Die Bähr-Frauen sind mit Leib und Seele auf dem Bauernhof am Werk. Jeweils im Doppelpack. Die Schwestern Dajana (36) und Anja Bähr (31) im Gubener Ortsteil Reichenbach und das Mutter-Tochter-Gespann Margrit (59) und Marleen Bähr (39) in Schenkendöbern haben zwar keinen gemeinsamen Familien-Stammbaum, aber eine große Leidenschaft: der eigene Hof.

Für Dajana und Anja Bähr ist es nach dem Tod des Vaters selbstverständlich gewesen, dass sie sein Lebenswerk fortführen. „Wir sind reingeboren in die Landwirtschaft“, erzählt Dajana. Schon als Kinder haben die jungen Frauen auf dem Hof mitgeholfen. „Unser Vater hat immer gesagt: ich brauche keine Jungs“, erzählt Anja. Und die liebevolle Erinnerung steht ihr ins Gesicht geschrieben. Schon zu DDR-Zeiten gab es auf dem Bähr-Hof eine Hand voll Bullen und eine Ziege. Vater Frank machte sich als Landwirt selbstständig. Tochter Dajana erlernte nach der Wende den Beruf der Büro- und Versicherungskauffrau. Bis heute arbeitet sie noch einige Stunden im Fach. Die große Leidenschaft aber sind die Tiere im Stall und die Feldarbeit.

Als 16-Jährige hat Dajana Bähr den ersten Frauen-Traktorführerschein im Spree-Neiße-Kreis gemacht. Dass die mit der Arbeitsmaschine gut umgehen kann, ist wichtig auf dem Hof.

Schwester Anja hat nach dem Abitur eine Ausbildung und ein Studium in der Landwirtschaft absolviert, ist heute staatlich anerkannte Technikerin im Landbau. Vier Jahre hat sie in der Pflanzenproduktion der Agrargenossenschaft Turnow gearbeitet, die Abteilung geleitet.

Als Vater Frank im Jahr 2017 plötzlich verstarb, war es für die Schwestern keine Frage, sein Erbe anzutreten. Ein halbes Jahr betrieben sie den Hof als Erbengemeinschaft, dann gründete das f´dynamische Doppel die Frank Bähr GbR. Damit haben die Töchter dem Vater ein Denkmal gesetzt. „Vater hat uns alles beigebracht, er hat nie einen Zweifel daran gelassen, dass wir den Hof mal übernehmen sollen“, erzählt Dajana Bähr. Er sei stolz gewesen auf seine Mädels. Und das kann er auch, denn die Frauen bewirtschaften 130 Hektar Acker- und 120 Hektar Grünland. Sie betreiben eine Rindermast und eine Mutterkuhhaltung. 300 Kühe und Mastrinder sind zu versorgen. „Wir kennen ja nichts anderes. Von klein an sind wir mit draußen und haben täglich Abwechslung“, erzählt Anja Bähr. „Am schönsten ist es, am Abend zu sehen, was wir am Tag geschafft haben“, schwärmt die Landwirtin.

Alles, was die Tiere brauchen, bauen die Bähr-Schwestern selbst an. „Wir müssen unsere Tiere hegen und pflegen, damit sie jedes Jahr ein Kalb zur Welt bringen“, sagt Dajana. Die Schwestern sind ein Traum-Team: Kollegen und Freundinnen zugleich. Und unzertrennlich – familiär und beruflich.

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In Schenkendöbern ackern Mutter Margrit und Tochter Marleen Bähr im Familien-Agrarbetrieb. Margrit Bähr hatte einst als Textilfacharbeiterin bei der Gubener Wolle gearbeitet. Nach der Geburt von Tochter Marleen wechselte sie in die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) in Schenkendöbern. Ihr Ehemann Meinhard und sein Vater Siegfried hatten nach der Wende den Kuhstall des Agrarbetriebes übernommen. Ende der 1990er-Jahre hat Opa Siegfried den Job gesundheitlich nicht mehr leisten können. Enkelin Marleen übernahm, damals zarte 18 Jahre jung und gerade in einer Ausbildung zur Landwirtin. 2004 hatte sie den Landwirtschaftsmeister in der Tasche. „Ich bin sehr stolz auf sie“, sagt ihre Mutter.

Seit dem Tod von Hof-Gründer Meinhard Bähr sind Mutter und Tochter als reines Frauen-Duo tätig. 294 Hektar Land bewirtschaften die Frauen. Dazu kommen 110 Milchkühe, 150 Jungrinder aus eigener Nachzucht sowie 40 Mutterkühe plus Bullen. Ein zweites Standbein, neben der Milchviehhaltung ist die Bullenmast mit 80 Tieren.

„Wir können uns das Fitnessstudio sparen, das haben wir alles bei der Arbeit“, erklärt die Jüngere des eingespielten Frauen-Teams zum körperlich auch schweren Beruf.

Auf beiden Bauernhöfen im Tal der Neiße arbeiten Ehemänner mit. Ab und zu werde doch mal die Hilfe einer stärkeren Hand benötigt, bestätigen die vier Frauen. Urlaube sind für sie eher die Ausnahme, denn die Tiere müssen immer versorgt werden.

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Beklagt wird zu viel Bürokratie gibt. „Wir bekommen Dinge vorgeschrieben, die für uns selbstverständlich sind. Landwirtschaftliche Betriebe denken immer für die nächste Generation, da werden wir doch nicht unsere Äcker verseuchen“, sagt Marleen Bähr. „Wir arbeiten mit Verstand, denn wir wollen unseren Tieren und damit auch uns selbst nicht schaden“, ergänzt sie.

Die Power-Bauernfrauen wünschen sich vor allem realistische Milch- und Fleischpreise. Viele Bauernfamilien haben Eigentum an Grund und Boden, dem sie sich verpflichtet fühlen. Witterungsbedingten Ertragsausfälle und Preisrutsche bei Getreide, Milch, aber auch bei Schweine- und Rindfleisch halten die Landwirte daher aus. Der Wert ihrer Arbeit wird bei enormem Preisdruck auf Lebensmittel in der Gesellschaft wenig geschätzt. Das ist schon bitter.

„Die Politiker müssen offener und ehrlicher mit uns sprechen und vielleicht auch mal die Landwirte selber fragen, wie man dies oder jenes macht.“ Und deshalb beteiligen sich auch die Bauernfrauen um Guben an fast jeder Aktion, die auf die Lage der Bauern aufmerksam macht, um die Landwirtschaft zu stärken.