Bahn fahren in Brandenburg
: Zugverkehr von Forst nach Polen wochenlang unterbrochen

Von Forst verkehrt der RB93 nach Polen. Die Zugverbindung bis nach Żagań ist fast einen Monat unterbrochen. Wie kommt man jetzt zu den polnischen Nachbarn?
Von
Lukas Märkle
Forst
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Von Forst führt die Bahnstrecke über die Neiße nach Zasieki.

Frank Hammerschmidt

Auf den RB46 zwischen Cottbus und Forst ist nicht immer Verlass – das wissen alle Pendler. Doch jetzt entfällt stattdessen die Zugverbindung nach Żagań (Sagan) und Żary (Sorau) in Polen für fast einen Monat. Was ist hier das Problem?

In kleinen Dieselfahrzeugen des polnischen Bahnkonzerns Polregio geht es im Normalfall viermal am Tag von Forst über Zasieki und Żary nach Żagań. Der RB93 verbindet die Städte.

Doch jetzt entfällt die Zugverbindung seit dem 7. August 2023. Und das auch noch für einen längeren Zeitraum. Noch bis zum 1. September 2023 sollen die Züge ausfallen. Stattdessen verkehren, nach Angaben des polnischen Schienenverkehrsunternehmens, Busse als Ersatzverkehr mit denselben Abfahrtszeiten ab Forst.

Schienenersatzverkehr von Forst mit langer Fahrtzeit

Das bedeutet auch eine Verdopplung der Fahrtzeit für alle Reisenden. Regulär benötigt der RB93 knapp über 40 Minuten von Forst nach Żagań. Die Busse des Schienenersatzverkehrs sind, auch weil Unterwegsbahnhöfe erreicht werden müssen, deutlich langsamer unterwegs. Die Fahrtdauer beträgt 1:45 Stunden, wie aus dem Fahrplan von Polregio hervorgeht.

In der Fahrplanauskunft der Deutschen Bahn wird die Ursache für den Ausfall mit einer „Reparatur am Zug“ begründet. Der Zugtyp, der auf der Strecke eingesetzt wird, steht auf polnischer Seite nur in begrenzter Zahl zur Verfügung, sodass wohl nicht auf ein Ausweichfahrzeug zurückgegriffen werden kann. Und das ist nicht der erste Ausfall dieser Art. Bereits Ende Juli entfiel der RB93 für mehrere Tage.

Direktverbindung Cottbus – Żagań ab Dezember 2023

Ab dem nächsten Fahrplanwechsel kommt es zudem zu grundsätzlichen Veränderungen bei der Zugverbindung. Mehrfach am Tag soll dann ein Zug von Cottbus über Forst in die Woiwodschaft Lebus fahren.

„Ab dem Fahrplanwechsel am 10. Dezember 2023 sollen von Montag bis Freitag fünf Zugpaare der Linie RB93 im 3-Stunden-Takt durchgehend zwischen Cottbus Hbf und Żagań verkehren“, hatte VBB-Sprecherin Elke Krokowski bereits im Frühjahr erklärt.

Am Wochenende wird jedoch weiter das aktuelle Angebot aufrechterhalten, mit zwei Zugpaaren, die zwischen Forst und der polnischen Metropole Wrocław (Breslau) verkehren.

Bei den RB93-Verbindungen, die von Cottbus über Forst nach Żagań verkehren, werden ab Dezember dann Triebwagen der DB Regio zum Einsatz kommen und nicht die Fahrzeuge von Polregio. Hierfür würden sich beispielsweise die Dieselzüge - da die Strecke beidseitig nicht elektrifiziert ist - anbieten, die bereits grenzüberschreitend im Rahmen des „Kulturzugs“ zum Einsatz kommen.

Forst wartet auf Elektrifizierung der Zugstrecke

In Forst wartet man schon lange auf die Elektrifizierung der Zugstrecke. Die ist aber noch in weiter Ferne. Lediglich in Sicht: der Planungsstart für die im Strukturstärkungsgesetz festgehaltene Infrastrukturmaßnahme.

Noch in diesem Jahr soll mit der Planung des Projekts begonnen werden, welches 2032 abgeschlossen werden soll. Bei einer Bauzeit von rund drei Jahren wäre der Spatenstich im Jahr 2029 anzusiedeln. Nach Abschluss der Baumaßnahmen könnte dann sogar der RE2 von Berlin bis nach Forst verlängert werden.

Von Forst aus erreicht man mit dem Zug nach Żagań auch den dortigen Schlosspark.

Monika Skolimowska

Das Bund-Länder-Koordinierungsgremium (BLKG) hatte die Maßnahme bereits im April 2021 beschlossen. Damals war für das Projekt eine „voraussichtliche Gesamtsumme“ von 77,6 Millionen Euro angedacht worden, hatte Simone Engler, Sprecherin im brandenburgischen Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung zuletzt erklärt.

Bei der Deutschen Bahn hatte man sich bezüglich des Zeitplans noch sehr zurückhaltend gezeigt. „Für die Elektrifizierung der Strecke Cottbus-Forst bereitet die Deutsche Bahn aktuell die Planung vor“, so ein Bahn-Sprecher. „Aussagen über die Kosten, Baubeginn und Dauer der Arbeiten kann die Deutsche Bahn daher erst treffen, wenn die Planung weiter vorangeschritten sind.“

Polen hat Interesse an Ausbau Forst – Żagań

Auch von polnischer Seite besteht ein Interesse an einem Ausbau der Strecke zwischen Forst und Żagań. In einer Präsentation der Marschallin Elżbieta Polak (Wojewodschaft Lebus/Lubuskie) Ende vergangenen Jahres werden verschiedene Zugverbindungen aufgeführt, die von „besonderer Bedeutung“ für die Region seien. Darunter auch die Strecke Żagań - Żary - Forst.

Das zuständige brandenburgische Ministerium kennt das polnische Interesse. „Das Vorhaben ist dem Land aus regelmäßigen Abstimmungen bekannt“, hatte MIL-Sprecherin Engler Anfang des Jahres erklärt. Das Problem bisher: „Finanzierung und zeitliche Perspektive wurden nach unserer Kenntnis dort bisher noch nicht konkretisiert.“

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Elektrifzierung von Bahnstrecken

Der Bahnstrecke von Cottbus über Forst bis zur polnischen Grenze fehlt die Oberleitung. Ein Mangel, der wohl erst Anfang der 2030er-Jahre behoben werden wird.

Auch bundesweit fehlt der Fahrdraht noch an vielen Zugstrecken. Derzeit sind 62 Prozent des rund 33.500 Kilometer umfassenden bundeseigenen Eisenbahnnetzes elektrifiziert, erklärte eine Sprecherin der Deutschen Bahn zuletzt gegenüber der Tageszeitung „Die Welt“. Die aktuelle Bundesregierung will 75 Prozent der Strecken bis 2030 elektrifizieren. Das würde einen zusätzlichen Oberleitungsbau auf rund 4000 Streckenkilometern erfordern. Der Schienenkonzern plant aktuell aber deutlich weniger: „Bis 2030 elektrifiziert die DB rund 760 Kilometer ihres Bahnnetzes.“

Im laufenden Jahr ist die Zahl der Elektrifizierungsausbau sogar gerade einmal zweistellig. Auf 13 Kilometern bestehender, bisher nicht elektrifizierter Strecken, wird in den Jahren 2023 und 2024, die Neuerrichtung elektrischer Oberleitungen voraussichtlich abgeschlossen werden.