Steamrose Festival in Forst 2024
: Kuriose Maschinen und KI – was die Besucher erwartet

Mehr denn je verbindet das Steamrose-Festival in Forst die Vergangenheit mit futuristischer Technik und künstliche Intelligenz. Was ist los?
Von
Lisa Hör
Forst
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Zum ersten Mal ist die polnische Theatertruppe Gry i Ludzie aus Katowice zu Gast beim Rosensteam-Festival in Forst.

Zum ersten Mal ist die polnische Theatertruppe Gry i Ludzie aus Kattowitz zu Gast beim Steamrose-Festival in Forst.

Alicja Szymkiewicz

„Ein Wald von Schornsteinen mit langen Rauchschwaden“. So wird Forst in einem Buch aus dem Jahr 1927 beschrieben. Dampf und Kohlenstaub prägten damals die Stadt. Doch der industrielle Aufschwung begann bereits im 19. Jahrhundert, im Viktorianischen Zeitalter, benannt nach der britischen Königin. Weder in Forst, einer der bedeutendsten Industriestädte Deutschlands, noch in Großbritannien, wo die industrielle Revolution ihren Anfang nahm, hätte Chris Ruhbach damals leben wollen. „Nicht als einfache Bürgerin“, sagt sie.

Trotzdem ist die Mitinitiatorin des Steamrose-Festivals in Forst vom Dampfzeitalter hochbegeistert. Bei dieser kulturellen Bewegung geht es nicht darum, historisch korrekt zu sein. Sondern darum, sich vorzustellen, wie die Welt aussähe, wenn es heute noch Dampfmaschinen gäbe. „Vielleicht hätten wir Dampfcomputer“, träumt Chris Ruhbach. Diese Fantasie können alle Steampunk-Begeisterten und Neugierigen am 7. September 2024 wieder in Forst erleben.

Die dritte Auflage verspricht sehr kreativ zu werden. Neben Lesungen, Konzerten und Workshops für Kinder stehen auch einige Neuerungen auf dem Programm.

Steamrose-Festival zum ersten Mal im Rosengarten Forst

Im Jahr 2022 fand das Steamrose-Festival an zwei Tagen statt. Diesmal wird das Programm auf einen Tag konzentriert. Ob dadurch weniger Besucher kommen, wird sich zeigen. Bei der letzten Veranstaltung kamen ungefähr 10.000 Besucher – dies ist jedoch nur eine Schätzung, da der Eintritt frei ist und keine Eintrittskarten ausgegeben werden.

Chris Ruhbach alias Raven in Montenes von der Agentur Raven Child gehörte zu den Organisatorinnen des Zeitreisefestivals.

Chris Ruhbach alias Raven in Montenes von der Agentur Raven Child gehörte zu den Organisatorinnen des Zeitreisefestivals. 

Forst feiert Zeitreise in die Vergangenheit
An diesem Wochenende ist in Forst zum zweiten Mal das Steamrose-Zeitreise-Festival gefeiert worden.  Es ist ein Spektakel für Freunde des Steampunk, die das viktorianische Zeitalter mit futuristischer Technik verbinden. In der Innenstadt gab es dafür mehrere Veranstaltungsorte rund um die Stadtkirche St. Nikolai für Konzerte, Lesungen, Vorträge oder Schauvorführungen. Veranstaltet wurde das Festival von der Veranstaltungsagentur Ravenchild, der Stadt Forst und weiteren Partnern.

Chris Ruhbach alias Raven in Montenes von der Agentur Raven Child gehört zu den Organisatorinnen des Zeitreisefestivals.

Michael Helbig

Chris Ruhbach sieht einen Vorteil in der Bündelung der Feierlichkeiten auf einen Samstag. Wer von weiter her anreist, hat noch Zeit, die Lausitz zu erkunden. „In diesem Jahr schlagen wir vor, am Sonntag nach Bad Muskau zu fahren und dort in den Dampfzug der Waldeinsenbahn einzusteigen“, sagt sie. Am besten im Steampunk-Kostüm.

Die größte Neuerung ist jedoch der Umzug des Festivals selbst. Es findet nicht mehr in der Innenstadt von Forst statt, sondern im Ostdeutschen Rosengarten, etwa 30 Minuten zu Fuß entfernt. „Eine tolle Kulisse“, findet Stefan Palm, Werkleiter des Eigenbetriebs Kultur, Tourismus und Marketing der Stadt. „Der Garten wurde Anfang des 20. Jahrhunderts angelegt und verfügt über viele Stilelemente, die gut zum Thema passen.“

Was bedeutet eigentlich Steampunk?

Steampunk ist ein Kunstwort aus der englischen Sprache und setzt sich aus den Wortteilen „steam“ (deutsch: Dampf) und „punk“ (deutsch: wertlos) zusammen. Aus der literarischen Strömung der 1980er-Jahre hat sich eine Mode und eine Subkultur entwickelt, in der die Ästhetik des viktorianischen Zeitalters mit futuristischer Technik verbunden wird. Im Grunde wird im Steampunk die Zukunft so gezeigt, wie sie sich Menschen im viktorianischen Zeitalter vorgestellt haben könnten. In der Rosenstadt wird Steampunk zu Steamrose. Das vollständige Programm des Festivals ist auf der Website steamrose-festival.de zu finden.

Auch die künstliche Intelligenz ist eingeladen

Eine Kernidee der Steampunk-Bewegung ist es, alte und futuristische Technik zu verbinden. Und genau das veranschaulicht die Ausstellung mit 50 Werken des Berliners Ruprecht Frieling (Künstlername Prinz Rupi). Seine Bilder sind mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) entstanden. Ob ein Mädchen, das einem Roboter eine Rose schenkt, oder ein Zug, der mit Volldampf durch den Rosengarten fährt – sie alle sollen die Vielfalt der künstlerischen Möglichkeiten der KI zeigen.

Mit Volldampf durch den Rosengarten Forst. Dieses Bild wurde mit künstlicher Intelligenz erstellt.

Mit Volldampf durch den Rosengarten Forst. Dieses Bild wurde mit künstlicher Intelligenz erstellt.

Prinz Rupi

Ruprecht Frieling arbeitet mit einem Computerprogramm, das nach seinen Anweisungen das im Netz verfügbare Bildmaterial durchsucht und daraus ein neues Bild erstellt. Ist also der Computer der eigentliche Künstler? Nicht ganz. Denn das Ergebnis sei auch „stark abhängig von der Fähigkeit des Anwenders, die Maschine richtig zu steuern“, schreibt Frieling auf seiner Website. So müssen manchmal viele Varianten und Schlüsselwörter ausprobiert werden, bis das gewünschte Bild entsteht.

Die Ausstellung ist bereits jetzt und bis zum Steamrose-Festival täglich von 9 bis 19 Uhr im Besucherzentrum des Rosengartens kostenlos zu sehen.

Einzigartige Maschinen aus Polen werden durch Forst fahren

Zum ersten Mal ist in diesem Jahr die polnische Theatergruppe Gry i Ludzie aus Kattowitz zu Gast. Sie wird mit einzigartigen Maschinen – einem U-Boot, das von einem Dampftraktor gezogen wird, und einem dreirädrigen Fahrrad – durch Forst spazieren. Fantasievolle Maschinen, die es den Zuschauern ermöglichen sollen, dem Alltag zu entfliehen.

Denn die polnischen Künstler blicken mit einer Portion Nostalgie auf das Dampfzeitalter zurück. Europa hatte noch nicht die Massaker des 20. Jahrhunderts erlebt. Technischer Fortschritt war noch nicht mit der Angst vor Massenvernichtung verbunden und es sei „ein Zeitalter der Unschuld, der Freude und der kreativen Faszination für die Möglichkeiten technischer Erfindungen“ gewesen.

Die Steampunk-Gemeinschaft habe sich seit der ersten Auflage des Festivals in der Lausitz entwickelt, so Chris Ruhbach. „Mittlerweile sind wir so 50 Leute, die sich eigentlich regelmäßig treffen“, sagt sie. Diese „Familie“ wird für einen Tag während des Festivals viel mehr Mitglieder haben.