Wer gelegentlich auf der Autobahn A15 unterwegs ist, hat sie gewiss schon gesehen: die Wagen des Zolls. Am Wegesrand warten sie, beobachten den Verkehr – und picken sich gezielt Fahrzeuge für eine Kontrolle raus.

4,5 Millionen sichergestellte unversteuerte Zigaretten pro Jahr

Rund 4,5 Millionen sichergestellte unversteuerte Zigaretten stellen die Fahnder pro Jahr so alleine in Forst sicher. Seit 25 Jahren haben die Beamten dort ihren Dienstsitz. Vor wenigen Tagen wurde in kleiner Runde das Jubiläum gefeiert. „Am 5. September 1994 traten die ersten Kollegen in den neu geschaffenen Räumen der Zweigstelle Forst in Klein Bademeusel ihren Dienst an“, berichtet Sprecher Christian Lanninger vom Zollfahndungsamt Berlin-Brandenburg.

Bis Ende des Jahres 1994 hatten zwölf Fahnder ihre Arbeit in Forst aufgenommen. „Überwiegend Zigaretten-Aufgriffe im Bereich der Grenzübergänge Forst-Autobahn und Guben sowie im grenznahen Raum“ galt es zu bearbeiten, wie Christian Lanninger erläutert.

Einen größeren Fund gab es beispielsweise Ende 1996, als die Fahnder in einem völlig umgebauten Laster über 80.000 Schmuggelzigaretten fanden. ,,Der Markt ist da, und wir verzeichnen eine steigende Tendenz von Aufgriffen“, berichtete der damalige Leiter der Zollfahndungszweigstelle, Willfried Ammermann, in der RUNDSCHAU. Im ersten Jahr des Bestehens der Zweigstelle Forst wurden in Forst 510 Ermittlungsverfahren gegen 606 Beschuldigte durchgeführt.

Aber auch Verstöße gegen den Artenschutz, Rauschgift und Waffen haben die Arbeit in Forst begleitet. So wie im Frühjahr 1997 als die Zollbeamten nach einem Hinweis vier im Ausland gekaufte Kleinkalibergewehre in Spree-Neiße sicherstellten.

Zigarettenschmuggel ist organisiert

Ab 1999 rückte dann die noch engere Zusammenarbeit mit dem Nachbarland Polen in den Fokus. „Der Zigarettenschmuggel ist inzwischen eine Form der organisierten Kriminalität", schätzte Peter Treuner, damals amtierender Vorsteher des Zollfahndungsamtes Potsdam, gegenüber der RUNDSCHAU ein.

„Seit Wegfall der Grenzkontrollen und Rückgang der Kontrolldichte werden die Schmuggler immer dreister. Verbaute man früher noch das Schmuggelgut in den Transportfahrzeugen, liegt heute die Konterbande grundsätzlich ganz offen in den Schmuggelfahrzeugen“, bestätigt Zollamtsrat Christoph Malcherowitz, neuer Dienstsitzkoordinator in Forst.

Neues Aufgabenfeld für die Zollfahnder in Forst

Seit einigen Jahren kommt ein weiteres Aufgabenfeld auf die Zollfahnder zu: Verfahren im Bereich Mineralöl. Über 900 000 Liter „unversteuerte Energiemittel“ waren es 2018. Gemeint sind Heizöl, Schmieröl oder Diesel, die nicht ordnungsgemäß verzollt werden. Jüngstes Beispiel: Im April diesen Jahres konnte der Zoll in Cottbus und Umgebung eine Bande von Dieselpanschern hochnehmen. Sie hatten über 30 Millionen Liter Schmierstoffe aus verschiedenen europäischen Mitgliedsstaaten in eine Lagerhalle in Kolkwitz gebracht, dort mit anderen Stoffen gemischt und dann illegal über die Grenze nach Polen gebracht, um das Gemisch dann als vermeintlichen LKW-Dieselkraftstoff zu verkaufen.

Lange Ermittlungen bis zum Zugriff

Oft ist es mit dem schnellen Zugriff nicht getan. Um spektakuläre Fälle wie das Ausheben einer Zigarettenschmuggelgruppe 2018 bei Berlin vorzubereiten, sind oft monatelange Recherchen nötig. Rund ein Jahr lang waren die Forster Zollfahnder etwa in diesem Fall einer umtriebigen Geschäftsfrau aus Vietnam auf der Spur. Erst dann gelang er Zugriff und die Festnahme ihrer Lieferanten.

Doch die Arbeit lohnt sich. Alleine für 2018 bilanziert das Zollfahndungsamt am Dienstsitz Forst einen ermittelten Steuerschaden von über vier Millionen Euro. Am Ende der Ermittlungen standen insgesamt fast 40 Jahre verhängte Freiheitsstrafen. „Die erfolgreiche Arbeit der Zollfahnder bemisst sich aber nicht nur an Strafverfahren. Sie dient insbesondere dem Schutz der Bürger vor den Folgen grenzüberschreitender organisierter Kriminalität“, betont Oliver Pampel-Jabrane, Leiter des Zollfahndungsamtes Berlin-Brandenburg.

1994 fingen die ersten Zollfahnder in Forst an


Per Erlass hat der Bundesfinanzminister am 14. Januar 1992 die neue Zollfahndungszweigstelle in Forst geschaffen. Forst erhielt die Dienststellen-Schlüsselnummer 1566 – und das nötige Personal aus der Zentrale in Potsdam.

Am 5. September 1994 traten die ersten Kollegen in den neu geschaffenen Räumen am Zollamt Forst in Klein Bademeusel ihren Dienst an.

Die Zollfahnder unterstehen dem Zollfahndungsamt Berlin-Brandenburg in Potsdam.

Andere Zollstellen in Forst und Cottbus sind hingegen dem Hauptzollamt Frankfurt (Oder) unterstellt.