Erdbeeren aus Polen
: Trotz Frost kann man sie in Zasieki kaufen – zu welchem Preis?

Nach der Spargelsaison steht die Erdbeersaison vor der Tür. Obwohl die Temperaturen niedrig sind, gibt es in Polen schon Erdbeeren zu kaufen. Was kosten sie?
Von
Marcel Laggai
Forst
Jetzt in der App anhören
Martin Mazurkiewicz am Gemüsestand seines Bruders im polnischen Zasieki mit den restlichen Erdbeeren des Tages, die oft schon gegen Mittag ausverkauft sind.

Martin Mazurkiewicz am Gemüsestand seines Bruders in Zasieki (Polen) mit den restlichen Erdbeeren des Tages, die oft schon gegen Mittag ausverkauft sind.

Marcel Laggai
  • Erdbeersaison startet spät: Temperaturen in Polen und Deutschland sind noch niedrig.
  • In Zasieki verkauft Mazurkiewicz täglich frische Erdbeeren, aber nur zwei Paletten pro Tag.
  • Preise: 500g Erdbeeren kosten 5 Euro in Polen, in Deutschland 3,30 Euro für 250g.
  • Erdbeeren aus Żary sind hochwertiger als importierte aus Spanien.
  • Deutsche Anbaufläche sinkt, Importbedarf steigt: 121.000 Tonnen 2024.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Derzeit fallen die Temperaturen nachts regelmäßig unter null Grad. Und das hat Folgen für die Genießer in der Lausitz. So konnte etwa die Spargelsaison in Preschen bei Forst (Spree-Neiße) erst mit Verspätung eröffnet werden. Aber auch die Erdbeerernte kommt in diesem Jahr überhaupt nicht in Gang.

Zwar gilt die Zeit von Ende Mai bis Juli als Hauptsaison für die leckeren Früchte, doch in den vergangenen Jahren gab es vereinzelt schon Anfang Mai die ersten Erdbeeren des Jahres zu kaufen. Auch in Polen sieht es nicht besser aus. Aber wer schnell ist, hat hier gute Chancen.

In Zasieki (Polen) gibt es erste Erdbeeren zu kaufen

Der Gemüsestand von Mario Mazurkiewicz bekommt beispielsweise täglich frischen Nachschub an Erdbeeren. Sein Stand liegt direkt neben der Circle K-Tankstelle in Zasieki. Keine drei Kilometer hinter der Grenzbrücke bei Sacro. Wobei Mazurkiewicz offen betont, dass sein Angebot an Erdbeeren derzeit noch sehr überschaubar ist.

Wegen der bislang kalten Nachttemperaturen habe er im Schnitt nur zwei Paletten der süßen Früchte pro Tag im Angebot. Kein Vergleich zu den Jahren 2024 und 2023. In den Jahren zuvor habe er das Zigfache an die Erdbeerliebhaber im Forster Grenzgebiet gebracht – Tag für Tag.

Nach den Eisheiligen sollte es mehr Erdbeeren geben

Martin Mazurkiewicz, der zusammen mit seinem Bruder den Gemüsestand betreibt, blickt dennoch optimistisch auf die kommenden Tage und Wochen. „Wenn die Temperaturen über fünf Grad bleiben, sollten wir in den nächsten ein bis zwei Wochen mehr Erdbeeren bekommen.“ Die aktuelle Wettervorhersage bremst allerdings die Vorfreude der Erdbeerfans.

Denn derzeit haben die Eisheiligen Deutschland fest im Griff. Noch mindestens eine Woche lang ist nach Expertenmeinung mit Bodenfrost zu rechnen. Eigentlich sind nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) die Tage vom 11. bis 15. Mai die Eisheiligen. Doch Polarströmungen sorgen in diesem Jahr dafür, dass die Maifröste früher kommen als sonst.

Das kosten die Erdbeeren aus Polen

Doch was kosten die Erdbeeren am Stand der Gebrüder Mazurkiewicz derzeit überhaupt? „Eine 500-Gramm-Schale kostet bei uns aktuell fünf Euro“, sagt Martin Mazurkiewicz. Für polnische Verhältnisse ein durchaus stolzer Preis, wie der Gemüsehändler einräumt. Aber aus seiner Sicht ein lohnender Preis, denn die Erdbeeren wachsen unweit von Zasieki und verbreiten einen süßlichen Duft.

Tatsächlich haben die Erdbeeren einen Weg von nur knapp fünfzig Kilometern hinter sich. „Sie kommen aus Żary und sind nicht zu vergleichen mit Erdbeeren, die etwa aus Spanien oder Kroatien eingeflogen werden.“ Bekannter ist Żary unter dem deutschen Namen Sorau, was wiederum in der Woiwodschaft Lebus liegt.

Doch auch wenn selbst in Polen die Händler derzeit Preise um die fünf Euro aufrufen, müssen Liebhaber deutscher Erdbeeren erfahrungsgemäß noch tiefer in die Tasche greifen. Während auf dem Hof von Spreewaldbauer Ricken aufgrund der Temperaturen und der unberechenbaren Lage noch keine Aussagen möglich sind, gibt es aus Mecklenburg-Vorpommern zumindest eine Tendenz.

Wie die Ostsee Zeitung vor wenigen Tagen berichtet, wollen die großen Anbauer – Karls und Glantz – die Preise in diesem Jahr relativ konstant halten. Demnach soll der Preis für eine 250-Gramm-Schale bei 3,30 Euro liegen. Allerdings sind die höheren Preise in der Regel nicht der Umsatzmaximierung geschuldet, sondern eine Folge des Mindestlohns und höherer Energiekosten.

Saisonstart für Erdbeeren aus der Lausitz noch offen

Und doch können sich Erdbeerfreunde darauf einstellen, dass auch die Preise für die deutschen Früchte in der laufenden Saison sinken werden. Ein altbekanntes Phänomen, das auch Spargelliebhaber kennen. Sind die ersten paar Spargel im Jahr immer recht teuer, sinken die Preise im Laufe der Saison. Wann die hiesige Erdbeersaison aber endlich beginnt, ist derzeit noch reine Glaskugelleserei.

Auch wenn die Ricken-Verkaufsstände, die wie eine überdimensionale Erdbeere aussehen, schon vielerorts zu finden sind. Bisher allerdings vor allem, um den eigenen Spargel zu verkaufen. In dieser Hinsicht können die Brüder Mazurkiewicz auch nicht klagen, obwohl die Nachfrage nach Erdbeeren nahezu täglich zunimmt. Wobei Martin Mazurkiewicz schon ankündigt: „Wenn wir mehr Erdbeeren bekommen, werden auch bei uns die Preise sinken.“

Erdbeeren in Deutschland

  • Dem Statistikportal Statista zufolge hat Deutschland im Europavergleich die zweitgrößte Anbaufläche von Erdbeeren – nach Polen.
  • Im Jahr 2024 betrug die Anbaufläche circa 13.150 Hektar. Zum Vergleich: 2012 lag die Fläche noch bei 19.050 Hektar.
  • Hintergrund sind die steigenden Preise (Mindestlohn, Energiekosten et cetera), weshalb die Anbaufläche stetig sinkt.
  • Nordrhein-Westfalen, Niedersachen und Baden-Württemberg gelten in Deutschland als die führenden Anbauregionen.
  • Im Vorjahr wurden unter Freiland-Zucht ungefähr 78.600 Tonnen Erdbeeren erzeugt.
  • Da die Nachfrage nach den süßen Früchten aber deutlich höher ist, ist Deutschland auch auf Importe angewiesen. So betrug die Importmenge 2024 etwa 121.000 Tonnen.
  • Spanien, Griechenland und die Niederlande stellen dabei die wichtigsten Lieferländer für Erdbeeren dar.

Bewusst genießen

Von der Lausitz bis ins Oderbruch, vom Havelland bis in die Uckermark - Brandenburg ist keineswegs die kulinarische Wüste, als die das Land oft geschmäht wird.

Zum Podcast