Tanken in Polen: Bis zu 55 Cent günstiger als in Deutschland – hier lohnt es sich richtig
Auch wenn die regionalen Spritpreise derzeit unter der kritischen Zwei-Euro-Marke liegen, steigen sie doch seit Monaten. Lag der Liter Super (E10) im Januar noch bei knapp 1,74 Euro, werden dafür aktuell circa 1,88 Euro fällig. Beim Diesel ist der Preis mit 1,83 Euro relativ konstant im Vergleich zum Jahresbeginn – wenngleich er im Juni bei 1,59 Euro lag.
Aufgrund dieser Entwicklung nimmt der Tanktourismus im Nachbarland Polen wieder spürbar zu. Kein Wunder, lässt sich beim Kraftstoff doch kräftig sparen. Bis zu 60 Cent beträgt mitunter der Preisunterschied. Dabei gibt es selbst in Polen spürbare Unterschiede bei den Spritpreisen. Gut beraten ist deshalb, wer vor seinem Tank-Trip etwas Zeit in die Recherche investiert. Mithilfe von Internetseiten oder auch Apps können sich Sparfüchse informieren.
Super lag am Montagvormittag in Forst bei knapp 1,88 Euro
Laut dem Vergleichsportal clever-tanken.de lag der Literpreis für Super (E5) an den Tankstellen in Forst bei knapp 1,88 Euro (Stand 16. Oktober 2023). Was dem Portal zufolge auch dem Durchschnitt in Brandenburg entspricht. Nur ein paar Kilometer weiter – also unmittelbar hinter der Grenze – ist der Preis über 30 Cent günstiger. Während bei AB und Aral der Liter Super (E5) bei 1,54 Euro liegt, verlangen die polnischen Tankstellen Circle und Horex sogar nur 1,52 Euro.
Der Liter Diesel lag am Montagvormittag an der AB-Tankstelle indes bei 1,60 Euro. Zwei Cent günstiger war er bei Circle. Ohnehin scheinen die deutschen Tank-Touristen die Circle-Tankstelle zu favorisieren, was sich an den wartenden Autos bemerkbar macht. Mitunter bilden sich an den Tanksäulen regelrechte Schlangen an wartenden Autos. Wohingegen an der Horex, nur einen Kilometer weiter gähnende Leere herrscht – trotz ebenso günstiger Preise.
Wie bewegen sich die Brandenburger?
Im Sommer 2023 veranstalteten die Redaktionen der Lausitzer Rundschau, der Märkischen Oderzeitung und der Südwest-Presse gemeinsam den Mobilitätskompass Brandenburg zu persönlichen Erfahrungen und Wünschen im Zusammenhang mit Mobilität. 7.999 Personen haben darauf geantwortet und darunter 749 Cottbuserinnen und Cottbuser. Die resultierenden redaktionellen Beiträge lesen sich im Herbst 2023 auf LR.de lesen.
In Lubsko hat der Liter am Sonntag nur 5,99 Zloty gekostet
Wer derweil weiter ins polnische Inland fährt, kann zusätzlich sparen. So lag der Literpreis Super am Sonntag (15. Oktober) in Lubsko bei 5,99 Zloty. Umgerechnet sind das sogar nur 1,33 Euro. Also 55 Cent Unterschied im Vergleich zu Deutschland. Bei einer Tankladung von 60 Liter lassen sich somit gut 33 Euro sparen. Hoch attraktiv, nicht nur für Pendler und Vielfahrer. Doch auch in der nahen Grenzregion lässt sich bares Geld sparen. So hat der Liter Super am Montag in Gubin nur 1,39 Euro gekostet – bei der AB-Tankstelle.
So ist es zumindest dem Portal www.mehr-tanken.de zu entnehmen. Im Gegensatz zu clever-tanken.de werden auf der Plattform auch polnische Tankstellen gelistet. Auch die ebenso in Gubin vertretenden Ketten Circle und Orlen lagen bei circa 1,39 Euro. Der Liter Diesel hat indes am Sonntag knapp 1,45 Euro beim Staatskonzern Orlen gekostet, der in den zurückliegenden Wochen ohnehin die Preise für Kraftstoff künstlich gedrückt hat. Laut Aussagen von Fachleuten eine gängige Praxis im Vorfeld der Wahlen.
Staatskonzern Orlen hat Spritpreise künstlich gedrückt
Hintergrund ist die Beteiligung des polnischen Staats am Konzern. Er hält Anteile in Höhe von 27,5 Prozent an Orlen, dessen Chef Daniel Obajtek gleichzeitig Mitglied der Regierungspartei PiS ist. Orlen hat in Polen einen Marktanteil von 65 bis 70 Prozent und kann aufgrund dieser Stellung auch die Preise im Land vorgeben. Ob der Konzern nach der Wahlschlappe von PiS die Preise wieder anziehen wird, bleibt abzuwarten.
Knapp 45 Kilometer Luftlinie von Gubin entfernt liegt ein ebenso beliebter Grenzübergang: in Bad Muskau. Die Stadt zieht nicht wegen des idyllischen Schlossparks zahlreiche Besucher an, sondern auch wegen des beliebten Polenmarktes und günstiger Kraftstoffpreise. So hat in Łęknica der Liter Super bei der Tankstellen-Kette Moya am Sonntag 1,34 Euro gekostet. Diesel lag bei 1,47 Euro. Im Vergleich zu den Tankstellen in Forst ein Unterschied von fast 30 Cent – zumindest bei Diesel. Somit lassen sich bei einer Tankladung von 60 Litern noch immer gut 18 Euro sparen.

Die AB-Tankstelle (Apexim AB) und die benachbarte Aral sind im Schnitt zwei Cent teurer als bei den anderen Tankstellen im Ort.
Marcel LaggaiPolnische Tankstellen-App „Fuelio“ wird immer beliebter
Doch wie sollen sich die Preise weiterentwickeln? Diesbezüglich wollen sich die Experten aktuell noch nicht festlegen. „Die Preise werden mindestens stabil bleiben“, erklärt Stephan Zieger, Geschäftsführer des Bundesverbands freier Tankstellen, gegenüber dem Handelsblatt. Derweil verweist das Bundeskartellamt im Hinblick auf die hohen Spritpreise auf die Nutzung von Vergleichsplattformen oder Preis-Apps. So etwa die polnische Tankstellen-App „Fuelio“. Europaweit beliebt, hat die App im Frühjahr 2022 einen regelrechten Download-Boom erlebt.
Kein Wunder, schließlich sind damals die Preise für Kraftstoff regelrecht durch die Decke gegangen. Hintergrund war der russische Angriffskrieg auf die Ukraine und die damit einhergehenden Sektionen. Damals sind die Preise sogar über die Zwei-Euro-Schwelle geklettert. Dem ADAC zufolge war 2022 das teuerste Tankjahr aller Zeiten. Im Durchschnitt lag der Literpreis für Super (E10) bei 1,86 Euro und für Diesel sogar bei knapp 1,95 Euro. „Benzin war damit um rund 27 Cent teurer als im bisherigen Rekordjahr 2012, bei Diesel lag der Literpreis sogar um fast 47 Cent über dem Wert von 2012.“


