Von Sven Hering

Rund 23 000 freiwillige Feuerwehren gibt es in Deutschland, dazu kommen in den Großstädten zurzeit 107 Berufsfeuerwehren. Das sagt die Statistik der Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren in der Bundesrepublik Deutschland. Gerade die Waldbrände der vergangenen Monate haben die Helfer an die Grenze der Belastbarkeit gebracht. So wird in Brandenburg der Ruf nach mehr hauptamtlichen Rettern laut. Im Spree-Neiße-Kreis wird dieser Vorschlag eher zurückhaltend bewertet.

Cottbus ist der richtige Standort für die Berufsfeuerwehr

„Wir haben eine Berufsfeuerwehr, die sitzt in Cottbus und dort ist sie auch richtig angesiedelt“, sagt Spree-Neiße-Landrat Harald Altekrüger (CDU). Er verweist zudem auf die Leag-Werkfeuerwehr. „Ich möchte auf das Ehrenamt nicht verzichten“, ergänzt der Chef der Kreisverwaltung.

Andreas Britze ist Stadtwehrführer in Forst. „Klar haben auch wir das Problem, dass wir tagsüber nicht immer die Soll-Stärke erreichen“, sagt er. Deshalb seien vor allem die öffentlichen Arbeitgeber angehalten, bei ihren Angestellten um eine Mitarbeit in der Feuerwehr zu werben.

Stellenausschreibungen mit Blick auf Freiwillige Feuerwehr

In der Stadt Forst wird laut Britze seit einiger Zeit bei Stellenausschreibungen formuliert, dass eine Mitarbeit bei der Feuerwehr wünschenswert wäre. „Unter diesem Aspekt bin ich sehr froh, dass wir die Kreisverwaltung weiter in Forst und nicht etwa in Cottbus haben“, ergänzt er. So gebe es fünf, sechs Leute, die in der Kreisverwaltung arbeiten und auch bei der Feuerwehr in Forst mitwirken. „Das ist schon eine sehr große Unterstützung.“

Im Moment funktioniert laut Britze das System Freiwillige Feuerwehr auch in kleineren Ortsteilen, wenn auch in manchen Orten nur noch ein paar Leute bei der Feuerwehr mitmachen. „Wie das aber vielleicht in fünf Jahren aussieht, das weiß heute niemand“, so der Forster Feuerwehrchef.

Freiwillige Feuerwehren verlieren junge, gut ausgebildete Leute

„Ein Problem sehe ich darin, dass wir hier sehr gut ausgebildete junge Leute immer wieder verlieren, wenn sie für ihr Studium nach Dresden, Magdeburg oder Hamburg gehen“, so Britze. Bleiben sie dort weiter der Feuerwehr treu, könnten sich diese Städte über top-ausgebildete Kameraden freuen. Es müsste deshalb stärkere Anreize für junge Leute geben, wieder in ihre Heimat zurückzukommen. Das funktioniert aber nur über Arbeitsplätze.

„Unser System der freiwilligen Feuerwehr funktioniert derzeit sehr gut, was aber auch damit zusammenhängt, dass wir insgesamt nur vier Standorte haben, die wir besetzen müssen“, sagt Sebastian Schwitzke, Sachbearbeiter Brandschutz für die Stadt Guben und Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr.

Einsatzfähigkeit der Freiwilligen Feuerwehr wird zum Problem

Allerdings will der Gubener nicht ausschließen, dass man sich über die Einsatzfähigkeit künftig noch besondere Gedanken machen muss. „Das System kann schon morgen kippen“, eine Prognose sei derzeit schwierig. Zumal auch die Gubener mit dem Nachwuchs-Problem zu kämpfen haben: Wer nach Ausbildung oder Studium in die Heimat zurückkehre, der engagiere sich oft dann auch wieder bei der Feuerwehr, so Schwitzke. Wer woanders seine berufliche Zukunft aufbaue, der unterstütze dann eben die Wehr in seinem neuen Wohnort. „Auch das ist ja dann in Ordnung“, sagt Sebastian Schwitzke.

Kommunen können sich Berufsfeuerwehren nicht leisten

Frank Balkow, Stadtwehrführer in Spremberg, sieht den Ruf nach mehr Berufsfeuerwehr kritisch. Solange die Frage der Finanzierung nicht anders geregelt sei, bleibe so etwas illusorisch, sagt er. Denn die Kommunen könnten sich hauptamtliche Feuerwehren kaum leisten. In Spremberg seien einige Mitarbeiter im Bauhof und Verwaltung auch Mitglied bei der Feuerwehr. „Das macht für uns die Sache natürlich etwas einfacher“, sagt er. „Wenn wir auf diesem Weg weitermachen, dann ist mir nicht bange“, so der Spremberger Stadtwehrführer.