Für zwei, maximal drei Wochen reichen die Vorräte an Atemschutzmasken noch in der Forster Lausitz-Klinik. Die Hoffnung auf Nachschub hat sich für Klinik-Geschäftsführer Hans-Ulrich Schmidt nicht erfüllt. Von der Großbestellung der Bundesregierung ist in Forst nichts angekommen, berichtet er.

„Die im Land Brandenburg zu verteilende Menge an Schutzkleidung wurde an sechs Schwerpunktkrankenhäuser verteilt“, bestätigt Spree-Neiße-Sprecher Matthias Händler. „Im Landkreis Spree-Neiße erhielt keine Einrichtung eine Zuweisung. Die Verteilung selbst wurde durch das Land vorgenommen.“

Die Lausitz-Klinik Forst sorgt jetzt alternativ vor

Schmidt hat deshalb kurzerhand reagiert und bei einem privaten Nähgeschäft einen Auftrag ausgelöst. 1000 Stoffmasken werden da jetzt produziert. „Einfacher Schutz ohne Filter, nur mit Stoff“, sagt Schmidt. „Doch das ist mir lieber, als wenn ich irgendwann überhaupt keine Masken mehr habe.“

Mundschutz für Fahrradfahrer und Motorradfahrer wird seit Jahren bei Cristalica in Döbern (Spree-Neiße) produziert, erklärt Geschäftsführer Lutz Stache. Jetzt hat das Unternehmen auf den Bedarf reagiert und auch Schutzmasken ins Programm aufgenommen. „Wir verwenden aktuell einen besonders dicken Stoff, um so viel wie möglich Teile aus der Luft zurück zu halten“, erklärt Stache. „Eine Schutzmaske mit Kohlefilter ist es natürlich nicht, das sollte allen klar sein“, ergänzt er. Nach einer Rundschau-Nachfrage ist inzwischen im Online-Shop auch ein deutlicher Hinweis darauf zu finden, dass ein Coronavirus-Schutz nur mit zertifizierter Ausrüstung gegeben ist. Vor der Kennzeichnung hatte das Unternehmen unter anderem in einem Newsletter damit geworben, dass die Masken vor Staub, Partikel in der Luft, Pollen usw. schützen. Lediglich der Hinweis, dass die Masken ohne Filtereinlage seien, war ein Indiz dafür, dass die Wirkung im Vergleich zu Produkten mit Schutzklassen deutlich eingeschränkt ist.

Weiteres Unternehmen reagiert auf Masken-Nachfrage

Ein 100-prozentiger Schutz vor Coronaviren sei nur durch Schutzmasken mit Kohlefilter oder sonstigen aktiven Filtern möglich, erklärt Stache. „Auf Kundenanfrage werden wir auch den Stoff doppelt verwenden, um noch mehr Partikel aus der Luft zurückzuhalten“, ergänzt er.

Die von seinem Unternehmen produzierten Masken seien im Wesentlichen dazu geeignet, die eigene Luft nicht auf andere Personen zu übertragen. „Wir produzieren diese Artikel, nachdem uns Kunden gefragt haben, ob wir das machen würden, weil es keinen Mundschutz mehr in der Art aus China gibt“, so Stache.

Weil Mundschutz-Masken auch im Elbe-Elster-Kreis Mangelware sind, setzt der Landkreis dort auf die Hilfe von Hobbynähern aus der Region. Diese organisiert ein Herzberger Stoffgeschäft. Das Echo auf den Aufruf ist riesengroß.

Elbe-Elster-Landrat freut sich über Resonanz

Elbe-Elster-Landrat Christian Heinrich-Jaschinski (CDU), der auf die Idee gekommen war, dem Mundschutz-Masken-Engpass mit regionalen Möglichkeiten entgegenzusteuern, freut sich über die Resonanz auf den Aufruf der Herzberger Firma „Schnuckidu“. Unter dem Hashtag #stayathome baten die „Schnuckidus“ um die Mithilfe beim Nähen von Mund-Nase-Schutze. Die Reaktionen diese Bitte waren überwältigend. Die Inhaberin konnte binnen kurzer Zeit vermelden, dass sich genug Helferinnen und Helfer gemeldet haben. Das Ziel, 500 Masken bereitzustellen, rückt in greifbare Nähe.

„Gerade in Zeiten einer Krise sind solche positiven Aktionen immer gut für die Motivation“, sagt Landrat Christian Heinrich-Jaschinski, der die Idee für diese Nähaktion in den Verwaltungsstab des Landkreises einbrachte. Dort entschied man sich kurzerhand, den entsprechenden Auftrag auszulösen.

Schutzmasken dienen den eigenen Mitarbeitern

In erster Linie sollen die Masken den eigenen Mitarbeitern - ausgewählten, die im besonderen Bürgerkontakt stehen, und nur für diese - dienen, zum Beispiel um einen Fremd-Spuckschutz und Behelfsschutz zu haben, heißt es aus der Kreisverwaltung.

Die Maskenproduktionsidee sei übrigens auch von anderen öffentlichen Einrichtungen (zum Beispiel der Stadt Essen) übernommen worden, informiert Kreis-Sprecher Thorsten Hoffgaard. Er lässt weiter wissen: Für die Hobbyproduktionen gebe es extra entsprechende Vorgaben insbesondere an zu verarbeitenden Stoffe und Ausführungen, die in Abstimmung mit medizinischen Einrichtungen zukünftig noch verbessert werden sollen, um den Behelfsschutz soweit wie möglich zu gewährleisten.

Schutzmasken-Nähstube in Neuhausen eröffnet

Sechs Erzieherinnen in Neuhausen/Spree sitzen im Homeoffice an der Nähmaschine. „Unsere Betttücher sind zerschnitten“, erklärt Dieter Perko. Auch der Vorratsstapel großer Herrentaschentücher schrumpfte in manchem Schrank. Das sind alles neue oder nie benutzte Stoffe von Spendern aus der Gemeinde, so Horterzieherin Andrea Penitzka. „Auf einigen kleben noch D- und Ost-Mark Preise“, sagt sie.

Als Bürgermeister Perko in der Corona-Telefonkonferenz mit dem Landrat erklärt bekam, dass aufgrund der Lieferengpässe die Kommunen nicht mit einer Mundschutzlieferung vom Landkreis rechnen können, suchte er im Internet Nähanleitungen. Sechs Erzieherinnen im Homeoffice aus dem Hort Laubsdorf und den Kitas Komptendorf und Kahsel sitzen nun an der Nähmaschine. Mit Metallstreifen, Hutgummi und Bügeleisen.

„Jeden Tag geht es schneller. Am Montag habe ich 13 Masken genäht, am Dienstag 20. Gleich nach dem Frühstück fange ich an“, sagt Andrea Penitzka. Das eingenähte Metallband hilft, die Maske an die Nase anzupassen. Flink legt sie die Falten und bügelt sie heiß glatt. Der Hutgummi wird hinter die Ohren geklemmt. Der Bauwollstoff lässt sich heiß waschen. Auch Einmal-Schutze aus Servietten und Küchenpapier fertigen einige Näherinnen.

Mundschutz auch für Kindereinrichtungen

Der Mundschutz hilft nur bedingt und muss regelmäßig gewechselt werden. Aber er fängt Tröpfchen des Trägers auf und verhindert, dass man sich mit den Händen direkt an Mund oder Nase fasst, wenn es dort krabbelt. „Noch ist der Mundschutz nicht Pflicht, aber ich möchte ihn meinen Mitarbeitern in der Verwaltung empfehlen“, sagt Perko.

Auch in der Kita sei er wichtig. Vier Kinder besuchen das Kahseler „Kinderhaus der Parkspatzen“ in der Notbetreuung. Sie warten diszipliniert an einer Linie, als ihre Erzieherin die Mundschutze entgegennimmt. Sie finden es lustig, mal von Weitem zu grüßen, sie winken, geben neckische Zeichen.

Ganze 250 Mundschutze sind am 25. März in Neuhausen/Spree einsatzbereit. „Auch die Feuerwehr könnten wir unterstützen“, sagt Dieter Perko.

Nähanleitung für Schutzmasken steht im Internet

Wer solche Mund-Nase-Schutze selber machen will, findet ein Schnittmuster auf der Website der Herzberger Firma (https://www.schnuckidu.com). Das steht auch allen Hobbynäherinnen und Hobbynähern zur Verfügung, berichtet Geschäftsführerin Mandy Berger, die die fleißigen Helfer zudem mit den zu verwendenden Stoffen und weiterem Nähzubehör ausgestattet hat.

In den sozialen Netzwerken entwickelt sich darüber hinaus ein reger Austausch von Freizeitschneiderinnen und -schneidern, in dem über Stoffqualitäten und Schnittmuster gefachsimpelt wird und Neueinsteigern alle Fragen beantwortet werden.

Früher als andere hat Dirk Ladenberger den zunehmenden Bedarf an Schutztextilien für Mund und Nase erkannt. „Bereits vor drei Wochen, als es noch gar keine Nachfrage danach gab, habe ich anhand eines Einwegproduktes einen solchen Mundschutz aus Baumwolle kreiert“, erklärt der Geschäftsführer der Damino GmbH mit Sitz in Großschönau (Landkreis Görlitz). Wenige Tage später erreichte ihn über den Verband der Textilwirtschaft eine Anfrage nach solchen Masken, kurz darauf saß Dirk Ladenberger bei einer Krisensitzung mit dem dortigen Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann im nordrhein-westfälischen Landtag.

Massenhaft Anfragen für Masken aus Großschönau

„Bei der sich ständig ändernden Corona-Lage stiegen dann aufgrund mangelnder Versorgung mit Einwegmasken die Anfragen nach wiederverwend- und waschbaren Baumwollmasken“, blickt der Geschäftsführer zurück. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits „auf Verdacht“ einen kleinen Vorrat anfertigen lassen.

Als danach ein Süßwarenhersteller aus der Region 1000 Masken für seine Mitarbeiter bestellte, sprach sich dies schnell in der Umgebung herum. Die Telefone standen bald nicht mehr still: „Die Anfragen kamen aus allen Branchen: Krankenhäuser, Ärzte, Gemeinden, Apotheken, Industrieunternehmen, Alten-und Pflegeheime, Pflegedienste und viele mehr interessierten sich dafür.“ Dabei handelte und handelt es sich vorwiegend um regionale Institutionen, aber auch Anfragen aus anderen Bundesländern, Österreich und der Schweiz liegen vor.

Mittlerweile produziert Damino die Masken mit zehn bis zwölf Näherinnen, auch das Tochterwerk in der Tschechischen Republik konfektioniert dieses Produkt. „Derzeit haben wir eine Wochenproduktion von rund 30 000 Teilen, leider ist diese Menge nicht genug, um die starke Nachfrage zu bedienen. Ich habe in Deutschland noch eine Lohnkonfektion gefunden, die nun auch diese Teile für uns konfektioniert. So gehe ich davon aus, dass wir im Laufe dieser Woche die Kapazität fast verdoppeln können“, berichtet Dirk Ladenberger.

Keine Kompensation für das Hauptgeschäft

Den Ausfall des Hauptgeschäftes kann diese neue Produktion allerdings nur zu einem geringen Teil kompensieren: „Unser Hauptgeschäftsfeld sind Bett- und Tischwäsche für die Hotellerie, Gastronomie, Kreuzfahrt-Gesellschaften und Fluggesellschaften. Dieser Markt ist seit der Schließung der Hotels sowie der Flughäfen zum Erliegen gekommen.“

Derzeit befinden sich laut Dirk Ladenberger 90 von 140 Mitarbeitern der Damino GmbH in Kurzarbeit, die Arbeit der Weberei könne man mit der Produktion von Mund-Nasenschutz-Masken nicht aufrecht erhalten. Die Ausrüstungsabteilung arbeitet noch und bleicht den Grundstoff für die Masken.

Das Nähen daheim ist wieder „in“

Doch auch anderswo in der Region wird fleißig genäht. So hat das Bautzener Nähcafé Lotte, das wie so viele andere Geschäfte derzeit geschlossen bleiben muss, dazu aufgerufen, Mundschutzmasken für die Kinderkrebsstation des Uni-Klinikums Dresden zu nähen. Selbst geht es mit seiner eigenen Nähwerkstatt und mit einer Nähanleitung im Internet (zu finden unter www.facebook.com/naehcafelotte) tatkräftig voran.

Auch der Bautzener Modehersteller e.elle hat seine Produktion weitgehend auf Mundschutz umgestellt, den er über das Internet vertreibt. Und das Klinikum Görlitz geht auf Youtube viral mit einem Video, auf dem der Oberarzt der Notaufnahme, Mark Frank, das Herstellen einer Mundschutzmaske praktisch demonstriert.

Bieten Stoffmasken einen Schutz?


Einfache Stoffmasken dienen vor allem dazu, andere Menschen zu schützen. Für den Eigenschutz sind sie weniger geeignet. Das sagt Christian Drosten, Leiter der Virologie an der Berliner Charité, im NDR-Podast. Deswegen müsse die Maske an der Quelle sein und nicht am Empfänger. Nicht so einleuchtend sei, dass man sich in der Öffentlichkeit mit einer Maske nicht selber schützen könne. Drosten: „Das ist einfach vielleicht ein bisschen schwer zu vermitteln. Aber es gibt einfach in der Literatur entweder keine oder – je nachdem, wie man es interpretieren will – fast keine Evidenz dafür, dass das helfen könnte.“

Eine Atemmaske schützt davor, dass ein Infizierter Gesunde ansteckt – „aber der Schutz vor einer Infektion von außen ist sehr, sehr schlecht damit“, sagt der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie, Bernd Salzberger, der Nachrichtenagentur dpa.

Normalerweise werden Hygienemasken dazu verwendet, damit vom medizinischen Personal im Operationssaal keine Tröpfchen auf Patienten übergehen. Wirklich schützen gegen den Virus könnten nur richtige Atemschutzmasken mit eingebautem Filter. Für den Alltag seien die aber „unsinnig“, so Salzberger.