Von Katrin Kunipatz

Aufregung, Verärgerung, Hilflosigkeit – die Mieter in der Waldsiedlung in Groß Schacksdorf treibt seit Montag dieser Woche ein Brief des Spremberger Wasser- und Abwasserzweckverbands (SWAZ) um. Persönlich haben Mitarbeiter des SWAZ die Briefe zugestellt und den Zeitpunkt der Übergabe auf die Minute genau vermerkt. In dem Schreiben mit dem Betreff „Pfändungs- und Einziehungsverfügung“ werden die Mieter aufgefordert, ihre Kaltmiete nicht an ihren Vermieter, sondern an den SWAZ zu überweisen. Binnen zwei Wochen sollen sie gegenüber ihrem Vermieter erklären, dass sie der Aufforderung des SWAZ nachkommen werden. Verfasst ist der Brief im schwer verständlichen Juristendeutsch, was die Verunsicherung bei den Mietern in der Waldsiedlung nur verstärkt.

Eigentümer und Vermieter der Waldsiedlung ist seit Sommer 2016 die Greenblue Modesty Property GmbH in Berlin. Verwalter und alleiniger Ansprechpartner für die Mieter ist die Grand City Property (GCP) ebenfalls in Berlin. Hier befindet sich eine Zweigniederlassung der in Zypern registrierten Gesellschaft. GCP-Pressesprecherin Katrin Petersen zeigt sich gegenüber der RUNDSCHAU verwundert über das Vorgehen des SWAZ. „Die vom SWAZ genannten Forderungen haben wir vollständig ausgeglichen und zwar in der Höhe, wie sie die Objekteigentümerin tatsächlich betreffen“, erklärt sie. Als Reaktion auf das Schreiben des SWAZ verteilt der Objektverwalter am Dienstag an die Mieter der Waldsiedlung ein Informationsschreiben. Darin bedauert Grand City die „aktuellen Umstände“ und verweist auf den Hintergrund des Streits.

Ausgangspunkt ist die marode Kläranlage in der Waldsiedlung und die seit Jahren ungeklärte Abwasserentsorgung in der Waldsiedlung. Zumindest in diesem Punkt stimmen SWAZ und GCP überein. Die zur ehemaligen Armeesiedlung in Groß Schacksdorf gehörende Kläranlage ist marode. Sie muss saniert oder geschlossen werden, fordert die Untere Wasserbehörde des Landkreises seit zehn Jahren. Immer wieder wurde die Betriebserlaubnis per Ausnahmegenehmigung verlängert. Jetzt steht der 31. August 2019 als Termin für die Schließung im Raum.

Unstrittig ist dagegen zwischen SWAZ und Eigentümer, wie in Zukunft das Abwasser der Waldsiedlung entsorgt werden soll. Aus Sicht des SWAZ, der 2013 Abwasserentsorger im Bereich Döbern-Land ist, sei die Sanierung der zentralen Kläranlage die unwirtschaftlichste Lösung, teilt SWAZ-Geschäftsführer Bernd Schmied auf RUNDSCHAU-Nachfrage mit. Im Hinblick auf die wechselnde Mieteranzahl favorisiert der SWAZ eine dezentrale Schmutzwasserentsorgung mit Kleinkläranlagen und Sammelgruben. Es folgten Gerichtsverfahren, die sich über Jahre in mehreren Instanzen fortsetzten. Aus Sicht des Vermieters stehe eine Klärung allerdings noch aus.

Der SWAZ verweist dagegen auf eine entsprechende geänderte Anschluss- und Benutzungsverfügung vom Juli 2017. Außerdem verpflichtet die Untere Wasserbehörde beim Landkreis Spree-Neiße den SWAZ, vom Grundstückseigentümer der Waldsiedlung den Aufbau der dezentralen Abwasserentsorgung zu verlangen. Bisher sei nichts passiert. „Um der Umsetzung Nachdruck zu verleihen, wird ein Zwangsgeld gegen den Vermieter erlassen“, erklärt Verbandsvorsteher Schmied. „Da dieser nicht zahlte, wird dies jetzt durch die Einziehung der Kaltmiete umgesetzt.“

Der Vermieter halte eine dezentrale Abwasserentsorgung nicht für zeitgemäß oder wirtschaftlich, heißt es im Schreiben an die Mieter der Waldsiedlung. GCP-Sprecherin Katrin Petersen verweist auf Gespräche mit dem SWAZ, um den Anschluss der Waldsiedlung an die Kläranlage in Forst zu erreichen. Leider habe es darauf keine Antwort gegeben, so Petersen.

Die vollständige Erklärung des SWAZ ist unter dem Bereich Kundeninformation auf der Internetseite des Verbandes zu finden www.swaz-spremberg.de .