Von Sven Hering

Mehrere Dutzend Polizisten, Rettungshubschrauber, abgesperrte Straßen, überall Blaulicht. Am Montagvormittag gleichen Teile der Stadt Forst einer Hochsicherheitszone. Passanten zücken ihre Smartphones, schießen Fotos.

Die Tragödie, die sich vor wenigen Stunden abgespielt hat, macht schnell die Runde. In einem Haus in der Amtstraße sind zwei Tote gefunden worden. Sie wurden Opfer eines Gewaltverbrechens, so die Polizei. Weitere Hintergründe wird es an diesem Tag nicht mehr geben. Dafür noch eine unerwartete Zuspitzung.

Anwohner in Forst haben von Gewalttat nichts mitbekommen

Eine Anwohnerin darf die abgeriegelte Zone betreten. Sie war vor ein paar Minuten mit ihrem Fahrrad weggefahren und will jetzt wieder zurück in ihre Wohnung. „Ich habe nichts bemerkt“, sagt sie kurz, ehe ihr ein Polizist ein Zeichen gibt.

Auch Siegfried Kluge hat von dem Verbrechen, das nur einige Meter von seiner Wohnung entfernt stattgefunden hat, nichts mitbekommen. Als er gegen halb sechs sein Haus verlassen will, wundert er sich über das große Polizeiaufgebot. „Alles war abgesperrt“, schildert er seine Beobachtungen.

Andere Anwohner werden durch den Rettungshubschrauber geweckt, der um 6:27 Uhr auf dem Parkplatz des Supermarktes an der Berliner Straße landet. Kurze Zeit später beobachten sie, wie eine Person auf einer Trage zum Hubschrauber gefahren wird. Ganz vorsichtig habe man die Trage in den Rettungsflieger hineingeschoben. Exakt um 7:05 Uhr hebt der Hubschrauber wieder ab.

Zu dieser Zeit kommen immer mehr Polizisten in die Amtstraße. Gebüsche werden durchkämmt, Anwohner befragt. Kripo-Beamte in weißen Schutzanzügen verlassen das weiß gestrichene Haus, in dem die beiden Männer gefunden worden sind. Die Jalousien sind heruntergelassen. Das Gebäude, direkt neben einem Autohaus, war unbewohnt – so sagen es Nachbarn.

Eine Frau mit Kind und Begleiter möchte in Richtung Tatort, wird aber von der Polizei nicht durchgelassen. „Ich hatte einen Termin im Autohaus, das ist aber geschlossen, wurde mir soeben mitgeteilt“, sagt sie. Von den beiden Toten hat sie bereits gehört. „Das ist schrecklich.“

Evakuierung in Forst nach Gewalttat

Derweil wird im Umfeld des Tatortes heftig spekuliert. Anwohner berichten von Autos mit Berliner Kennzeichen, die immer in der Nacht gekommen sein sollen.

„Sie haben sich auf verschiedene Parkplätze gestellt, manchmal auch auf die, die für die Anwohner reserviert  sind“, erzählt eine ältere Frau. Junge Männer mit Kapuzenjacken seien ausgestiegen. Die Autos sollen an diesem Tag noch einmal in den Blickpunkt des Interesses rücken.

Siegfried Kluge ist die Aufregung irgendwann zu viel. Es ist es kurz vor elf, da schnappt er sich sein Fahrrad. „Jetzt fahre ich erstmal ein paar Stunden in den Garten“, sagt er, wirft noch einmal einen Blick zum weißen Haus und tritt dann in die Pedalen.

So verpasst der 69-Jährige die Evakuierung, wenige Stunden später. 116 Anwohner müssen ihre Wohnungen verlassen. Polizeisprecherin Ines Filohn nennt als Grund zwei verdächtige Pkw, „die uns suspekt sind.“ Und sie ergänzt: „Da gehen wir nicht so ohne weiteres ran.“ Sprengstoffexperten werden angefordert. In voller Schutzmontur nehmen diese die Fahrzeuge unter die Lupe.

Die evakuierten Einwohner finden derweil eine zeitweilige Bleibe in einer nahen Turnhalle. „Die meisten sind aber zu Verwandten gegangen oder in ihren Garten gefahren“, verrät die Forster Bürgermeisterin Simone Taubenek.

„Vielleicht elf, zwölf werden in der Turnhalle versorgt.“ Um 16 Uhr können die Anwohner in ihre Häuser zurück. Nach einem aufregenden Tag zeugen nur noch ein paar rot-weiße Flatterbänder von den dramatischen Ereignissen am Morgen.