Von Daniel Schauff

Noch immer bleibt Vieles rätselhaft. Zwei Stunden nach dem eigentlichen Prozesstermin wird Stefan S.* in Handschellen in den Gerichtssaal geführt. Der Bus der Justizvollzugsanstalt (JVA), mit dem S. nach Cottbus kommen sollte, stand im Stau.

Dem 50-jährigen Stefan S. wird vorgeworfen, den mehr als zehn Jahre jüngeren Rico G.* in den Morgenstunden des Neujahrstags so brutal getreten und geschlagen zu haben, dass er an den zahlreichen Verletzungen gestorben ist.

Nicht nur die Staatsanwaltschaft hat den vermeintlichen Täter angeklagt. Auch die Mutter des Opfers sitzt im Gerichtssaal, gemeinsam mit ihrem Anwalt, hat sie neben dem Staatsanwalt Platz genommen. Sie ist Nebenklägerin, hat ein Bild ihres verstorbenen Sohnes auf den Tisch vor ihr gestellt.

Staatsanwalt und Vorsitzender reden, die anderen Prozessbeteiligten sagen fast nichts

Die Mutter wirkt gefasst, auch wenn die lange Wartezeit bis zum tatsächlichen Beginn der Verhandlung ihr sichtbar zusetzt.

S. ist ein großer, muskulöser Mann, schwarze, kurze Haare, ein in Form rasierter Bart. Seine Unterlagen trägt er in einer weißen Kunststofftasche in den Gerichtssaal. Sagen wird er vorerst fast nichts.

Sprechen tun am ersten Verhandlungstag fast nur der Vorsitzende Richter und der Staatsanwalt. Als der die Anklageschrift vorliest, wird deutlich, mit welcher Brutalität Rico G. am Neujahrsmorgen umgekommen sein muss. Mehrfach sei er massiv gegen den Kopf getreten worden. Mit Faust und einer Bierflasche soll Stefan S. sein Opfer attackiert haben, ihm am ganzen Körper schwerste, lebensbedrohliche Verletzungen zugefügt haben.

Der Staatsanwalt spricht von massivem Blutverlust, einem Kehlkopfbruch, Verletzungen am und im Kopf. Zum Tod habe schließlich die durch die Attacke instabil gewordene Lunge geführt. Auf die Frage, ob sich S. vor Gericht äußern will, antwortet sein Anwalt. Ja, sagt er, sein Mandant werde sich äußern, allerdings erst zu Beginn des nächsten Verhandlungstages. Der ist für Donnerstag geplant (10 Uhr).

Bekannter hatte Leiche in Wohnung des Angeklagten entdeckt

Noch bleibt also weiterhin unklar, wie es nach der brutalen Prügelattacke weiterging, was es war, das den Täter so hat ausrasten lassen. Es bleibt eine Vermutung, dass am Neujahrsmorgen auch Alkohol und Drogen im Spiel gewesen sein könnten. Nach RUNDSCHAU-Informationen hatte ein Bekannter des Angeklagten die in Tücher gewickelte Leiche in der Küche von S.’ Wohnung entdeckt.

Kurz darauf wird S. verhaftet, sitzt seit der Tat in Untersuchungshaft, leistet während der Haftzeit auch eine so genannte Ersatzfreiheitsstrafe. Sie wird verhängt, wenn eine verhängte Geldstrafe nicht geleistet wird.

Sieben Verhandlungstage geplant

Die Gubener Wohnung in der Friedrich-Schiller-Straße, sagt der Angeklagte bei der Frage nach seiner derzeitigen Adresse, habe er mittlerweile auflösen lassen. Die deutliche Polizeipräsenz in der Gubener Obersprucke seit Neujahr hatte zunächst nur die Gerüchteküche kochen lassen. Die Polizei bestätigte einen gewaltsamen Tod eines Mannes erst nach mehreren Tagen, nachdem die Staatsanwaltschaft bereits einige Fragen zum Fall beantworten konnte.

Sieben Verhandlungstermie hat das Landgericht für den Prozess um das Tötungsdelikt in der Neujahrsnacht veranschlagt. Der letzte geplante Termin ist am 23. September.

*Namen geändert