Die Bilder erinnern an den Montag vor einer Woche. Ein Großaufgebot der Polizei steht in der Amtstraße in Forst – vor eben jenem Haus, in dem die beiden Toten gefunden wurden, deren Identität laut Angaben der Staatsanwaltschaft nun geklärt ist.

Diesmal allerdings geht es nicht direkt um den Todesfall. Vielmehr ist die Bereitschaftspolizei angerückt, um im Auftrag der Kripo und der Staatsanwaltschaft die Cannabisplantage in dem Gebäude auszuheben. Ein Container steht vor dem Tor des Nebengebäudes, ein olivgrüner Laster der Polizei parkt davor. Am Straßenrand sind weitere Transporter und Versorgungsfahrzeuge aufgereiht. Sogar einen Lichtmast-Wagen mit Stromversorgung haben die Polizisten dabei, um bei Bedarf Licht in die abgedunkelten Räume zu bringen.

Metallgegenstände werden auf den Container geworfen. Ansonsten ist die Lage von außen ruhig. Absperrband verhindert weiter, dass sich Neugierige dem Gebäude nähern.

20 Kilogramm Marihuana

Zwar sind es nach wie vor nur unbestätigte Meldungen, die den Mordfall von Forst mit der Balkan-Mafia in Verbindung bringen. Zumindest das Vorhandensein der „professionell betriebenen Cannabisplantage“ hat die Staatsanwaltschaft am Montag aber bestätigt. „Eine Ernte mit mehr als 20 Kilogramm Marihuana war in der Bearbeitung“, heißt es in der offiziellen Verlautbarung.

Marktwert von 200 000 Euro

Allein diese Menge kann auf einen Wert von rund 200 000 Euro veranschlagt werden. Vermutlich war die Ware für den Berliner Raum bestimmt. Anwohner hatten in den Wochen vor der Bluttat mehrfach Autos mit Berliner Nummernschild im Umfeld des Hauses beobachtet. Männer in Kapuzenjacken seien ein- und ausgegangen.

Beispiele aus Luckau und Falkenberg

Dass sich Dealer in Wohnungen einmieten und diese zu Plantagen umbauen, ist nicht ungewöhnlich. 2017 hatte die Polizei binnen weniger Wochen zwei größere Plantagen in Luckau und Falkenberg entdeckt. Die Spur nach Luckau hatten Ermittler nach einer Festnahme in Berlin gefunden. „In einem Einfamilienhaus in Luckau wurde eine Cannabisplantage entdeckt, welche der verdächtigten Gruppe zugeordnet werden konnte", erklärte Heidi Vogt, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums in Berlin, damals. Gefunden wurden 174 Pflanzen und 120 Setzlinge.

In Falkenberg waren Polizisten auf dem Gelände der ehemaligen Post auf die professionelle Aufzuchtanlage gestoßen. Dazu gehörten laut Polizei mehr als 300 Hochleistungslampen, etwa 30 Ventilatoren und Filteranlagen, Sicherungs- sowie Schaltkästen und mehr als 20 Tonnen Pflanzerde – mehr als 500 Säcke. Laut Polizeiangaben hatte die Plantage einen Gesamtwert von etwa 50 000 Euro. Für den Abtransport wurden drei Lkw benötigt, teilte die Polizei damals mit. Daran lässt sich erahnen, wie groß der Aufwand in Forst sein wird, um das Gebäude zu beräumen.

Deutlich mehr Drogendelikte

Dass die Wahl der Dealer diesmal auf Forst fiel, kann reiner Zufall sein. Dass Cannabis aber auch auf dem Brandenburger Drogenmarkt eine steigende Rolle spielt, lässt sich nicht von der Hand weisen. Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Drogendelikte in Brandenburg deutlich um rund 13 Prozent gestiegen – eine Tatsache, die sich nicht allein mit gestiegenem Ermittlungsdruck der Polizei erklären lässt.

Fast die Hälfte aller Drogendelikte im Land hatte 2018 mit Cannabis zu tun. Der Anstieg in diesem Bereich fiel, was illegalen Handel und Besitz anbetraf, mit 24 Prozent besonders deutlich aus.

Killer verhindert die Ernte

Einfahren konnten die Dealer von Forst ihre Beute augenscheinlich nicht mehr. Als sie zur Ernte in der vergangenen Woche anrückten, fielen die tödlichen Schüsse. Ob es ein „Auftragsmord“ oder ein Bandenkrieg innerhalb der sogenannten Kotor-Mafia war, wie Medien aus Montenegro berichten, müssen nun die weiteren Ermittlungen der Kripo klären. Die Mordkommission ist in den vergangenen Tagen noch einmal verstärkt worden, um die Fülle an Informationen am Tatort zu verarbeiten.

Die Identität der Toten sei mittlerweile bestätigt, weitere Informationen zu den Ermittlungen – und zu den möglichen Mafiaverbindungen – will die Staatsanwaltschaft aber weiterhin nicht geben, „aus ermittlungstaktischen Gründen und zum Schutz der Angegriffenen“.

Fahndung nach Auto geht weiter

Weiterhin wird zudem nach dem möglichen Flucht- oder Täterfahrzeug gefahndet. Wer am Montag, 13. Mai, in der Zeit zwischen 3 und 6 Uhr ein helles, mit mehreren Personen besetztes Auto neueren Typs auf der L49 in Richtung Cottbus oder auf der Autobahn 15 Richtung Berlin gesehen hat, soll sich umgehend bei der Polizei melden.

Bildergalerie Einsatzkräfte der Polizei, Feuerwehr und Katastrophenschutz waren vor Ort, als eine Evakuierung von 116 Anwohnern angeordnet wurde. Sie mussten ihre Häuser verlassen, weil die Polizei zwei verdächtige Pkw nach Sprengstoff untersuchen wollte. Die Anwohner kamen bei Verwandten oder in einer nahegelegenen Turnhalle unter.

Forst/Berlin

Cottbus