(dbe) Es gibt nur einen, der es geschafft hat, in über fünf Lebensjahrzehnten beinahe 300 Modelle von Flugzeugen, weit über 30 Schiffe und mehr als 60 Flöße, darunter die berühmte Kon-Tiki, mit der der norwegische Forscher Thor Heyerdahl 1947 über den Pazifik segelte, zu bauen. Bernd Tilgner galt als der erfolgreichste Modellbauer der DDR, ausgezeichnet mit Edelmetall bei Welt- und Europameisterschaften. Als er vor zwei Jahren seine große Floßsammlung an das Kon-Tiki-Museum in Oslo verschenkt hat, sollte das nicht die letzte Schlagzeile über den Finsterwalder bleiben. Der heute 66-Jährige macht erneut von sich reden: als Bastler, der Treibholz zu Kunstwerken macht.

„Holz schwimmt überall im Meer, in Seen, in den Flüssen. Das sind Holzteile von abgestürzten Bäumen, aber auch gekenterte Schiffen und Booten, die mitunter sehr lange im Wasser schwimmen. Wasser, aber auch Wind und Reibung insbesondere an Steinen macht skurrile Figuren daraus. Weiches Holz zersetzt sich, hartes Holz wird glatt poliert, lässt Maserung erkennen“, schwärmt Tilgner. Im Urlaub an der Ostsee und am Bodensee, auch vom Rhein hat er Treibholz gesammelt, andere Hölzer aus Neuseeland, aus Lettland, Griechenland, den USA und Kanada, aus Afrika, von allen Kontinenten, außer Asien („hier verstehe ich die Sprachen im Internet nicht“), lässt er sich von dortigen Sammlern schicken – „ich erwarte jetzt eine Lieferung aus Costa Rica“.

Zuhause lässt er die knorrigen Stöcke mit den „verrückten Formen“ zunächst auf sich wirken – bevor er sie mit filigranen Segeln ausstattet, die er in den meisten Fällen, worauf Bernd Tilgner bei all seinen Modellen von je her größten Wert legt, historisch originalgetreu zu einer kompletten Takelage nachbaut – „also Treibholz aus Neuseeland bekommt Segel, wie die Maori sie für ihre Boote verwendet haben“. Das Material sind Leinenstoff oder getrocknete Schilfblätter aus dem Garten. Die Hölzer selbst bleiben naturbelassen und unbearbeitet. Nur schwimmen können seine Boote nicht mehr, sie sind jetzt etwas fürs Auge.

Fast 100 Treibhölzer hat Bernd Tilgner bereits zu Segelbooten gemacht – jedes für sich als Unikat ein Hingucker. Sieben davon hat er im vorigen Jahr bereits bei einer Ausstellung im Hamburger Maritim-Museum zeigen können, wo sie – wegen ihrer Einmaligkeit – eine besondere Attraktion bei den Besuchern waren, wie die Hamburger Morgenpost schrieb. Sein größtes Treibholzboot ist über einen Meter lang, das kleinste nur zwölf Zentimeter kurz – „aber man erkennt am Miniboot vier Gesichter“, zeigt Bernd Tilgner.

Bernd Tilgner wird jetzt erstmals auch in seiner Heimatregion ausstellen. Am Tag des offenen Denkmals am Sonntag wird man die einzigartigen Treibholz-Kunstwerke von 11 bis 18 Uhr auf dem Werenzhainer Atelierhof bewundern können. Bernd Tilgner wird sie den ganzen Tag über persönlich vorstellen.