Einkaufen in Polen
: Preise steigen in Brody und Gubin – Sparfüchse stehen vor Zäsur

ReportageDas Einsparpotenzial beim Einkaufen in Polen schmilzt. Menschen mit kleinem Geldbeutel kaufen auch jenseits der Neiße inzwischen viel bewusster ein. Was lohnt sich noch? Und was ändert sich für Einkaufstouristen jetzt?
Von
Angela Hanschke
Forst/Guben
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Bei regionale Produkten, vor allem bei Fleisch- und Wurtswaren, können deutsche Kunden in Polen sparen.

Angela Hanschke
  • Einkaufen in Polen wird teurer, der Euro hat an Wert verloren (Wechselkurs ca. 1:4,3).
  • Regionale Produkte wie Fleisch, Wurst und Käse bleiben günstiger als in Deutschland.
  • Obst, Gemüse und Markenwaren erreichen deutsche Preisniveaus – Einkauf lohnt nicht immer.
  • Rabatte mit polnischen Einkaufs-Apps wie „Biedronka“ helfen, Kosten weiter zu senken.
  • Stromausfälle und Sturmschäden erschweren Einkaufstouren – Märkte wie „Dino“ und „Biedronka“ oft voll.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Geringverdiener und Bezieher kleiner Renten kaufen angesichts gestiegener Preise auch in Polen noch bedachtsamer ein. Das zeigt der Blick in die Einkaufstaschen von Bürgern aus Forst und aus dem Amt Döbern-Land, die sich nach Brody und Gubin aufgemacht haben – zu einer Shoppingtour mit Hindernissen. Nur mal kurz im kleinen „Dino“ in Brody einkaufen, das ist begleitet von Sturmtief Zoltan zum Abenteuer geworden.

In den Einkaufsmärkten herrscht Hochbetrieb dies- und jenseits der Lausitzer Neiße. Die Jagd nach günstigen Lebensmitteln der deutschen Kunden ist inzwischen mehr als nur ein Volkssport um Schnäppchen.

Das günstigere Geld und das Ende des Steuervorteils

Unentbehrliches Hilfsmittel für jeden deutschen Kunden: der Taschenrechner. Wer in der Landeswährung Zloty zahlt, zahlt jetzt drauf. Der Wert des Euro ist gesunken. In den Wechselstuben beträgt das Verhältnis beider Währungen 1:4,3. Die Mehrwertsteuer, in Polen vor knapp zwei Jahren bei den meisten Lebensmitteln von fünf auf null Prozent gesenkt, gilt noch bis zum Jahresende. Selbst wer in Deutschland konsequent Sonderangebote einkauft, kann die Preise in Polen – zum Beispiel bei Butter – kaum toppen. Besonders deutsche Markenware ist deutlich teurer.

  • Beliebt bei deutschen Kunden in Gubin: der Einkaufsmarkt Biedronka.

    Beliebt bei deutschen Kunden in Gubin: der Einkaufsmarkt Biedronka.

    Angela Hanschke
  • Der "Dino"-Einkaufsmarkt in Brody wird von deutschen Kunden gern angesteuert.

    Der "Dino"-Einkaufsmarkt in Brody wird von deutschen Kunden gern angesteuert.

    Angela Hanschke
  • Polnische Produkte auf dem Kassenband im Biedronka in Gubin.

    Polnische Produkte auf dem Kassenband im Biedronka in Gubin.

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Sorgsam haben die älteren Kunden im „Dino“ ausgewählt. „Obst und Gemüse haben hier Preise wie bei uns erreicht. Der Kauf lohnt gar nicht“, stellt eine Forsterin fest. Sie verzichtet. Dafür werden Brötchen und Brot sowie Milch als Sonderaktion zum Liter-Preis von 78 Cent in den Einkaufswagen geladen. Lohnend ist auch der Kauf von Fleisch- und Wurstwaren, von Schinken und Speck aus der Kühltheke. Selbst die Wurstsorte Krakowska, die inzwischen auch deutsche Märkte im Angebot haben, ist im Herstellungsland nochmals geringfügig billiger. Generell gilt das für einheimische Waren, darunter auch Käse, der in Top-Qualität angeboten wird.

Das sind regionale Renner beim Einkauf in Polen

Doch nicht nur das Preis-Leistungs-Verhältnis ist ausschlaggebend für das Kaufverhalten der Deutschen. Wer neugierig auf den Geschmack der polnischen Küche ist oder bereits Lieblingserzeugnisse gefunden hat, legt Wert auf Regionales aus dem Nachbarland. Und so landet auch ein hübsches Keramiktöpfchen, gefüllt mit „Smalec Staropolski“-Schmalz nach altpolnischer Art im Einkaufswagen. Und auch die Matjesmakrele, herzhaft mit Gewürzen und Cranberry ist lecker und preiswert.

Doch kurz vor der Kasse bremst Sturmtief Zoltan die Einkaufstouristen aus: Stromausfall. Die freundlichen Verkäuferinnen entschuldigen sich und sortieren die Waren wieder zurück in die Regale. Im „Dino“ geht plötzlich nichts mehr. Die Kunden treten die Heimfahrt an. Im Ortsteil Marianka werden sie jäh gestoppt. Hier gibt es einen Mega-Stau wegen eines Unfalls. Die Straße zur Grenze ist dicht. Einige deutsche Autofahrer drehen wieder um – und können im wieder mit Strom versorgten Markt den Rundgang und den Großeinkauf wiederholen.

Rabatt mit polnischer Einkaufs-App

Die Schnäppchenjäger haben günstig in Brody getankt. Die Preise an der Zapfsäule bei Dan-Pol sind noch einmal rund zehn Prozent billiger als direkt an der Grenze – vorausgesetzt, es wird in der Landeswährung Zloty bezahlt. Auf der Heimreise über Gubin werden die ebenfalls im Dunkel liegenden Ortsteile Datyn und Kolo passiert. Der Sturm hat Bäume umstürzen lassen und Astwerk auf der Straße verteilt. Der Einkaufsmarkt „Biedronka“ ist aber offen. Auch hier ist die vorweihnachtliche Rabattschlacht in vollem Gang. Überall werben orangefarbene Preisschilder mit Reduzierungen und „Supercena“ – Superpreisen.

Das Einsparpotenzial beim Einkaufen in Polen ist in den vergangenen Monaten aber deutlich geschrumpft. Erfahrene deutsche Kunden haben jedoch vor dem Zahlen noch schnell ihre „Biedronka-App“ aktiviert. So kann noch einmal bei Waren in der Werbung zusätzlich gespart werden – insgesamt 29 Zloty (6,74 Euro zum Tageskurs) macht das bei der Kundin aus Forst aus.

In Polen haben viele Märkte auch sonntags geöffnet. In Brody und Gubin aber nicht.