guben. Sein Großvater hat die Stadt entscheidend mit geprägt. Was ist so spannend?
Von
Bernd Töpfer
Guben
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Fotomontage Guben Steffen Römmler

Steffen Römmler sucht in Guben nach den Spuren seines Opas, der 36 Jahre lang Stadtbaurat an der Neiße war.

Michael Helbig, Screenshot: Steffen Römmler, Montage: Sebastian Lehmann

Mit einem Paukenschlag will Guben die Lücken in der Stadtgeschichte schließen. Der Enkel des einstigen Stadtbaurats Johannes Römmler wird deshalb erwartet. Bereits im Jahr 2023 hat er wichtige Fotos und geschichtliche Dokumente dem Stadt- und Industriemuseum übergeben. Nun kommt Steffen Römmler ein zweites Mal an die Neiße. Was der 72-Jährige aus dem Breisgau diesmal vorhat.

Zum Ende des Zweiten Weltkrieges ist bei den Kämpfen von Wehrmacht und Roter Armee in Guben viel verloren gegangen. Ein Großteil der Gebäude im Stadtzentrum wurden bei den Kämpfen zerstört. Unterlagen sind verbrannt, Dokumente unwiederbringlich vernichtet.

Was Steffen Römmler in Guben entdeckt hat

Steffen Römmler hat Kontakt mit dem Archiv in Guben aufgenommen. Ein Anruf bei der Stadtarchivarin Evelin Richter hat den Weg für die Spurensuche in Guben geebnet. Gemeinsam mit seiner Frau will er den Lebensweg und die Wirkungsstätten des Großvaters Johannes Römmler erforschen. Im Stadtarchiv Guben findet sich einiges dazu.

Johannes Römmler 1900 von 1902- 1936 Magistratsbaurat in Guben

Johannes Römmler auf einem Foto aus dem Jahr 1900. 36 Jahre lang ist er Magistratsbaurat in Guben gewesen.

Familiensammlung Römmler

Johannes Römmler hat in der Lausitz Spuren hinterlassen. In Spremberg ist eine weithin sichtbar: Als um die Jahrhundertwende der Bau eines Bismarckturms geplant wird, reicht der Berliner Architekt seine Arbeit ein. Die Handschrift des jungen Mannes ist künstlerisch: Er hat an der Königlichen Akademie in Berlin studiert und neben Architektur auch den Kunstkurs belegt. Das ist seinem Entwurf für den neuen Turm der Stadt anzumerken. Er erhält schließlich den Zuschlag, zwei andere Entwürfe haben das Nachsehen. Sie werden abgelehnt. Der Turm wird nach Römmlers Plänen gebaut und am 1. April 1903 auf dem Georgenberg in Spremberg eingeweiht.

Johannes Römmler und der Deutsche Dom in Berlin

Der junge Architekt Römmler hat schon vorher Spuren hinterlassen. In Berlin. Einiges ist nicht mehr nachvollziehbar, da das Gebäude der Königlichen Akademie in Berlin 1945 komplett zerstört wurde und damit auch alle Unterlagen. Bekannt ist, dass er als Mitarbeiter in einem renommierten Berliner Architekturbüro von Professor Julius Raschdorf berufen wird, am Deutschen Dom mitzubauen. Römmler bringt seine Arbeit in die künstlerische Bauabteilung des Dombaus ein.

Archivfoto – Auch der Bismarckturm soll bei der Night of Light in Spremberg rot angestrahlt werden.

Die Bäume am Bismarckturm tragen vertrocknete Äste.

Der Bismarckturm in Spremberg (Archivfoto) wurde nach Römmlers Plänen gebaut.

René Wappler

In seiner Freizeit ist er in Künstlerkreisen der Hauptstadt unterwegs. Dort hatte er zuvor den deutsch-amerikanischen Architekten Mies van der Rohe kennengelernt. So bekommt er Kontakt zum Bauhaus, wo Van der Rohe, der Architekt der Villa Wolf in Guben, eine Zeit lang lehrte.

Johannes Römmler wird Stadtbaurat in Guben

Besondere Spuren hat Johannes Römmler in Guben hinterlassen. 36 Jahre hat er als Magistratsbaurat und Bauinspektor an der Neiße gearbeitet. Im Jahr 1901 hat er die Stelle angetreten und ist jungverheiratet mit seiner Frau Frieda, deren Elternhaus in Spremberg steht, von der Spree an die Neiße gezogen.

In der prosperierenden Zeit der Tuch- und Hutherstellung kann sich Johannes Römmler  verwirklichen und der Stadt als Architekt und Bauaufsicht ein prägendes Gesicht mitgeben. Er gilt nicht nur als architektonischer Avantgardist, sondern auch als aufgeschlossener und freundlicher Mensch, bestätigen Unterlagen. Lyceum, Hindenburgschule, Stadtmuseum, Feuerwehrgebäude, Platz des Gedenkens und die Restauration des Rathauskellers – die Liste der Gebäude ist lang, die die Handschrift von Johannes Römmler tragen. Schließlich stirbt er am 1. April 1940 in Guben mit 65 Jahren.

Der Ratskeller wurde vom Baumagistrat Johannes Römmler 1911 restauriert. Die Aufnahme stammt aus dem Familienbesitz von Steffen Römmler anlässlich seines Besuches in Guben im September 2024.

Der Ratskeller in Guben wurde von Baumagistrat Johannes Römmler 1911 restauriert.

Sammlung Römmler

Steffen Römmler arbeitet Familiengeschichte auf

Ein Riesenglück für die Stadt Guben ist, dass Enkel Steffen seine Familiengeschichte aufarbeitet. Der Nachfahre des Stadtbaurates hat der Stadt bei seinen Forschungen an der Neiße auch Fotos und Dokumente aus dem Fundus der Familie zur Verfügung gestellt. Jetzt wird Steffen Römmler erneut in Guben erwartet. Im Stadt- und Industriemuseum wird er über seine Nachforschungen berichten und damit weiteres Material über den Stadtbaurat zur Verfügung stellen.

Darauf freut sich die Museumsleiterin Heike Mahro. Diese Fakten werden weitere Lücken in der Stadtgeschichte füllen. Innerhalb der Museumsnacht im Stadt- und Industriemuseum Guben (8. September, ab 14 Uhr, Gasstraße 5), wird Steffen Römmler über ab 16 Uhr seinen Opa berichten.