Hund Richard im Tierheim Cottbus: Ausgelassener Schäferhund mit Brille sucht neue Besitzer

Schäferhund Richard wartet im Tierheim auf neue Besitzer, am besten mit großem Grundstück und ein Faible für stylische Ski-Brillen – auch bei Hunden.
Jürgen NicheFremde, die sich dem Gehege von Schäferhund Richard nähern, können erst einmal eingeschüchtert sein von dem großen Schäferhund, der da bellend hinter dem Zaun hin und her rennt. Aber es lohnt ein zweiter Blick. Sobald Tierpfleger Jürgen Niche das Türchen öffnet, wird aus dem Bellen ein freudiges Winseln.
Der Schäferhund weiß vor lauter Freude über den Besuch gar nicht mehr, was er zuerst tun soll: sich den Bauch kraulen lassen, ausgelassen um den bekannten Menschen herumhüpfen oder sich doch lieber an ihn schmiegen.
„Bei Richard ist es so. Er ist am Anfang zurückhaltend, weicht zurück, bellt natürlich auch. Aber wenn er aufgetaut ist, dann ist er ein richtig ausgeflippter, kleiner Spielgefährte“, erklärt Niche den plötzlichen Sinneswandel seines Schützlings.
Schäferhund Richard mit unbekannter Geschichte
Niche leitet den Hundebereich im Tierheim Cottbus und kennt den energiegeladenen Schäferhund seit Anfang des Jahres 2023. Damals ist Richard aus einem befreundeten Tierheim in der Oberhavel nach Cottbus gekommen, erzählt er. Über sein Leben vor dem Tierheim ist dem Tierpfleger wenig bekannt. „Er ist einfach dort abgegeben worden, ohne dass man wirklich etwas über ihn weiß.“
Klar ist nur: Als der Schäferhund nach Cottbus kommt, ist er ziemlich schüchtern und ängstlich. „Eine Zeit lang sind auch wir Pfleger nicht an ihn herangekommen.“ Seitdem hat sich viel verändert. Richard ist aufgetaut und hat an Selbstbewusstsein gewonnen, erzählt Jürgen Niche weiter. Dafür haben die Tierpfleger in Cottbus viel mit ihm trainiert. „Gerade Kommandos wie Sitz und Platz haben wir vertieft. Aber auch, dass er auf seinen Platz geht und sich ablegt, wenn es sein muss.“
Flausen habe das Energiebündel trotzdem im Kopf. „Er ist wirklich ein Hans Dampf in allen Gassen – total übermütig und könnte den ganzen Tag nur toben und spielen.“ Trotz aller überschüssiger Energie sei der Schäferhund auch sehr verschmust, beschreibt Niche weiter. „Wenn er aufgetaut ist, will er seinen Menschen definitiv gefallen und sie beschützen.“

Gemeinsam mit dem Tierpfleger Jürgen Niche sitzt Richard vor seiner Hütte. Mit dem nötigen Abstand und dem Beistand einer vertrauten Person findet Richard auch fremde Menschen vor seinem Zwinger spannend.
Luise MösleAktuell lebt der fünfjährige Richard die meiste Zeit des Tages alleine in seinem Zwinger. „Das ist leider so, wir können das nicht anders machen, das schaffen wir nicht“, bedauert Niche. Auch mit anderen Hunden verstehe sich Richard nicht so gut.
Ideal sei das für den verspielten Schäferhund nicht. „Am besten wäre es für ihn, mit zwei erwachsenen Menschen zu leben, die ein großes eingezäuntes Grundstück haben und ihn richtig auslasten können“, so Niche. Dazu gehöre für den Schäferhund nicht nur viel Bewegung, sondern auch Kopftrainig.
Wie Hund Richard zu seiner Brille kommt
„Außerdem müssten seine neuen Besitzer damit klarkommen, dass Richard mit einer Brille leben muss“, erzählt Niche weiter. Der Schäferhund leidet an einer für die Rasse typischen Augenkrankheit: Keratitis.
Genau ist die Ursache laut Fachportalen nicht bekannt, man geht aber von einer Überreaktion des Immunsystems aus, wodurch sich das Auge entzündet. Unbehandelt kann diese Krankheit zu einem Verlust des Sehvermögens führen.
Keratitis: Was ist das?
Der medizinische Fachausdruck für die Augenkrankheit lautet Keratitis superficialis chronica oder auch Keratitis pigmentosa. Es handelt sich dabei um eine entzündliche Erkrankung der Horn- oder Bindehaut, die unbehandelt zur Erblindung führen kann. Man geht davon aus, dass dabei das Immunsystem am Auge überreagiert und die Zellen der Hornhaut oder der Bindehaut angreift. Grundsätzlich können alle Hunderassen betroffen sein. Besonders häufig kommt die Krankheit aber bei Deutschen Schäferhunden vor.
Zwar ist diese Krankheit nicht heilbar, aber sehr gut zu behandeln. Richard bekommt dafür Augentropfen, erzählt Niche. „Das lässt es sich mittlerweile gut gefallen. Man setzt sich hin, er kuschelt sich ein, legt den Kopf auf den Schoß und dann kann man ihm die Tropfen ins Auge träufeln.“
Die Brille braucht Richard, weil die UV-Strahlen im Sonnenlicht Entzündungsschübe auslösen können. „Die Brille sieht aus wie eine Ski-Brille mit UV-Schutz “, beschreibt Niche. Noch hat der Schäferhund die Brille nicht, sie wird gerade für seinen Kopf angepasst.
Sobald die Brille fertig ist, muss der Richard langsam an sie gewöhnt werden. Immer müsse der Schäferhund die Brille aber nicht tragen, beruhigt Niche. „Nur wenn er in der Sonne ist, muss er die Brille tragen, also zum Beispiel beim Gassigehen. Wenn im Schatten ist, braucht er sie nicht“, sagt der Tierpfleger.
Von seinem Schattenplätzchen im Zwinger beobachtet Richard neugierig, was draußen vor sich geht. Mit Jürgen Niche an seiner Seite und dem nötigen Abstand sind auch fremde Menschen vor seinem Zwinger nicht mehr furchteinflößend, sondern interessant für den Schäferhund.

