Eine kleine grüne Kugel bekommen die Teilnehmer der Naturschutztagung des Landkreises Spree-Neiße in Drachhausen mit ihren Unterlagen überreicht. Das Geheimnis um den Inhalt lüftet Doris Holtz, Umwelt-Fachbereichsleiterin in der Kreisverwaltung, gleich zu Beginn der Tagung. In der Kugel befinde tsich ein zusammengefalteter Regen-Poncho. „Als gutes Omen dafür, dass es im nächsten Jahr einfach mal wieder mehr regnen soll“, erklärt sie.

Bewässerung blieb ohne Erfolg

Wie sehr die Region die Niederschläge benötigt, zeigt der Bericht des Umwelt-Beigeordneten Olaf Lalk (CDU). „Der Zustand mancher Alleen ist dramatisch“.

Viele Alleen, gerade auch die, die ihr Lebensalter erreicht hätten, seien nicht mehr zu retten gewesen. Pflegemaßnahmen hätten dort keinen Erfolg mehr gebracht. „Bewässerungsmaßnahmen sind nicht immer erfolgreich gewesen“, so Lalk.

Auch gerade erst angelegte neue Alleen haben den Sommer nicht überstanden. Als Beispiel nennt Lalk die Bundesstraße 169. Zwischen Drebkau und Leuthen waren erst im Winter als Ersatz Hain-Buchen, Rot-Buchen, Silber-Linden, Feld-Ulmen und Rot-Eichen gepflanzt worden. „Noch im Februar waren wir sehr stolz, dass wir dieses Vorhaben umsetzen konnten“, sagt der Umweltdezernent. Im August dann die Nachricht: Mehrere Dutzend Jungbäume sind nicht mehr zu retten.

„Meinen tiefsten Respekt haben die Unternehmen, die sich diesen Aufgaben widmen. Denn sie müssen diese Ausfälle auch wieder ausgleichen“, so Lalk. „Das ist im Moment ein sehr schwieriges Geschäft.“

Baumschauen bringen Ernüchterung

Ernüchternd sei auch das Ergebnis der Baumschauen in diesem Jahr gewesen. An sieben Bundes- und Landstraßen sowie an vier Kreisstraßen sind die Bäume laut Lalk einer genauen Untersuchung unterzogen worden. Das Ergebnis für den Bereich Spreewald/Spree-Neiße: 586 Bäume sind gekennzeichnet worden. 66 davon sind möglicherweise durch die Entnahme von Totholz noch zu retten. Der Rest müsse gefällt werden. Besonders unter der Trockenheit gelitten habe die Birke. „Das sieht jeder, der aufmerksam durch die Gegend fährt.“

Der zweite trockene Sommer in Folge hat die Natur auch an anderer Stelle hart getroffen. „Eigentliche Extrembilder sind keine Extrembilder mehr“, betonte Lalk und zeigte das Foto eines ausgetrockneten Flussbettes. Wichtigen Arten wie der Flussmuschel sei mit teils extrem sinkenden Wasserspiegeln der Lebensraum entzogen worden. „Sollte sich das so fortsetzen, ist das kein gutes Umfeld für die geschützten Arten“, so der Umwelt-Dezernent. In der Neiße bei Guben seien glücklicherweise noch umfangreiche Muschelbestände vorgefunden worden. Lalk: „Darüber sind wir sehr froh.“

Lalk spricht auf der Naturschutztagung auch über die bevorstehenden Herausforderungen. Dazu gehöre die Verdichtung des Netzes der Mobilfunkmasten im ländlichen Raum. Ziel sei es, den Anforderungen der Mobilfunknutzer gerecht zu werden und dabei das Landschaftsbild im Auge zu behalten, wenn es darum geht, die Funklöcher im Landkreis Spree-Neiße zu beseitigen. Rund 50 000 Euro würden von den Mobilfunkbetreibern an den Naturschutzfonds Brandenburg abgeführt.

Auch die Installation von trassenbegleitenden Photovoltaikanlagen an Autobahnen und Bahntrassen gehöre zu den Herausforderungen. „Die Anfragen dafür werden nicht weniger“, verriet der Umweltbeigeordnete.

Die Entschlammung der Vorsperre in Bühlow – dort wird der Eisenhydroxidschlamm aus den Absatzbecken der Talsperre Spremberg beräumt – werden fortgeführt. Schutzgebiete wie die Insel des Gräbendorfer Sees stehen weiterhin unter besonderer Beobachtung.

Als die Schwerpunkte der künftigen Arbeit benannt sind und die Naturschutztagung ihre Mittagspause einlegt, hat sich zumindest der Wunsch von Doris Holtz bereits erfüllt: Es regnet.

Neue Naturschutzhelfer


Im Rahmen der Naturschutztagung des Landkreises Spree-Neiße sind zwei neue ehrenamtliche Naturschutzhelfer berufen worden. So nahm Edwin Majaura aus den Händen von Umweltdezernent Olaf Lalk seine Ernennungsurkunde entgegen. Christian Grauer konnte an diesem Tag an der Veranstaltung nicht teilnehmen. Zurzeit sind beim Landkreis Spree-Neiße 41 ehrenamtliche Naturschutzhelfer mit einem gültigen Dienstausweis ausgerüstet. Die Zahl ist in den letzten Jahren konstant. Naturschutz sei ohne das Ehrenamt nicht denkbar, würdigte Lalk das Engagement der vielen Helfer im Landkreis.