Am 4. März 1991 wurde Gerhard Krumm als bisher letzte Persönlichkeit die Ehrenbürgerwürde der Stadt Forst verliehen.

„Forster Kreis“ als Anlaufstätte für Vertriebene und Flüchtlinge

1947 hatte er von Lübeck aus den „Forster Kreis“ gegründet, eine Vereinigung, die es sich zur Aufgabe machte, ehemaligen Forstern, die nach dem Krieg als Vertriebene und Flüchtlinge zerstreut waren, als Anlaufstelle zu dienen. Mit Hilfe einer extra angelegten Kartei konnten mehr als 3000 Familien mit mehr als 10 000 Personen erfasst und so in vielen Fällen eine Familienzusammenführung ermöglicht werden.

Forst

Gerhard Krumm wurde als zweites von drei Kindern am 24. Oktober 1909 in Straßburg im Elsass geboren. Durch berufsbedingte Veränderungen des Vaters wechselte die Familie im Jahr 1913 nach Forst. Dort besuchte Gerhard die Mittelschule und das Real-Gymnasium.

1927 wurde er Mitglied der Reichswehr und absolvierte nach seiner Entlassung eine dreijährige Lehre als Speditionskaufmann in der Spedition Julius Noack in der Blumenstraße in Forst. 1937 heiratete er in Berlin die 1914 in Berlin-Neukölln geborene Johanna Elisabeth Frieda Münzer (gest. 2003). Das Ehepaar hatte drei Kinder

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Gerhard Krumm am 1. Oktober 1945 in Münster aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft entlassen und zog später nach Lübeck.

Krumm wagt den Neuanfang nach dem Krieg

1947 begann er eine Beschäftigung in seinem erlernten Beruf als Speditionskaufmann bei der Spedition Kühne & Nagel in Lübeck. Dort war bis zu seinem Ausscheiden im Jahr 1959 in leitender Position tätig. In den folgenden sieben Jahren führte er ein Briefmarkengeschäft, ehe er in den Ruhestand trat.

Bemerkenswert waren auch sein musikalisches Interesse und entsprechende Aktivitäten. 1950 wurde er Leiter des Lübecker Hanseaten-Chores und übernahm im Jahr 1960 die Leitung des Sängerkreises I Schleswig Holstein mit 96 Chören.

Als gläubiger Christ engagierte er sich auch kirchlich. So war er unter anderem Kirchenältester der St. Matthäi-Kirche in Lübeck.

Ab 1958 war er Kreisvorsitzender der Landsmannschaft Mark Brandenburg in Lübeck, später Landesvorsitzender und Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes

„Forster Kreis“ hielt Kontakt zu Forstern bundesweit

Während der gesamten Zeit seiner beruflichen Tätigkeit und darüber hinaus war er unermüdlich für den „Forster Kreis“ aktiv. So brachte der „Forster Kreis“ vom Januar 1949 bis ins Jahr 2000 unter Leitung von Gerhard Krumm eine regelmäßig erscheinende Heimatzeitung, die „Heimatbriefe“ (später: „Heimatzeitung“) heraus, mit der Kontakt zu Forster Bürgern in der gesamten Bundesrepublik aufrechterhalten wurde.

Im April 1966 wurde ihm eine besondere Ehrung zuteil. Kai-Uwe von Hassel, Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein, zeichnete ihn mit dem Bundesverdienstkreuz aus. In der Begründung hieß es: „In Anerkennung unermüdlichen öffentlichen Wirkens.“

Gerhard Krumm organisierte Heimattreffen in Westdeutschland, an denen auch ältere Forster Bürger, die als Rentner aus der DDR ausreisen durften, teilnahmen. In den 50er-Jahren startete er zudem eine Paketspendenaktion, die bis zur Wendezeit durchgeführt wurde.

Großer Erfolg für Ost-West-Treffen des „Forster Kreises“

Am 8. September 1990 fand dann das erste gemeinsame Treffen von Forstern aus Ost und West in Forst statt. Mehr als 600 Teilnehmer hatten sich eingefunden und selbst der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl hatte eine Grußbotschaft entrichtet.

Am 22. Dezember 2003 verstarb Gerhard Krumm mit 94 Jahren in einer Alten- und Pflegepension der Hansestadt Lübeck.

Seinem Wunsch, seine letzte Ruhestätte in der Stadt Forst zu finden, wurde stattgegeben. Am 13. Februar 2004 fand die Trauerfeier in der Kapelle des Forster Friedhofs und anschließend die Urnenbeisetzung nahe dem Oktagon statt.