Von Daniel Schauff

In der kommenden Woche bekommen Gubener Einzelhändler Besuch von Planern. Das Einzelhandelskonzept der Stadt soll fortgeschrieben werden. Dafür sind Informationen von den Händlern notwendig. Die Stadt hat das bereits angekündigt, die Händler aufgefordert, sich an den Erhebungen zu beteiligen (die RUNDSCHAU berichtete).

Das aktuelle Konzept ist sechs Jahre alt. Seitdem ist einiges passiert, das verrät ein Blick in das Konzept. Aber ist genug passiert?

Noch immer beurteilen die Händler die Innenstadt von Guben als ruhig. Auch wenn sich in den letzten Monaten in und ums Zentrum eine Menge getan hat – der „Frequenzbringer“ fehlt weiterhin. Die Planer der beiden Büros „Stadt und Handel“ und „Complan“ sahen unter anderem in der Schließung von Ihr Platz und Schlecker einen Nachteil für die Innenstadt. Beide Drogeriemärkte hätten für Laufkundschaft gesorgt. Auch der Aldimarkt in Grenznähe hätte einst die Kunden zumindest in die Nähe der Frankfurter und Berliner Straße gebracht. Ob der neue Action-Markt, der sich nicht auf Lebensmittel, sondern auf Aktionsware konzentriert, das auch könnte – fraglich.

Fraglich ist freilich auch, wie stark die Strahlkraft bekannter Anbieter des täglichen Bedarfs wirklich ist. Beispiel Neiße-Center: Der Aldi-Markt hat dort eine Filiale, Rewe ist vor Ort und mit Rossmann auch ein Nachfolger für die verlorengegangenen Drogerie-Märkte im Zentrum. Doch während die bekannten Ketten gut besucht sind, stehen auch im Neiße-Center Läden leer.

Ein Gubener Problem allein ist das nicht. Der Blick nach Forst etwa zeigt das. Allerdings: Die Kaufland-Filiale direkt im Zentrum erfüllt den Magneteffekt, der aber auf der anderen Seite der Straße spürbar abebbt. Ein Grund, der auch im aktuellen Einzelhandels- und Zentrenkonzept eine Rolle spielt: die Einwohnerzahl.

Die sinkt seit Jahren konstant. Das führt dazu, dass auch nach der Schließung von Läden die Verkaufsfläche pro Person in Guben besonders hoch ist. 2009 lag sie bei 2,7 Quadratmeter pro Person, neue Zahlen wird es erst nach der Fortschreibung des Konzepts geben. Mit Blick auf den Bundesdurchschnitt wird allerdings deutlich, wie viel Verkaufsfläche Guben tatsächlich hat. Bundesweit kommen auf eine Person im Schnitt 1,46 Quadratmeter. Die größten Flächen liegen außerhalb der Innenstadt und sind die, die die viele Frequenzbringer wie Supermärkte benötigen. Die Planer bewerteten es 2013 daher auch positiv, die Verkaufsflächen in der Innenstadt zu vergrößern.

Bereits 2009 war ein Einkaufszentrum in Gubin im Gespräch. Laut Konzept hätte das die vorhandene Innenstadt ergänzt. Einen tatsächlich großen Effekt auf Guben hat die Galeria Hosso allerdings nicht. Es seien nicht merklich mehr oder weniger Kunden unterwegs, sagten im März eine ganze Reihe von Altstadthändlern.

Die Fortschreibung des Konzepts wird vor allem zwei Vorteile bringen: Zum einen gibt es Auskunft über die Entwicklungen seit 2009, zum anderen dient es der Stadt aber auch als Grundlage bei der Bewertung von Bauanträgen. Damit lässt sich zumindest ein Stück weit steuern, wie sich die Innenstadt entwickelt.