Von Anja Guhlan

 Etwas Anspannung  herrscht bei den Mitarbeitern des Geoparks und dem Förderverein.   Denn derzeit wird der Geopark Muskauer Faltenbogen erneut  von der Unesco überprüft. Es geht darum, ob der Geopark weiterhin das Unesco-Label tragen darf. „Die Anspannung ist nicht mehr ganz so groß, da wir ja bereits das Prozedere kennen“, meint Geopark-Leiterin Nancy Sauer.   Die letzte Evaluierung liegt vier Jahre zurück. Damals gab es weiter grünes Licht für den Geopark. Dennoch hatten Kontrolleure einige Aufgaben ins Stammbuch geschrieben, die der länderübergreifende Park  zu realisieren hatte, um weiterhin das Unesco-Label    zu tragen.

Ein langwieriger Prozess

„Vorrangig geht es darum der Unesco zu zeigen, dass wir die entsprechenden Auflagen umgesetzt haben beziehungsweise dabei sind sie umzusetzen“, meint Sauer. Die Re­evaluierung ist dabei ein langwieriger Prozess. Bereits im Jahr 2018 reichte der Geopark eine umfangreiche Selbstevaluierung bei der Unesco ein. Im Frühjahr 2019 wurden die Dokumente in einer sogenannten „Desktop Revalidation“ durch die Unesco in Paris geprüft und zur Überprüfung vor Ort freigegeben. Die ausgewählten Revalidatoren für den Muskauer Faltenbogen sind Nire Kagaya aus Japan und Richard Watson aus Irland. „Beide sind für drei Tage bei uns im Muskauer Faltenbogen, um sich vor Ort von den Fortschritten zu überzeugen“, erläutert Manfred Kupetz, Vorsitzender des Fördervereins des Geoparks, der die beiden auch die ganze Zeit begleitet. So haben sich die Kontrolleure beispielsweise die Weiterentwicklung der Infrastruktur angesehen oder sich davon überzeugen  können, dass die Außendarstellung des  Parks vereinheitlicht wurde. Besuche in den Drachenbergen, in der Grube Babina und im polnischen Tuplice standen auf dem Plan. Eine Fahrt mit der Muskauer Waldeisenbahn und ein Besuch im Pückler-Park sollen das Ganze abrunden. Auch Besuche in der Alten Ziegelei Klein Kölzig und im Kavalierhaus Bad Muskau gehörten dazu. Die Ziegelei wird neues Domizil der Geopark-Geschäftsführung. Ziegelei und Kavalierhaus werden außerdem zu Besucherzentren  entwickelt.

Wie Richard Watson erläutert, ist der Zweck einer solchen Überprüfung „dem Geopark auf den Grund oder hinter die Kulissen zu schauen“. Er schaut sich an, ob der Geopark nach den Richtlinien der Unesco handelt, ob Akteure den Geopark unterstützen und ob es Fortschritte gibt.

Der erste Eindruck ist positiv

Sein erster Eindruck  fällt schon mal positiv aus: „Ich kann bei diesem Geopark aus meiner Sicht keine größeren Probleme erkennen. Besonders beeindruckt bin ich von der deutsch-polnischen Kooperation. Vor allem wie sich wirklich kleine Gemeinden wie das polnische Tuplice mit diesem Keramikpfad am Beleben des Geoparks beteiligen.“ Für Richard Watson ist in seiner Bewertung auch wichtig, wie sehr der Geopark von der Bevölkerung  auch von den lokalen und vor allem von den  politischen Akteuren vor Ort unterstützt wird. Watson betont aber auch, dass er mit seiner Bewertung in dem ganzen Reevaluierungsprozess wirklich nur „ein ganz kleines Rädchen ist“. Denn der geschriebene Bericht der beiden Kontrolleure wird im September bei der Unesco eingereicht.  Später wird dann bei der Unesco-Kommission nochmals über den Geopark in einem Gremium befunden. „Mit einer Entscheidung kann man frühestens im September des nächsten Jahres rechnen“, erläutert Watson das Verfahren. Im besten Fall erhält der Park dann wieder eine grüne Karte mit ein paar kleineren Auflagen und darf den Unesco-Titel weitere vier Jahre tragen. Im schlimmeren Fall gibt es nur die gelbe Karte, die das Tragen des Labels auf zwei Jahre verkürzt. Das Geopark-Team hofft natürlich auf eine grüne Karte, muss auf die Entscheidung jetzt aber noch eine geraume Zeit warten.