Von Thomas Engelhardt

Das ist die derzeit spannendste Frage, auf die die Schenkendöberner Gemeindevertreter eine Antwort finden müssen: Wie soll in ihrer Gemeinde in Zukunft die Verwaltung organisiert sein? Nachdem in den vergangenen Monaten die personellen Veränderungen durch die Neuwahl des Gemeinderates und des künftigen Bürgermeisters im Mittelpunkt der Diskussion standen, rückt nun wieder das Thema Verwaltung ins Zentrum der Überlegungen.

Zu ihrer Sitzung am Dienstag hatten sich die Schenkendöberner einen Gast eingeladen, der genau weiß, wovon er spricht: Thomas Hähle, Bürgermeister der Stadt Friedland. Zusammen mit den Gemeinden Tauche und Rietz-Neuendorf  strebt Friedland die Mitverwaltung durch das benachbarte Beeskow an. Und obwohl Hähle den Weg dorthin seit der Unterzeichnung der ersten Willenserklärung im Februar 2015 als durchaus schwierig bezeichnet, fällt sein Urteil eindeutig aus: „Ich bin ein klarer Befürworter der Mitverwaltung.“

Dafür gebe es mehrere Gründe. Einer sei die Tatsache, dass bei einer Mitverwaltung die Eigenständigkeit der Gemeinde gewahrt werde. „Es entsteht keine neue Rechtsform“, betonte Hähle. Das bedeute allerdings, dass die Verantwortung der Gemeindevertreter steige. Sie müssten noch mehr darauf achten, dass die Interessen von Schenkendöbern gewahrt bleiben. Ein wichtiges Gremium sei in diesem Zusammenhang auch der Mitverwaltungsausschuss.

Ein Vorteil sei auch, dass die Verwaltungsarbeit qualitativ besser und stabiler werde. „Wenn man alles so lässt wie bisher, kommt man nicht recht voran.“ Alle Arbeitnehmer der jetzigen Gemeindeverwaltung würden übernommen, aber nicht unbedingt in ihrer jetzigen Tätigkeit.

Zu vernachlässigen sei das oft ins Feld geführte Argument der wachsenden Entfernung zur Verwaltung. „Fragen sie die Bürger einmal, wie oft sie in Guben sind! Sie werden sehen, dass sie wenigstens einmal im Monat nach Guben fahren, zumindest zum Einkaufen.“ Auf der anderen Seite könne man die Bürger auch fragen, wann sie das letzte Mal einen Termin in der Verwaltung hatten. Das sei gar nicht so oft der Fall.

Es gebe aber bei einem solchen Prozess viel zu beachten. „Zuerst einmal müssen sie gucken, ob sie überhaupt zusammenpassen.“ Klar sei auch: „Es gibt keinen Weg zurück. Sie können dann nicht irgendwann wieder eine eigene Verwaltung aufbauen.“ Beim Zusammengehen sei auf viele kleine Details zu achten, von den Feuerwehren bis zu den Kindertagesstätten.

Klar ist zudem: Der Prozess, Mitverwaltungen aufzubauen, befindet sich quasi noch in der Erprobungsphase. Beeskow und die angrenzenden Kommunen gelten als Modellprojekt. Noch bis Ende des Jahres 2024 will die Landesregierung den Prozess beobachten und dann erst endgültig entscheiden, ob es die Mitverwaltung auch langfristig als Möglichkeit geben wird, Verwaltungseinheiten zu vergrößern und so die Arbeit zu effektivieren – was das Ziel der Landesregierung ist.

Trotz Hähles Bekenntnisses zur Mitverwaltung ist klar: Es dürfte auch für Schenkendöbern kein kurzer Weg bis zu einer Entscheidung werden. Das machten Hanni Dillan (Gemeinde Schenkendöbern) und Falko Höpfner (Wählergruppe Lutzketal/CDU) deutlich.

Derjenige, der vielleicht die eine oder andere konkrete Frage zur Mitverwaltung Schenkendöberns durch Guben hätte beantworten können, erreichte den Sitzungssaal zu spät: Fred Mahro. Gubens Bürgermeister kam nach einer Dienstreise nach Sachsen noch in Schenkendöbern vorbei. Allerdings hatte seine Fahrt länger gedauert, als ursprünglich geplant. Und so war der Tagesordnungspunkt Mitverwaltung schon abgeschlossen. Mahro hatte aber schon im Dezember vorigen Jahres klargemacht, dass Guben nur tätig werde, wenn die Gemeindevertreter die entsprechenden Beschlüsse fassen. Zudem gebe es bereits jetzt auf vielen Ebenen verwaltungstechnisch eine Zusammenarbeit.