Schule in Brandenburg
: Gymnasium startet erstmals mit Feuerwehrunterricht

Das Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasium in Forst wird das erste Gymnasium im Land Brandenburg sein, das Feuerwehrunterricht anbietet. So sehen die Pläne genau aus.
Von
Harriet Stürmer
Forst
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Feuerwehr - Symbolbild: ARCHIV - 05.11.2022, Rheinland-Pfalz, Staufen: Ein Feuerwehrmann holt während einer Einsatzübung einer Freiwilligen Feuerwehr eine Leiter vom Dach eines Einsatzfahrzeugs. (zu dpa: «Unterricht nach Wasserschaden in Schule in Neuwied gesichert») Foto: Philipp von Ditfurth/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

In Forst (Lausitz) werden Schüler des Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasiums künftig ihre Feuerwehr-Ausbildung per Unterricht absolvieren. Das Gymnasium ist das erste im Land Brandenburg, das Feuerwehrunterricht anbietet. (Symbolbild)

Philipp von Ditfurth/dpa
  • In Forst bietet ein Gymnasium erstmals Feuerwehrunterricht an – Start im Schuljahr 2026/2027.
  • Wahlpflichtfach „Chemie mit Schwerpunkt Feuerwehr“ entsteht per Vertrag zwischen KFV, Kreis und Stadt.
  • Zwölf Plätze sind geplant, die Nachfrage ist höher, und eine Erweiterung wird geprüft.
  • Unterricht kombiniert Theorie und Praxis: Brandbekämpfung, Technik, Erste Hilfe und Gefahrenverhalten.
  • Ziel ist Nachwuchsgewinnung und stärkere Zusammenarbeit von Schule, Eltern und Ortsfeuerwehren.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

In Brandenburg macht Feuerwehr bislang nur an Oberschulen Schule. Künftig wird das Fach nun erstmals auch an einem Gymnasium unterrichtet. Am Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasium in Forst (Lausitz) startet das Wahlpflichtfach ab dem Schuljahr 2026/2027 unter dem Namen „Chemie mit Schwerpunkt Feuerwehr“.

Am Donnerstag (29. April 2026) wurde ein entsprechender Kooperationsvertrag unterzeichnet. Die Partner: der Kreisfeuerwehrverband (KFV) Spree Neiße, der Landkreis, die Stadt Forst und das Forster Gymnasium. Dessen Leiterin Urike Weikert berichtet von vielen Gesprächen, die dazu vorab mit dem Schulamt geführt wurden. Letztlich habe das Amt den Sonderweg möglich gemacht.

Zwölf Schülerinnen und Schüler des Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasiums werden im Rahmen des Unterrichts ihre Feuerwehr-Ausbildung absolvieren. Das Projekt soll schulische Bildung mit praktischer Ausbildung verbinden und somit einen wichtigen Beitrag zur Nachwuchsgewinnung für die Feuerwehren im Landkreis leisten.

Schule in Brandenburg: Feuerwehr-Ausbildung soll Zusammenarbeit stärken

„Entstanden ist die Idee vor etwa zwei Jahren, als eine Kollegin mit einer Feuerwehrfrau in Ausbildung ins Gespräch kam“, erzählt Ulrike Weikert. „Wir haben uns dann überlegt, wie wir das an unserem Gymnasium umsetzen können. Wir entwickeln hier gerne neue Ideen, und ich hoffe, dass die Schülerinnen und Schüler nicht nur das Feuerwehrwissen erhalten, sondern auch viel fürs Leben lernen.“

Tatsächlich sollen die Schüler nicht nur den Umgang mit den Gerätschaften der Feuerwehr erlernen. Vielmehr sollen auch Teamgeist und Verantwortungsbewusstsein vermittelt werden. Robert Buder, Vorstandsvorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes Spree Neiße, erklärt: „Die Feuerwehren retten, löschen und helfen in jeder Notlage. Entscheidungen müssen oft in wenigen Minuten getroffen werden – verantwortungsvoll, professionell und unter Druck. Genau diese Haltung vermitteln wir den Jugendlichen.“

Und nicht zuletzt soll durch den Unterricht auch die Zusammenarbeit zwischen Schule, Eltern und Ortsfeuerwehren gestärkt werden.

Das Interesse ist jedenfalls schon mal größer als das Angebot. Während zunächst zwölf Plätze zur Verfügung stehen, stehen acht weitere Namen schon auf der Nachrückerliste. Das Teilnehmerfeld soll nun erweitert werden. Übrigens: Nur vier der ersten Teilnehmenden bringen bereits Feuerwehrerfahrung mit in den Unterricht. Alle anderen sind sozusagen Neulinge im Bereich Feuerwehr.

Gruppenbild mit den künftigen Teilnehmenden am Wahlpflichtfach Feuerwehr in Forst; im Vordergrund (v.l.n.r.): Bürgermeisterin Simone Taubenek, Landrat Harald Altekrüger, Schulleiterin Urike Weikert und KFV-Vorstandsvorsitzender Robert Buder unterzeichneten die Kooperationsvereinbarung.

Gruppenbild mit den künftigen Teilnehmenden am Wahlpflichtfach Feuerwehr in Forst; im Vordergrund (v.l.n.r.): Bürgermeisterin Simone Taubenek, Landrat Harald Altekrüger, Schulleiterin Urike Weikert und KFV-Vorstandsvorsitzender Robert Buder unterzeichneten die Kooperationsvereinbarung.

Sascha Erler/Kreisfeuerwehrverband Spree-Neiße e.V.

Spree-Neiße-Landrat Harald Altekrüger sagt, dass so ein wichtiger Schritt für die Nachwuchsarbeit gegangen wird: „Wir haben insgesamt eine gute Entwicklung, was die Jugendfeuerwehr im Kreis betrifft. Aber es ist wichtig, dass die Jugendlichen im Anschluss auch den Schritt in die aktive Wehr gehen.“ Die Forster Bürgermeisterin Simone Taubenek schließt sich diesem Wunsch an. Sie sagt: „Ich denke, die wenigsten wissen, dass bei uns die Feuerwehr fast ausschließlich auf Ehrenamtliche angewiesen ist. Daher ist Nachwuchsarbeit so wichtig.“

Vier Schulen in Spree-Neiße bieten Feuerwehr als Fach an

Aktuell wird das Wahlpflichtfach an den drei weiteren Schulen im Kreis angeboten. Ebenso wie dort wird der Unterricht am Forster Gymnasium von Pädagogen gemeinsam mit ehrenamtlichen Kreisausbildern gestaltet, die in diesem Fall aus Forst und Neuhausen kommen. Auch Mathias Voigt, Koordinator für das Wahlpflichtfach Feuerwehr beim Landkreis, will den Unterricht theoretisch und auch ganz praktisch mitgestalten.

Zu den praxisnahen Inhalten, die im Unterricht vermittelt werden sollen, zählen die Bereiche Brandbekämpfung und Löschtechnik, Technische Hilfeleistung, Erste Hilfe, Verhalten in Gefahrensituationen und der Umgang mit Feuerwehrausrüstung. Die Jugendlichen absolvieren dabei wesentliche Inhalte der Truppmann- beziehungsweise Truppfrauausbildung bereits in der Schule und werden frühzeitig an das Ehrenamt Feuerwehr herangeführt.

Verband hofft auf Unterstützung vom Land Brandenburg

„Im Mai werden sich die künftigen Ausbilderinnen und Ausbilder das erste Mal treffen und die Stunden planen“, kündigt Sascha Erler, Sprecher des Kreisfeuerwehrverbandes Spree-Neiße, an. Vorstandsvorsitzender Robert Buder sagt: „Das wird auf jeden Fall eine interessante Ausbildung, jetzt auch an einem Gymnasium. Man sieht wieder: Spree-Neiße geht neue Wege, die dann hoffentlich auch landesweit umgesetzt werden.“

Buder sagt, das Projekt sei ein Erfolgsmodell, das seitens des Landes Brandenburg weiterhin Unterstützung benötige. „Während unsere Einsatzkräfte täglich schnelle Entscheidungen treffen müssen, diskutiert die Politik seit über einem Jahr über finanzielle Unterstützung. Wir brauchen hier klare Signale und Verlässlichkeit.“

Das Wahlpflichtfach Feuerwehr wird in Spree-Neiße bereits an der BOS Spremberg, der Europaschule Guben und der Gesamtschule Spree-Neiße in Kolkwitz-Hänchen angeboten. In der 9. und 10. Klasse erhalten die Schüler die Grundausbildung der Feuerwehr und können mit dem 16. Lebensjahr in die aktive Feuerwehr ihrer Heimatgemeinde wechseln.