Von Sven Hering

Es gibt so Tage, da stellen sich Karen Schulze und Andrea Fischer die Sinnfrage. In dieser Woche war es mal wieder soweit. Eine eigentlich gut gemeinte Aktion endete für die Chefin des Forster Tierheimes und ihre Stellvertreterin mit einer ganzen Menge Stress. Die fast schon obligatorischen Beschimpfungen in den sozialen Netzwerken folgten noch als Zugabe.

Alles begann dabei mit einem Anruf, wie ihn das Tierheim regelmäßig bekommt. Die Anruferin hatte in einem kleinen Ort einen frei laufenden Hund gesichtet. Sie könne nicht erklären, wo der Vierbeiner hingehört, schilderte die Frau am Telefon. Jedenfalls rücke ihr der Hund nicht mehr von der Pelle.

Kein Danke vom Hundebesitzer

Andrea Fischer setzte sich in ihr Auto. Da war es kurz nach 20 Uhr. Sie sammelte den kleinen Vierbeiner ein. „Ich habe mich natürlich umgeschaut, aber niemanden auf der Straße gesehen, dem der Hund gehören könnte“, berichtet sie. Im Tierheim habe sie dem vermeintlichen Ausreißer erste einmal etwas zum Fressen gegeben, dann den Chip, den der Hund trug, ausgelesen und die Daten beim Haustierzentralregister Tasso gemeldet. Dort wurde schließlich der Besitzer ausfindig gemacht.

Soweit ein ganz normaler Vorgang, wie ihn die Mitarbeiter des Forster Tierheimes regelmäßig erleben.

Was dann passierte, konnten sie allerdings so nicht erwarten. Denn der Besitzer des Tieres war alles andere denn erfreut. Statt Dankbarkeit hagelte es Vorwürfe, sagt Tierheimchefin Karen Schulze. Der Hund, so habe ihr der Besitzer erklärt, sei nur 200 Meter von Zuhause entfernt unterwegs gewesen. Das tue er regelmäßig und finde auch selbständig wieder nach Hause. Ein Eingreifen sei also nicht notwendig gewesen. Erst nach einigen Diskussionen zahlte der Hundehalter schließlich 25 Euro für den Aufwand, den das Tierheim hatte.

Vor allem Enttäuschung

Auch einige Tage nach diesem Vorfall sind die Tierschützer, die allesamt ehrenamtlich ihren Job machen, noch immer enttäuscht. „Wir opfern unsere Freizeit, setzen uns am späten Abend noch ins Auto, weil uns das Wohl der Tiere am Herzen liegt – und bekommen dann solche Reaktionen“, sagt Karen Schulze.

Doch zum Glück seien das die Ausnahmen. Erst am vergangenen Samstag brachten die Tierheim-Mitarbeiter einen in Forst entlaufenen Hund wieder nach Hause. Die Besitzer hätten sich gefreut, ihren Vierbeiner unversehrt wiederzubekommen – und waren dafür sehr dankbar.

Im sozialen Netzwerk Facebook wird die Aktion mit dem vermeintlichen Ausreißer derweil noch immer heftig diskutiert. Vor allem der dort geäußerte Vorwurf, die Tierheim-Mitarbeiter würden gezielt Hunde einsammeln, um damit die eigene Kasse aufzubessern, ärgert die Forster Ehrenamtler. Doch sie bekommen auch Zuspruch, der ihnen Mut macht, weiter zu arbeiten: „Liebe Tierheimmitarbeiter“, schreibt eine Userin. „Verbucht es bitte einfach unter der Erfahrung: Nicht jeder Mensch ist einsichtig . . . Das sind die negativen Momente. Aber es gibt auch soviele schöne Augenblicke, die diese Erfahrungen einfach überleuchten.“