(dsf) „Es war nicht unser Ziel, den Staat zu stürzen“, sagt Pfarrer Christoph Polster. Er ist am Mittwochmittag von Cottbus nach Forst gekommen, um Schülern des Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymansiums über die DDR zu berichten. Und über deren Ende. Polster kann viel erzählen. Immerhin hat er in Cottbus eine große Rolle gespielt, als der Staat zu Ende ging.

Zu der Zeit, als Polster einen kurzen Film über die letzten Monate der DDR zeigt, haben die Schüler bereits einen ganzen Tag „Zeitreise“ hinter sich. Nach einem Seminar ging es auf Spurensuche durch Forst – wo zeigen sich noch Anhaltspunkte der DDR-Geschichte von Forst? Als Polster sich zu den Schülern gesellt, ist der Wissensdurst noch da.

„Hätten Sie sich irgendwann träumen lassen, dass Sie einmal über die DDR in einem vereinigten Deutschland berichten?“, will einer der Schüler wissen. Erst ganz zum Schluss sei klar gewesen, sagt Polster, dass es so mit dem Staat nicht weitergehen konnte. Einen Fluchtversuch gab es von ihm nie, eine Haft auch nicht. Polster war Teil der Cottbuser Umweltgruppe, eine Vereinigung, die sich in erster Linie um den Umweltschutz, dann aber auch um politische Fragen zu Ost- und Westdeutschland gekümmert hat. Als Pfarrer, sagt Polster, habe er eine gewisse Schutzposition gehabt. Immerhin – sein Arbeitgeber hätte ihn nicht einfach wegen seiner politischen Ansichten gekündigt. Die übrigen Mitglieder der Umweltgruppe hätten mehr Angst haben müssen.

Lange habe er es nach dem Mauerfall nicht geschafft, nach Berlin zu fahren, sagt Polster auf die Frage, wo er beim Mauerfall gewesen sei. Dass die Mauer, an der er lange gelebt habe, plötzlich weg sei – das, so sein Gefühl – hätte er damals noch nicht verkraften können.

Polster kümmert sich derzeit gemeinsam mit anderen Mitstreitern in Cottbus um die Aufarbeitung der SED-Diktatur. Das, betont er, wolle er mit jungen Menschen gemeinsam machen, wirft etwa die Idee eines Geocachings zum Thema in den Raum. „War spannend“, sagt am Ende einer der Schüler, und das wirkt nicht nur höflich, sondern ehrlich.