Das ist im wahrsten Sinne des Wortes eine ganz besondere Geschichte. Eine Geschichte, in der die Städte Guben und Calau eine wichtige Rolle spielen. Und zugleich ist es auch ein Stück weit eine Familiengeschichte.

Gleich zwei Stände waren beim jüngsten Gubener Historienmarkt in der Alten Färberei von Teilnehmern aus Calau besetzt. Und die sind sogar verwandt miteinander, denn sie sind Brüder. Und nicht nur das: Ihr Großvater hat einst im heute polnischen Teil von Guben gelebt und Tischler gelernt. Das war um 1933. An einen Spruch aus der Jugend des Großvaters, den er später öfter zum Besten gab, erinnern sich die Brüder noch heute: „Gubener Jungs und Gubener Hüte sind von ganz besonderer Güte.“

Pantoffeln und Spielzeug aus Holz

Frank Bareinz, der in Calau selbst eine Tischlerei betreibt, berichtete von der familiären Verbundenheit mit Guben. Dabei kennt er selber Guben übrigens kaum. Er bot beim Historienmarkt selbst hergestellte Holzpantoffeln an. „Das ist ein Hobby. Calau ist ja mal eine Schuhmacherstadt gewesen“, erzählte er. Neben seinen traditionellen Fenstern und Türen wollte Frank Bareinz auf Messen auch etwas Außergewöhnliches präsentieren und kam so auf die Pantoffelherstellung. Die Maschinen dafür erstand er bei Firmenauflösungen. „Die Leute staunen immer über unsere Präsentation, denn das hat ja im eigentlichen Sinne nichts mit Tischlerei zu tun“, so Bareinz. Auch Holzspielzeug stellt er selbst her.

Eine ganz andere historische Aufgabe hat Bruder André Bareinz übernommen. Am Stand des Calauer Heimatvereins präsentierte er neben zahlreichen Angeboten aus seiner Stadt die aktuelle und ältere Ausgaben des Calauer Heimatkalenders. André Bareinz ist seit 2016 der verantwortliche Redakteur für das jährlich erscheinende heimatgeschichtliche Werk. Beim Historienmarkt berichtete er mit seinen Vereinskollegen über die Stadt Calau um das Jahr 1900. „Damals gab es bei uns etwa 180 Beschäftigte im Schuhmacherhandwerk – Gesellen, Meister, Lehrlinge. Es gab eine große Schuhfabrik, die mit dem zu viel produzierten Strom die Stadt versorgte. Als Geschenk sozusagen“, berichtete er. Aber auch viele kleine Schuhmacherfirmen und private Werkstätten gab es.

Historienmarkt als Platz für Austausch

In der Neißestadt ist für das Nahebringen der Ortsgeschichte an Besucher und Gäste Andreas Peter zuständig. Der Stadtwächter hatte den Historienmarkt gemeinsam mit der Stadt Guben vor drei Jahren ins Leben gerufen. Er bietet das ganze Jahr über in seinem Stadtwächtergewand „Poetische Stadt(ver)führungen“ durch Guben und Gubin an. „Geschichtsinteressierte sind sehr angetan davon, dass es mit dem Historienmarkt an der Neiße eine Möglichkeit gibt, sich über die Geschichte der Niederlausitz vom Mittelalter bis in die DDR-Zeit zu informieren und auszutauschen. Vor allem um den Austausch geht es, denn es ist eine große Ausnahme, dass regionale Geschichte in dieser Form präsentiert wird“, erklärt Peter.

Für Günter Kalliske ist das nichts Ungewohntes. Er schlüpft seit zehn Jahren in das Gewand des Grauen Männchens aus der Calauer Schweiz. Diese Figur stammt aus einer Sage und „bewacht“ die Schätze in den Calauer Bergen. Kalliske ist zu vielen Majestätentreffen eingeladen, auch beim „Gubener Appelfest“ war er mehrfach gern gesehener Gast. Aber auch auf der „Grünen Woche“ in Berlin trifft man ihn regelmäßig.

Historienmarkt wird 2021 fortgesetzt

Neben den Calauern Gästen waren in der Alten Färberei unter anderen die Schützengilde Rot-Weiß des PSV Guben mit historischen Waffen, Familie Gruner mit Kräutern, der Gubiner Heimatverein mit jeder Menge historischer Exponate, die Forster Mittelalterfreunde sowie die Heilsarmee Guben vertreten. Im Außenbereich lud Kita-Erzieherin Anne Bischoff zu Spielen ohne Computer oder Handy ein, zum Beispiel Gummihopse, Faden-Abnehmen oder Sackhüpfen. In Zeiten von digitalen Medien und Onlinespielen war es ihr wichtig zu zeigen, wie und womit Kinder früher spielten.

Katrin Neitzke als verantwortliche Organisatorin der Stadtverwaltung freute sich über die vielen Besucher und das große Interesse. Deshalb wird der Historienmarkt auch im kommenden Jahr wieder zu einer vielseitigen Zeitreise in die Niederlausitzer Geschichte einladen.