Es ist anders – das Leben jenseits der deutsch-polnischen Grenze. Auch wenn es noch keine bestätigten Corona-Fälle in Gubin gibt: Die Pandemie ist auch dort deutlich spürbar.

Die meisten Geschäfte sind geschlossen, sagt Gubins Bürgermeister Bartlomiej Bartczak. Wer sich krank fühlt, muss ins nächste Krankenhaus. 30 Kilometer sind es bis dahin, bestätigt der Bürgermeister.

Guben und Gubin stehen trotz Corona in Kontakt

Der Kontakt auf die andere Seite der Neiße aber ist nicht abgebrochen. Man stehe in Kontakt, sagt Bartczak. Das bestätigt auch Gubens Bürgermeister Fred Mahro (CDU). „Auch wenn aufgrund des Coronavirus und der damit einhergehenden Grenzschließung keine Treffen im klassischen Sinne mehr stattfinden können, so pflegen wir unseren Informationsaustausch mit Herrn Barczak weiterhin per E-Mail, Telefon oder Videokonferenz“, so Gubens Bürgermeister. Gleichzeitig mache die Coronakrise aber deutlich, wie eng verbunden die beiden Städte im Alltag sind.

Die Krise, sagt Mahro, spiegele auch die enge Verbundenheit. Sie zeige die Solidarität und Hilfsbereitschaft untereinander. Mahro: „So gab es in den letzten Wochen zahlreiche Anfragen von verunsicherten polnischen Bürgern im Gubener Rathaus, darunter unter anderen Arbeitnehmer aus dem Industriegebiet oder berufsbedingte Pendler. Und so helfen wir im Rahmen unserer Möglichkeiten und den gesetzlichen Verordnungen auch gemeinsam mit der polnischen Stadtverwaltung den Bürgern.“

Guben und Gubin haben das traditionelle Frühlingsfest abgesagt

Trotzdem: Die meisten deutsch-polnischen Begegnungen liegen auf Eis. Prominentestes Beispiel: der deutsch-polnische Frühling an der Neiße. Aufgrund der Corona-Pandemie haben Guben und Gubin das traditionelle Frühlingsfest abgesagt.

Die Euroregion, die sich um die Zusammenarbeit entlang der deutsch-polnischen Grenze kümmert, versucht, „flexibel mit der gegenwärtigen Lage umzugehen“, so Euroregion-Geschäftsführer Carsten Jacob. Dazu gehört, dass Projektträger ihre Vorhaben verlängern können, aber auch, dass deutsche und polnische Seite der Euroregion in stetem Kontakt stehen. Ein Online-Austausch sei derzeit die Regel, auch mit anderen Partnern tausche man sich per Videokonferenzen aus, so Jacob. Eine Fotokampagne hat vor allem symbolisch den Wert der deutsch-polnischen Zusammenarbeit unterstrichen.

Der Wert der Freizügigkeit wird in Corona-Krise offensichtlich

Zuversicht also entlang der Grenze zwischen Deutschland und Polen – auch in der derzeitigen Ausnahmesituation, die plötzlich deutlich macht, wie wertvoll Freizügigkeit ist. „Ich bin seit September 1990 in Guben und seit März 1994 in der Stadtverwaltung Guben beschäftigt. Eine derartige, komplizierte Situation habe ich in diesen 30 Jahren bisher nicht erlebt. Nach den ersten Wochen in der Coronakrise bin ich auch zu der Auffassung gelangt, dass viele Dinge nach dieser Krise nicht mehr so sein werden wie vorher“, sagt Gubens Bürgermeister Fred Mahro. Mittlerweile fänden sämtliche Beratungen außerhalb der Stadtverwaltung per Telefon- und Videokonferenzen statt.

Ein Weg, der auch über die Grenze nach Polen hinweg möglich bleibt. Bis die Grenzen wieder offenstehen – und das Leben in der Doppelstadt wieder widerspiegelt, was offene Grenzen in Europa bedeuten.