Sängerstadt-Center Finsterwalde: So liefen die letzten Tage bei Expert Pötzsch

Fast 25 Jahre war Expert Pötzsch im Sängerstadt-Center in Finsterwalde zu Hause. Jetzt ist Schluss. Geschäftsführer Carsten Pötzsch spricht über die Gründe für den Abschied und blickt in die Zukunft.
Kai Roeper- Expert Pötzsch schließt nach fast 25 Jahren die Filiale im Sängerstadt-Center in Finsterwalde.
- Grund ist eine fast doppelte Miete nach Vertragsende, die laut Geschäftsführer nicht tragfähig ist.
- Der Ausverkauf lief gut, die Inventur ist erledigt – die Zukunft am Standort bleibt offen.
- Acht Beschäftigte waren zuletzt dort tätig, eine Versetzung ist nur begrenzt möglich.
- Es wird eine neue Fläche in der Region gesucht, geprüft werden u. a. Optionen in Finsterwalde.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Noch vor wenigen Tagen herrschte bei Expert Pötzsch im Sängerstadt-Center in Finsterwalde reger Betrieb. Fernseher, Waschmaschinen, Staubsauger und Küchengeräte gingen zu reduzierten Preisen über den Ladentisch. Viele Kunden schauten noch einmal vorbei, um ein Schnäppchen zu machen oder sich von dem langjährigen Standort zu verabschieden.
Inzwischen ist der Ausverkauf beendet. Für viele Kunden bedeutete er den sichtbaren Schlusspunkt unter fast 25 Jahre am Standort. Für die Geschäftsführer Carsten und Andreas Pötzsch markiert er hingegen den Beginn einer schwierigen Neuorientierung. Fest steht: Im Sängerstadt-Center wird es für den Elektronikhändler nicht weitergehen. Ob es an anderer Stelle in Finsterwalde einen Neuanfang geben kann, ist offen.
Die Gründe für den Abschied benennt Carsten Pötzsch deutlich. Nach Ablauf des aktuellen Mietvertrages sei fast die doppelte Miete verlangt worden. Das sei wirtschaftlich nicht darstellbar. Nach seiner Rechnung müsste das Unternehmen dafür rund eine Million Euro mehr Umsatz erwirtschaften. In einer Stadt wie Finsterwalde und ihrem Umland sei das nicht realistisch. „Die Kaufkraft ist dafür einfach nicht vorhanden“, sagt er.
Für Expert Pötzsch ist deshalb klar, dass die Zeit an diesem Standort endet, obwohl gerade die Filiale in Finsterwalde zu den umsatzstärksten des Unternehmens zählte. „Finsterwalde war mit Elsterwerda unser stärkstes Pferd im Haus“, berichtet Carsten Pötzsch. Überhaupt blickt Pötzsch mit Wehmut auf den Standort zurück. „Es waren schöne Jahre hier. Im Oktober hätten wir unser 25-jähriges Jubiläum gefeiert“, sagt er.

Der Ausverkauf ist vorbei, die Zukunft offen: Expert Pötzsch verlässt das Sängerstadt-Center – und prüft zugleich neue Perspektiven für Finsterwalde und Umgebung.
Kai RoeperBesonders schmerzlich ist die Schließung auch mit Blick auf das Personal. Acht Mitarbeiter waren zuletzt in Finsterwalde beschäftigt. „Wir können nicht einfach alle acht in den anderen Filialen einsetzen“, sagt Carsten Pötzsch. Das sei schon finanziell kaum möglich. Zudem könnten einzelne Beschäftigte aus rechtlichen Gründen nicht ohne Weiteres versetzt werden. Pötzsch spricht von einer „vernünftigen Mannschaft vor Ort“, die über Jahre zum Erfolg der Filiale beigetragen habe.
Expert Pötzsch sucht weitere Alternativen in Finsterwalde
Die Geschichte des Unternehmens reicht noch viel weiter zurück. Gegründet wurde die Firma 1948 von Opa Alfred Pötzsch. Bis heute ist der Betrieb ein Familienunternehmen geblieben. Inzwischen arbeitet nach Angaben des Geschäftsführers sogar schon die vierte Generation mit.
Ganz aufgeben will die Familie den Markt in der Sängerstadt aber nicht. Im Gegenteil: Es wird bereits nach einem neuen Objekt im Raum Finsterwalde gesucht. Die Vorstellungen sind klar. Gesucht wird eine Fläche von insgesamt rund 1000 Quadratmetern, also etwa 800 Quadratmetern Verkaufsfläche. Nach Angaben von Carsten Pötzsch war man zusammen mit den zuständigen Ansprechpartnern von Expert bereits mehrfach vor Ort unterwegs, um mögliche Objekte anzuschauen. An zwei Flächen bestehe konkretes Interesse.
Als Beispiel nennt Carsten Pötzsch den jetzigen Lidl-Standort in Finsterwalde. Der Discounter soll perspektivisch in die neuen Gebäude am bisherigen Sängerstadt-Center ziehen. Wäre also ein Tausch der Ladenflächen denkbar? So einfach sei das nicht, macht der Geschäftsführer deutlich. Zwar sei die Lage gut, doch viele Fragen seien noch offen. „Da wäre zum Beispiel die wichtigste: Wann gehen die denn da raus?“, fragt Carsten Pötzsch. Gerade beim Handel sei Zeit ein entscheidender Faktor. „Wenn man zu lange weg ist, dann wäre es ein Neustart.“

Der Ausverkauf bei Expert Pötzsch im Sängerstadt-Center Finsterwalde ist beendet. Die Regale leeren sich. Anfang der Woche fand die abschließende Inventur statt.
Kai RoeperDeshalb setzt das Unternehmen vorerst auf seine anderen Standorte in Gröditz, Elsterwerda und Bad Liebenwerda. Von dort aus will man die Entwicklung in Finsterwalde im Blick behalten. Für die Kunden wichtig: Der Kundendienst soll weiterhin nach Finsterwalde fahren.
Wird Expert Pötzsch in Doberlug-Kirchhain fündig?
Die letzten Wochen im Center waren vor allem von vielen Fragen geprägt. Schon seit Februar hätten sich Kunden immer wieder nach den Abrissplänen und der Zukunft der Filiale erkundigt, berichtet Pötzsch. Viele hätten nicht verstanden, warum Expert Pötzsch den Standort aufgibt.
Der Abverkauf sei deshalb nicht nur eine logistische Maßnahme gewesen, sondern auch von vielen Gesprächen begleitet worden. Ziel war es, möglichst wenig Ware mitnehmen zu müssen. Das habe gut funktioniert. „Wir waren erstaunt, dass die Ware so gut rausgegangen ist“, sagt Pötzsch. Was dennoch übrig blieb, werde nun auf die anderen Filialen verteilt oder an Lieferanten retourniert.
Wie es in Finsterwalde weitergeht, bleibt offen. Carsten Pötzsch macht deutlich, dass eine Rückkehr nur unter Bedingungen infrage kommt, die wirtschaftlich tragfähig sind. Vielleicht verändere sich in ein oder zwei Jahren etwas, sagt er und verweist auch auf die Entwicklung in Doberlug-Kirchhain und der Region. Doch eine vorschnelle Entscheidung werde es nicht geben. „Es muss alles Hand und Fuß haben“, sagt der Geschäftsführer.

