(red/js)  Noch bis zum 1. September sind auf dem Gelände des Klosters Neuzelle vier Kuben zu sehen, die im Rahmen des Projektes „Utopie Passion“ entstanden sind. Es ist das erste Projekt des vor einem Jahr gegründeten Kunstvereins Neuzelle, der damit auch eine Diskussion anstoßen will.

So gehen die Künstler in ihren Projekten auf Fragen ein, die sich ihnen im Umgang mit Neuzelle und Eisenhüttenstadt gestellt haben, erklärt Kurator Niklas Nitschke. Bereits zum Auftakt seien rund 100 Besucher auf den Stiftsplatz gewesen, deutlich mehr, als der Kunstverein erwartet habe.

Niklas Nitschke hat als Kurator der Ausstellung auch die Ausstellungsarchitektur gestaltet. Die vier blauen Kuben bilden zusammen den Körper eines Kulissenbildes aus dem „Himmlischen Theater“. Auf dieses künstlerische Hauptwerk des Klosters nehmen auch drei der Künstler Bezug. Viele Betrachter fragten nach Sinn und Zweck der ungewohnten Gestaltung, räumt Nitschke ein. Aber jeder Künstler nutze das gestaltete Angebot auf eigene Weise und nimmt andere Aspekte des Umfelds auf.

Alexandra Hopf stellt das Projekt einer Choreographie vor, die sie im Eisenhüttenstadt der Gründungsphase 1951 ansetzt. Sie richtet ihren blauen Kubus als Vitrine ein, in der  mehrere Figuren stehen und sich einem Text zuwenden, der von der Aufführung handelt. Die Figuren tragen dabei Anzüge mit Kapuze und einem Einteiler, der so ähnlich in England im Zweiten Weltkrieg getragen wurde, so Nitschke.

Der Kubus von Armin Hartenstein weist ein großes Loch auf, darin ist das Gemälde eines Grabhügels zu sehen und steht ein kleines Bett. „Man fragt sich, für wen?“, so Nitschke, und er verweist auf die Beziehung, die zwischen Innen- und Außenraum, Privatheit und Öffentlichkeit hergestellt wird.

Am hinteren Ende des Platzes blitzen Lichtreflexe in unregelmäßig über den Kubus verteilten Halbkugeln aus Plexiglas. In ihnen  spiegelt sich der Platz, auch kopfüber. Der Künstlers Michael Hofstetter bezieht sich damit auf die Art, wie Fotografie die Welterfahrung prägt.

Den Kubus der georgischen Künstlerin Tamara KE ziert eine winzige Figur, die sich – von vorn betrachtet – vor  der großen Kirche erhebt. Ein Spiel mit den Proportionen, um die Frage, wo der Mensch steht? Oder, so Nitschke: „Wenn die Kirche auch für Vergangenheit, Geschichte und Kultur steht, wo stehen wir heute?“

Der Kunstverein Neuzelle will auch künftig Spielräume auf dem Stiftungsgelände nutzen, die so bisher nicht ausgeschöpft wurden. „Die Nachbarschaft mit Eisenhüttenstadt zu Beispiel bietet große Spielräume für künstlerisches Arbeiten“, so Niklas Nitschke und verweist auf die geplante Zusammenarbeit mit der internationalen Schule auf dem Stiftsgelände.