Von Steffi Ludwig

Schon das pure Zuschauen lässt gestresste Gemüter entspannter werden: Friedlich grasen Bobby und Benny in dem idyllischen Garten, knacken hier und da eine heruntergefallene Nuss, naschen ein paar Blätter vom Baum, beschnuppern sich und den Gast – aber alles in Zeitlupe.

„Auch ich bin durch die Esel schon ruhiger geworden“, schwärmt Kerstin Geschke (55). Vor etwa zwei Monaten hat sie gemeinsam mit ihrem Mann Michael Schiffer (54) die beiden Esel in Bayern gekauft und Anfang August einen Eselwanderhof an ihrem Wohnhaus in Groß Kölzig eröffnet.

Eselwanderhof Spree-Neiße haben sie ihn genannt. Denn es ist ihren Recherchen zufolge der einzige im Umkreis von rund 150 Kilometern. „Bei Dresden und Berlin gibt es weitere Eselhöfe“, so Michael Schiffer. „Wir wollten einfach etwas anbieten, das es hier noch nicht gibt.“

Denn dass Esel den Menschen die perfekte Entschleunigung beibringen können, ist seit einigen Jahren ein Trend – verbreitet vor allem auch in den westlichen Nachbarländern wie Frankreich. „Ich fand Esel schon immer toll“, erklärt Kerstin Geschke ihre Beweggründe. Die gelernte Hauswirtschafterin mit einer sozialpsychiatrischen Zusatzausbildung hatte unter anderem in einem Heim für psychisch kranke Menschen gearbeitet, wo Tiere wie beispielsweise Hunde bei der Arbeit mit Behinderten oder bei Depressiven eingesetzt wurden.

Esel seien beispielsweise für Demenzkranke ideal, weiß Kerstin Geschke. Deshalb sieht das Konzept des Groß Kölziger Eselhofes vor, dass Interessenten entweder auf den Hof kommen und von dort aus die Esel auf eine Wanderung mitnehmen können. Auf Wunsch kommen Kerstin Geschke und Michael Schiffer zu einer geführten Tour mit und bereiten auch Picknickpakete vor. Sie bieten aber auch an, mit den Eseln vorbeizukommen: in Senioreneinrichtungen, zu Firmenfeiern oder Kindergeburtstagen. „Wir denken auch an den Spreewald, wo wir die Wanderungen ebenso anbieten möchten.“

Die Naturliebhaber, die ursprünglich aus Nordrhein-Westfalen stammen, hatten eine Weile in Leibsch, Gemeinde Unterspreewald, gelebt. Durch die IT-Firma von Michael Schiffer hatte dieser etwas in Berlin-Nähe gesucht. Doch da sie keine Wassersportler seien, hätten sie eher etwas mit mehr Natur und Wald gesucht – und wurden schließlich 2015 in Groß Kölzig fündig.

Und sie sind begeistert von der grünen Umgebung, in der es unter anderem mit dem Malxehof, dem Affenzoo Jocksdorf oder dem Ziegenhof Pusack durchaus einige touristische Angebote gebe, die auch mit dem Eselwandern verbunden werden könnten, wie sie finden.

In das alte Gebäude, das früher einmal eine Stellmacherei war und einen riesigen Garten hat, haben sie bis jetzt viel Arbeit gesteckt. Auch in den Bau des Eselstalls, in den die extra ausgebildeten Esel eingezogen sind. Eine Sommerküche, in der auch Verpflegung angeboten werden soll, ist im Bau. Jetzt muss sich das neue Angebot nur noch herumsprechen. Flyer haben die beiden so einige in der Region verteilt und immer auch positive Resonanz darauf geerntet.

Mit dem Eselwanderhof nun auch etwas Geld zu verdienen, wäre ein positiver Effekt, so der IT-Fachmann, der seinen Beruf von zu Hause aus ausübt, während seine Frau den Eselhof leitet.

Die 55-Jährige möchte auch mit dem Vorurteil aufräumen, dass Esel stur seien. „Sie sind einfach nur vorsichtig, bleiben bei schwierigen Situationen eben einfach stehen und schauen erstmal, was passiert.“ Man müsse sich einfach auf das Tempo einlassen – dann klappe es auch wunderbar mit der Entschleunigung.