Das organisierte Verbrechen ist nach Darstellung der europäischen Polizeibehörde Europol die größte Bedrohung für die Sicherheit in Europa. Verbrechen und Gewalt von Mafia-ähnlichen Banden hätten deutlich zugenommen, sagte Jari Liukku von der europäischen Polizeibehörde kürzlich bei einer internationalen Konferenz in Den Haag.

In Deutschland hat das Bundeskriminalamt in seinem jüngsten Bericht zum Thema 572 Ermittlungsverfahren gegen Gruppierungen der Organisierten Kriminalität (OK) erfasst. Über 8000 Tatverdächtige gab es allein 2017, die einen Schaden von über 200 Millionen Euro zu verantworten haben.

Pablo Escobar des Balkans

Haupteinnahme der OK-Banden ist der Drogenhandel, in dem in jüngster Zeit auch Gruppen vom Balkan mitmischen. Anfang des Jahres hat sich der Albaner Klement Balili, der „Pablo Escobar des Balkans“ der Polizei gestellt. Er soll einer der wichtigsten Drahtzieher des Drogenhandels von Latein-Amerika über den Balkan nach West- und Nordeuropa gewesen sein. Andere Gruppierungen haben seinen Platz längst übernommen.

Krieg der Kotor-Mafia eskaliert

Als eine besonders gefährliche Gruppe gilt die sogenannte Kotor-Mafia, die ihren Sitz in der gleichnamigen montenegrinischen Hafenstadt an der Adria hat. Seit Monaten leisten sich rivalisierende Gruppen, die dieser Mafia-Struktur zugerechnet werden, einen blutigen „Krieg“. In Belgrad aber auch in Österreich hat es mehrere brutale Morde gegeben, die auf das Konto der Banden gehen sollen.

Spur aus Forst auf den Balkan

Nun berichten Zeitungen aus Montenegro, dass die beiden in Forst getöteten Männer Mitglieder des Skaljari-Clan gewesen sein wollen. Nach Informationen der „Märkischen Allgemeinen“ sollen die Männer in Forst regelrecht hingerichtet worden sein. Mehrere Schusswaffen mit Schalldämpfern seien in der Nähe von Forst gefunden worden.

5000 Mafia-ähnliche Gruppen in Europa

Ermittler schätzen, dass mehr als 5000 Mafia-ähnliche Gruppen in Europa aktiv sind mit Mitgliedern aus mehr als 100 Ländern. Gruppen vom Balkan spielen dabei bisher in Deutschland nur eine untergeordnete Rolle. Etwa ein Drittel aller 2017 in Deutschland verdächtigten OK-Mitglieder waren Deutsche.

Bei den ausländisch dominierten Gruppen lagen türkische und polnische Gruppen vorn. Albanien folgt mit Abstand auf Platz drei, Serbien auf Platz 10 in den Statistiken des Bundeskriminalamtes. Die serbische Gruppen seien vor allem im Rauschgifthandel aktiv, so die Einschätzung des BKA.

Lausitz bisher kein Mafia-Gebiet

Brandenburg und Ostsachsen sind bisher selten als Operationsgebiet solcher Mafia-Gruppen aufgefallen. In Berlin allerdings haben Gruppen vom Balkan in jüngster Zeit Spuren hinterlassen. So berichtet der Berliner Kurier im Zusammenhang mit einem Mordfall vom Oktober über Spuren zur Balkan-Mafia. Eine junge Frau war bei einer brutalen Auseinandersetzung um ein Pokerspiel im Wedding erschossen worden. „Diese Leute haben häufig in einem der Balkan-Kriege gekämpft“, zitiert der Kurier einen Berliner Ermittler. „Die haben Dinge gesehen oder auch getan, die wir uns hier gar nicht vorstellen möchten.“

Anstieg der Rauschgiftkriminalität

Anwohner in Forst berichten von Fahrzeugen mit Berliner Kennzeichen, die in jüngster Zeit häufig in der Nähe des Hauses gesichtet wurden, in dem am Montag die beiden Toten gefunden wurden. Möglicherweise handelte es sich um ein Drogenlager. Andere Medien berichten von einer Cannabis-Plantage hinter dem Haus.

Brandenburgs Polizei hat im vergangenen Jahr einen deutlichen Anstieg bei der Rauschgiftkriminalität festgestellt. „Hauptsächlich wurde der Anstieg durch die Zunahme des anteilsmäßig größten Deliktbereichs, den allgemeinen Verstößen mit Cannabis und Zubereitungen, bestimmt“, heißt es in der Lagebeurteilung des Polizeipräsidiums.

Balkan-Mafia ist brutal und bewaffnet

Ihren Ursprung hat die Balkan-Mafia in den Kriegen der vergangenen Jahrzehnte. In deren Schatten sind Unmengen von Waffen in die Region gespült worden. Zudem haben die Kriege Gruppen von brutalen Kämpfern und grenzüberschreitenden Seilschaften geschaffen, die seither auf teils schwache staatliche Strukturen treffen. Der Balkan ist so auch zu einem Tummelplatz für andere ausländische Verbrechensgruppen geworden, die ihn etwa als Einfallstor nach Europa nutzen.