Von Thomas Engelhardt

Wenn es um die Verbesserung der medizinischen Versorgung in der Region geht, dann sind alle helfenden Hände gern gesehen. So wie die von Dr. Matthias Keilich. Der 50-Jährige bringt seine Erfahrung seit Juni in der Hausarztpraxis von Dr. Ilse Schütze in der Medizinischen Einrichtungsgesellschaft am Naemi-Wilke-Stift ein.

An und für sich führt Keilich in Berlin eine Privatpraxis. „Ich habe aber festgestellt, dass ich noch ein paar freie Kapazitäten habe. Also habe ich mich an die Kassenärztliche Vereinigung (KV) in Brandenburg gewandt und angefragt, wo ich helfen kann.“ Schnell stellte sich heraus, dass es im Süden Brandenburgs so einigen Bedarf gibt. Unter den Städtenamen, die Keilich genannt wurden, war auch der von Guben.

Auch in der Notaufnahme des Gubener Krankenhauses tätig

„Die KV hat dann den ersten Kontakt zum Wilkestift hergestellt. Das war vor etwa einem Jahr“, blickt Keilich zurück. Es gab mehrere Gespräche mit Verwaltungsdirektor Gottfried Hain, der dazu auch nach Berlin fuhr. Schließlich konnte der entsprechende Vertrag unterzeichnet werden.

Und so arbeitet Dr. Matthias Keilich seit Juni montags und donnerstags in der Hausarztpraxis. An den Montagen ist er nach seiner Tätigkeit in der Praxis auch noch im Bereitschaftsdienst der Notaufnahme des Gubener Krankenhauses tätig.

Den Weg von der Hauptstadt an die Neiße absolviert der Mediziner mit der Bahn. „Da habe ich immer Fachliteratur mit.“ Da eine Fahrt rund zwei Stunden dauert, kommt Keilich so auf insgesamt acht Stunden Weiterbildung pro Woche.

„Es ist mir wichtig, immer auf dem neuesten Stand zu sein, meinen Beruf nach den geltenden medizinischen Leitlinien auszuüben. Ich genieße es aber auch, ab und an länger mit Patienten zu reden.“

Berliner Arzt fühlt sich in Guben wohl

Nach den ersten Monaten kann Keilich auch ein erstes positives Zwischenfazit ziehen: „Ich komme hier gut zurecht. Man spürt, dass die Patienten sehr dankbar sind, dass es diese zusätzliche Möglichkeit gibt.“ Und auch im Wilkestift fühlt sich der Berliner wohl. „Es herrscht hier doch eine entspanntere Atmosphäre, und es wird auch auf das Soziale geschaut.“

Und auch zu Guben selbst hat sich Dr. Matthias Keilich bereits eine Meinung gebildet. „Das ist eine schöne Stadt mit schönen Häusern. Aber es gibt speziell für junge Leute zu wenig Freizeitangebote. Die wollen nach der Arbeit auch mal ins Kino oder in eine Bar“, macht der Mediziner einen Aspekt deutlich, warum es nicht einfach ist, Nachwuchskräfte für den Einsatz in der Provinz gewinnen.

Keilich selbst, Vater eines zwölfjährigen Sohnes, nennt bei seinen Freizeitaktivitäten zunächst Golf spielen. „Damit erfülle ich sicher ein Klischee“, sagt er mit einem Schmunzeln. „Aber dafür habe ich wenig Zeit.“ Des Weiteren fahre er gern Rad, gehe gern ins Kino und koche gern.

Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin in Guben

Für all das muss er sich in den kommenden Jahren die Zeit noch besser einteilen. Denn sein Vertrag für die Tätigkeit in Guben läuft zunächst bis Ende 2022. In dieser Zeit wird er noch die Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin in Guben absolvieren – laut KV Voraussetzung für die selbstständige Tätigkeit als Hausarzt in Brandenburg.

Verwaltungsdirektor Hain freut sich unterdessen über das Zustandekommen dieses Engagements: „Einerseits handelt es sich bei dem hausärztlichen Einsatz von Dr. Keilich in Guben um eine sehr individuelle Lösung, bei der alle Beteiligten im Ziel der ausreichenden Versorgungskapazität für unsere Patienten übereinstimmen. Andererseits ist genau dieser entstandene Konsens beispielhaft, wenn gerade in unterversorgten Gebieten Verstärkung organisiert werden soll.“

Und es gibt weitere Verstärkung. So habe eine weitere Ärztin inzwischen im Anschluss an ihr Medizinstudium mit ihrer Weiterbildung zur Fachärztin für Allgemeinmedizin begonnen. Ihre dreijährige Weiterbildungszeit im stationären Bereich werde sie in Guben durchlaufen.