Von Sven Hering

Es ist in dieser Woche das Gesprächsthema in der Stadt. Hat Forst einen neuen Millionär? Diese Frage wird vor allem in den Lotto-Annahmestellen diskutiert, nachdem zu Wochenbeginn die Glückspilz-Kunde eines Tippers aus dem Spree-Neiße-Kreis schnell die Runde machte.

2-3-5-17-25-36 – alle sechs Gewinnzahlen für die Lotto-Ziehung am Samstag hatte der Spieler aus dem Landkreis Spree-Neiße auf seinem Spielschein angekreuzt. Und das bundesweit als Einziger, teilte Lotto Brandenburg mit. Der Pott der zweiten Gewinnklasse in Höhe von 1.538.143,70 Euro ging also komplett nach Brandenburg.

„Es ist uns eine Riesenfreude, bereits den sechsten Lottomillionär in diesem Jahr beglückwünschen zu können. Brandenburg hat eine Glückssträhne“, freut sich Lotto-Geschäftsführerin Anja Bohms. Mit dem aktuellen Gewinner machte Lotto Brandenburg seit Unternehmensgründung im Jahr 1991 bereits 99 Spielteilnehmende zu Millionären.

Der frischgebackene Millionär vom Samstag spielte seinen Schein mit acht Tipps und den Zusatzlotterien am Freitag vor einer Woche in einem Lotto-Shop in Spree-Neiße. Eingesetzt hatte der oder die Gewinner/in 12,25 Euro. Der große Treffer findet sich im achten Tippfeld.

Doch woher kommt der neue Millionär denn nun? Ist es ein Forster, wie es in der Stadt die Runde macht? „Uns ist der Schutz unserer Spielteilnehmer sehr wichtig – deshalb geben wir derartige Daten nicht heraus“, sagt Lotto-Sprecherin Antje Edelmann. „Ein Millionengewinn verändert das Leben“, ergänzt sie. Darauf müsse sich der Gewinner in Ruhe einstellen können. „Denn plötzlich gibt es ganz viele Bittsteller“, so Antje Edelmann. Selbst in der Lotto-Zentrale gehen bei verkündeten Millionen-Gewinnen regelmäßig Briefe ein mit der Bitte, diese doch an den Gewinner weiterzuleiten. Das werde aber nicht getan.

Das Geld gibt es ein paar Tage, nachdem sich der Gewinner gemeldet hat, aufs Konto überwiesen. „Mit einem Koffer voller Scheine spaziert bei uns niemand aus der Lotto-Zentrale“, verrät Antje Edelmann.

Wie sieht es in den Lotto-Annahmestellen selbst aus? Reicht da vielleicht ein Blick in den Computer, um zu erfahren, woher der neue Millionär kommt? „Wir sehen das nicht“, sagt Manuela Niemann, die in Forst eine Annahmestelle betreibt. Ab einem Gewinn von 500 Euro seien die Gewinner angehalten, sich mit der Zentrale in Verbindung zu setzen. „Gesprächsthema war es in dieser Woche aber auf jeden Fall“, ergänzt die Chefin des Lottoladens – und verrät den größten Gewinn, den bislang ein Kunde in ihrem Laden erzielen konnte. „Das waren vor ein paar Jahren 77 777 Euro im Spiel 77.“ Manuela Niemann kennt auch eine Geschichte, vor der jeder Lottospieler Angst hat. Ein Kunde, der regelmäßig Lotto spielt, habe einmal vergessen, seinen Tipp abzugeben. Gerade in dieser Ziehung seien seine Zahlen – ausgerechnet noch der Geburtstagstipp – gezogen worden. „Etwas über 100 000 Euro hätte es gegeben“, so Manuela Niemann.

Haus, Auto, Weltreise – was könnte nun ein Forster Lotto-Millionär mit dem Geld anfangen, soll es in der Stadt bleiben? Das  Portal Immobilienscout24 schlägt als Investitionsobjekt ein etabliertes Pensionsensemble mit massiv erbautem Pensionsgebäude und Gaststätte vor. 20 Zimmer, 365 Quadratmeter Wohnfläche, günstig gelegen in der Nähe des Forster Freibades, des Rosengartens und am Oder-Neiße-Radweg der bis zur Ostsee führt. Kaufpreis: 449 000 Euro.

Da bliebe sogar noch etwas Kleingeld für ein Auto übrig. Das Forster Autohaus Schulze hätte da eine Idee. Verkaufsberater Steffen Jäckel denkt an den Audi e-Tron. Elektromotor, 360 PS. „Sehr gediegen und bedient den Luxusstatus“, so Jäckel. Kosten: ab 96 000 Euro. Nur mit dem sofort Mitnehmen würde es nicht klappen. „Ein halbes bis dreiviertel Jahr Lieferzeit müssten wir einberechnen“, so der Verkaufsberater. Was so schlimm ja nicht wäre – die Nachbarn würden somit nicht sofort Verdacht schöpfen.

Vielleicht liegt das Geld dann doch besser auf der Bank? Jens Gerards, Chef der Direktion Forst der Sparkasse Spree-Neiße, sagt: „Wir empfehlen bei einer solch großen Anlagesumme die Investition in den selbstgenutzten Wohnraum, also Haus oder Eigentumswohnung. Somit spart man sich die Miete – ein Leben lang.“ Darüber hinaus sei der Kauf einer weiteren Immobilie oder Eigentumswohnung  zur Vermietung sowie eine sichere Geld- und Sparanlage sinnvoll. Damit bleibe das Vermögen langfristig erhalten.

Doch reicht eine Million Euro aus, um damit seinen Job aufgeben und trotzdem ganz gut leben zu können? Wegen der aktuellen Niedrigzinsphase sei der Zins­ertrag bei Anlagen mit überschaubaren Risiken wenig attraktiv, sagt Gerards: „Unsere Empfehlung liegt ganz klar beim Kauf von Immobilien zur Vermietung. Hier sind in unserer Region Renditen von vier bis fünf Prozent üblich.“ Vier Prozent Rendite entspricht einem Ertrag von 40 000 Euro pro Jahr. Das bedeutet: Der Anleger hätte im Monat 3333 Euro zur Verfügung, ohne dass seine angelegte Summe zusammenschrumpft.

Vielleicht will der Gewinner ja – sollte er aus Forst kommen – aber auch seiner Kommune etwas Gutes tun und die Stadt mit einer Spende unterstützen? „Gebrauchen könnten wir das Geld schon“, sagt Kämmerer Jens Handreck. „Zum Beispiel zum Schuldenabbau.“ Bei 40 Millionen Euro Miese allerdings wäre der Millionengewinnn auch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.