Der Regen und die warmen Temperaturen haben die Wildblumensaat auf dem Gut Neu Sacro der Bauern AG Neißetal gut aufgehen lassen. Der Landwirtschaftsbetrieb hat sich entschieden, an Acker- und Straßenrändern des Erlebnisgutes Neu Sacro und entlang eines Grabensystems Ausgleichsflächen für den Windpark Forst-Briesnig anzubieten. Die sind inzwischen bepflanzt. Mit Bäumen und Sträuchern, dazwischen breite Streifen für flachen blühenden Bewuchs mit Wildpflanzen wie sie in der Region heimisch sind, aber nicht mehr überall anzutreffen sind.

Mitarbeiter der Peitzer Öko-Dienste GmbH haben die Schutzpflanzungen angelegt – und dafür entlang eines Bewässerungsgrabens auf dem Gut Neu Sacro ungewöhnliche Mühe auf sich genommen. „Normalerweise würden wir für die erste Zeit zum Schutz vor Wildverbiss durchgehend einen Zaun um die Pflanzung ziehen. Das können wir hier aber nicht machen“, sagt Heinz Töpfer. Es muss Platz bleiben für notwendige Arbeiten am Grabensystem. Auch dem Niederwild, Störchen und auf den Feldern in der Neißeaue oft anzutreffenden Gänsen und Schwänen müsse eine Fluchtmöglichkeit gegeben sein, wenn die Landmaschinen übers Feld rollen, schildert der Geschäftsführer der Peitzer Öko-Dienste.

Deshalb haben seine Mitarbeiter hier auf einem rund vier Meter Streifen zwischen Graben und Acker abwechselnd Hecken und Grünflächen angelegt. In Dreierreihen stehen hier nun mehr als 1000 junge Sträucher, darunter Schwarzer Holunder, Roter Hartriegel, Schlehe, Weißdorn, der Gemeinde Schneeball und die Hundsrose, im Volksmund auch Heckenrosen genannt. Dazwischen, in der Mitte der Dreierreihe, haben sie Hainbuchen, Linden, Trauben- und Stieleichen, Winterlinde und Haselnuss gesetzt und jeden einzelnen Baum und Strauch mit Maschendraht umhüllt, damit er geschützt aufwächst.

„Diese Flächen fallen damit für uns zwar auf Dauer aus der landwirtschaftlichen Nutzung, sie tragen aber zum Schutz der Artenvielfalt in der Natur bei, und sie schützen unsere Ackerflächen vor Wind- und Bodenerosionen“, sagt Bernd Starick und fügt an: „Als wir die Flächen damals von der Laubag gekauft haben, war uns klar, dass wir hier etwas gegen Bodenerosion tun müssen.“ Einheimischen wissen, dass die Gegend windreich ist. Das ist inzwischen auch amtlich verbrieft, im Sachlichen Teilregionalplan „Windenergienutzung“ der Regionalen Planungsgemeinschaft Lausitz-Spreewald, als Windeignungsgebiet „Wind 19 Forst (Lausitz) –Briesnig). Fünf Windkraftanlagen hat die ABO Wind AG, Wiesbaden hier errichtet. Sie sind seit November 2018 am Netz.

Für die Eingriffe in die Natur sind naturschutzrechtliche Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen zu leisten, darunter Schutzpflanzungen in Form von Feldhecken, Feldgehölzen und Bäumen. Umfang und Arten hat das Landesamt für Umwelt als genehmigungspflichtige Behörde für den Windpark Briesnig in Abstimmung mit der Naturschutzbehörde beim Landkreis Spree-Neiße festgelegt (s. Info).

Die Gehölze für die Ausgleichs- und Ersatzpflanzungen kommen aus der Region, von den Forstbaumschulen Fürst Pückler Zeischa GmbH und Co. KG Niederlausitz, Bad Liebenwerda (Elbe-Elster) Für drei Jahre übernimmt die Peitzer Öko-Dienste GmbH die Pflege der Kulturen. „Dann kommen sie alleine klar“, sagt Töpfer während er die Einsaat der Wildpflanzenmischung zwischen den Gehölzmodulen im Blick behält, die „die beste Bienenweide“ verspricht, wie er sagt. Nebenbei macht er auf Käfer, Wildbienen und Hummeln aufmerksam, die fleißig unterwegs sind „Hier ist mehr los, als manche Diskussionen Glauben machen mag“, sagt er und erzählt, dass hier auch viele Vogelarten anzutreffen sind; die gelbe Schafstelze, die Bachstelze und der Wiesenpieper zum Beispiel und Stare.

Christina Grätz hält die Vielfalt gern im Foto fest. Die als Wildblumensamen-Sammlerin und Ameisenretterin überregional bekannte Diplom-Biologin und Geschäftsführerin des mehrfach preisgekrönten Unternehmens „NagolaRe GmbH, Jänschwalde, hat für den Standort in Briesnig eine ganz spezielle Wildpflanzenmischung zusammengestellt, orientiert an den Standortbedingungen und dem Ziel und Zweck. Früh- und Spätblüher wechseln sich darin ebenso ab wie ein- und mehrjährige Pflanzen. Grätz nennt die WiesenFlockenblume, die Wiesen-Margarite, den Blutweiderich und die Kuckucks-Lichtnelke. Die habe sie ausgewählt, „weil der Standort am Bewässerungsgraben etwas kühler und feuchter“ ist, und zusätzlich ein Paar Kulturarten und Wildpflanzen, die schnell keimen und blühen, Kornblume zum Beispiel und Koriander. „In der Natur schließen sich die Bestände dann. Die mehrjährigen Pflanzen treten an die Stelle der Einjährigen, manche davon samen sich auch selber wieder aus“, schildert Grätz.

Sie ist von Bernd Starick, Vorstand der Bauern AG Neißetal, mit ins Boot geholt worden. Die Wildpflanzenaussaat auf dem Gut Neu Sacro ist eine gemeinsame Idee. „Wir haben schon viele gemeinsame Projekte realisiert. Im Bergbau bei der Rekultivierung zum Beispiel und in Potsdam bei Aufträgen im Park Sanssouci für die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten. Dort haben wir schon einige neue geschützte Biotope entwickelt und angelegt mit unserem Wissen aus dem Bergbau“, schildert sie.

Das bringt umgekehrt auch manchen Potsdamer neugierig in die Lausitz. Zur Pfingstnelken-Blütentour zum Beispiel, die einmal im Jahr am Gut Neu Sacro startet und in den Tagebau Jänschwalde führt, wo Christina Grätz und die inzwischen 25 Mitarbeiter ihres Unternehmens NagolaRe mit Ingenieurwissen, in der Natur gesammeltem Saatgut und wachsender Erfahrung im Bergbau und der Renaturierung im Auftrag des Bergbauunternehmens für blühende Landschaften gesorgt haben und mit dieser Expertise längst auch überregional, über die Rekultivierung hinaus, sehr gefragt sind.