Der Weihnachtsmann lebt in einer ruhigen Ecke von Forst in einem Mehrfamilienhaus. Die Umgebung wirkt friedlich und gepflegt. Sein Alltag unterscheidet sich nicht wesentlich von dem anderer Menschen: Er hat einen Hund, meldet Sperrmüll an und bekommt Besuch von den Zeugen Jehovas.

Die Arbeitskleidung ist Handarbeit

Trotzdem merkt man sofort, dass hier jemand lebt, der großen Wert auf Weihnachten legt. Und zwar abseits des Kommerzes: Die gut einen Meter große Weihnachtspyramide in der Wohnzimmerecke ist selbst gemacht. Holzarbeiten sind sein großes Hobby. Am Wohnzimmerschrank hängt seine Arbeitskleidung über einem Bügel. Auch die ist Handarbeit. Ein Freundschaftsdienst. Nur der Pflegehinweis stimmte nicht ganz: Die weißen Ärmelaufschläge sind jetzt ein wenig rosa. Den Kindern ist das egal.

Der Weihnachtsmann kommt sogar Heiligfrüh

„Du hast die Statur dazu, Weihnachtsmann zu sein“, war der Satz, mit dem vor drei Jahren alles angefangen hat. Ein Freund bat Gundolf Fiehler, am Heiligabend als Weihnachtsmann auszuhelfen. „Ich dachte mir, wenn dann richtig“, sagt der 53-jährige. Er schaltete eine Anzeige auf Facebook und war bald ausgebucht. Mittlerweile braucht er das soziale Netzwerk nicht mehr. Die Eltern wissen, wie sie den Weihnachtsmann erreichen können. In diesem Jahr erscheint Fiehler am 24. Dezember erstmals auch „Heiligfrüh“, wie er es nennt. Das bedeutet: Vor dem Mittagessen. Die Top-Termine direkt nach der Kirche sind schon lange weg.

„Das Schöne ist: Man sieht frisch geschmückte Wohnzimmer, gut gelaunte Menschen“, sagt Gundolf Fiehler. Er ist Weihnachtsmann, weil er Freude bringen möchte und Spaß. Weil ihm Kinder am Herzen liegen und auch, weil es ihn selbst erfreut. Ein pragmatischer Grund: Als Junggeselle und Rentner hat er auch die notwendige Zeit.

So läuft der Weihnachtsabend

Gundolf Fiehler verfolgt kein festes Programm. Er sagt kein Gedicht auf, schwingt keine Rute. Jedes Kind und damit jede Bescherung ist anders. Manche zeigen ihm das extra aufgeräumte Kinderzimmer oder spielen auf dem Klavier vor. Andere haben einfach Angst vor einem fremden Mann mit weißem Bart.

Gundolf Fiehler bespricht im Vorfeld mit den Eltern, worauf er sich einzustellen hat. Ob zusammen gesungen werden soll oder die Kinder etwas angestellt haben, das Erwähnung finden muss. Weil er kein Auto hat, bittet er einen Elternteil, ihn zum nächsten Termin zu fahren. Der hilft dem Weihnachtsmann gerne. Und nicht nur aus Zeitgründen ist es ihm wichtig, gefahren zu werden: Sein Kostüm ist zwar aus Fleece-Stoff geschneidert, aber trotzdem nicht besonders warm.

Weihnachtsmann durch den Klimawandel bedroht

„Ich bin kein Weihnachtsmann der sich Respekt verschafft“, betont Fiehler. Sein Ziel ist es, sich mit den Kindern auf Augenhöhe zu begeben und ihre Sprache zu sprechen. Auch, wenn das nicht jedem angemessen erscheint, bei den Kindern kommt es an. In diesem Jahr hat er sich eine spezielle Botschaft für die Kinder ausgedacht: Nicht nur der Eisbär sei durch den Klimawandel in Gefahr, sondern auch der Weihnachtsmann. Zukünftig würde der nicht mehr mit dem Schlitten, sondern dem Schiff anreisen. Das nähme viel mehr Zeit in Anspruch. Dem Forster Weihnachtsmann ist das Thema wichtig. „Auch wenn das vielen Eltern nicht gefallen wird“, sagt Fiehler.

Soziales Engagement ist dem Weihnachtsmann wichtig

Ob als Weihnachtsmann oder nicht, Gundolf Fiehler ist soziales Engagement wichtig: Er betreut Hortkinder in der Holzwerkstatt und Senioren im Pflegeheim. Auch hier tritt er gerne als Weihnachtsmann auf. Für Gundolf Fiehler ist Weihnachten ein Fest für alle Generationen. „An Weihnachten verspricht man sich immer, mehr Zeit füreinander zu haben“, so Fiehler. Besonders freut es ihn, wenn Kinder ihm Geschenke für die Eltern zustecken. „Die haben dann die Botschaft verstanden“, sagt er.

Schwierig wird es, wenn die Eltern einen ungünstigen Rahmen für die Bescherung schaffen. Fiehler mag weder laufenden Fernseher, noch singt er gerne mit dem sprachgesteuerten Echo-Gerät Alexa Weihnachtslieder. Ist die Arbeit getan, freut er sich auf ein Abendbrot mit seiner eigenen Familie.