In Rückersdorf herrscht Aufbruchstimmung. Und das hat ganz viel mit einem jungen Mann zu tun: Georg Zörner. Im Mai haben ihn die Rückersdorfer zu ihrem ehrenamtlichen Bürgermeister gewählt. Mit beeindruckenden 68 Prozent der abgegebenen Stimmen bekam der junge Mann mit dem CDU-Parteibuch das Vertrauen der Wähler aus allen drei Ortsteilen, aus Rückersdorf, Oppelhain und Friedersdorf. Stolz sagt er: „Ich hatte in allen Ortsteilen die Mehrheit.“ Damit stimmten die Einwohner auch für einen Generationswechsel. Georg Zörner hat mit seinen erst 32 Lebensjahren seinen Gegenkandidaten, den Ruheständler Lothar Belger, aus dem Amt gekickt.

Eine Nacht drüber geschlafen

Eigentlich, so räumt er ein, habe er nur als Gemeindevertreter kandidieren wollen. Doch dann sei er gefragt worden, ob er nicht Bürgermeister werden will. „Ich habe eine Nacht drüber geschlafen und dann erklärt: Gut, ich probier's“, erinnert er sich. Dass er auf den Rat seiner Vorgänger bauen kann, freut ihn.

Sein großes Pfund, das er in die Waagschale legen kann, ist seine Heimatliebe. Nicht nur, dass er hier Kita, Grundschule und Realschule besucht hat und die Gegend, die Lage im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft, toll findet. Georg Zörner ist fest verwurzelt in seinem Heimatdorf. Er hat jahrelang mit Freunden das Jugendzampern und die Jugendfastnacht organisiert. Und er war wohl der jüngste Ortschronist, den Rückersdorf je hatte. Schon als Grundschüler sammelt er Informationen und Fotos aus dem Gemeindeleben. Er gräbt sich ein in die Geschichte seiner Heimat, in die Geschichte der Mönche vom Kloster Dobrilugk und den Ort Rikersdorf, der am 22. Juli 1234 erstmals urkundlich erwähnt wurde.

„Ich bin sogar bei unserem alten Bürgermeister Günter Schimko in der Sprechstunde gewesen, um Infos zum Dorf zu kriegen“, erinnert er sich. Mit dem Gemeindezusammenschluss wurde dann Christian Jaschinski Rückersdorfer Bürgermeister. Und Ortsvorsteherin in Rückersdorf war Marina Zörner, Georgs Mutter. Hin und wieder ging er ihr damals im Gemeindebüro zur Hand. Als Christian Jaschinski zum Elbe-Elster-Landrat gewählt wurde, war sie amtierende Bürgermeisterin der Gemeinde. Höhepunkt ihrer Arbeit war, als Rückersdorf Naturparkgemeinde wurde und 2010 das Naturparkfest ausgerichtet hat. Danach zog sie sich aus der Kommunalpolitik zurück.

Neuer Mann, neue Ideen

Der neue Bürgermeister holt die Leute mit neuen Ideen ab. So hat es ein ganz spontanes erstes Vereinsfest gegeben und vor wenigen Tagen eine sogenannte Harkenparty. In allen drei Ortsteilen trafen sich Freiwillige zu einem großen Herbstputz. „Etwa 50 Leute sind es in Rückersdorf, die im Park an der Feuerwehr, auf dem Friedhof und an der Kirche zupacken. In Oppelhain haben etwa 40 Leute mitgemacht und in Friedersdorf waren auch viele auf dem Spielplatz und der Dorfaue fleißig. In der Lindenaer Straße wurden Pflanzlöcher für eine Baumpflanzaktion vorbereitet“, berichtet der Bürgermeister.

Das ist genau die Stoßrichtung, die Georg Zörner verfolgen will. „Das Gemeinschaftsleben in den drei Ortsteilen und der drei Ortsteile miteinander ist in den letzten Jahren stark eingeschlafen. Ich möchte die Leute wieder mehr zueinander führen“, sagt er fest entschlossen.

In Lohn und Brot beim Zoll

Seinen Lebensunterhalt verdient der 32-Jährige als Zollbeamter in Cottbus. Seine Aufgabe sind Grenzkontrollen. Insbesondere polnische Fahrzeuge nimmt er dabei mit seinen Kollegen unter die Lupe. Für eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten hat er seine Heimat kurzzeitig verlassen. Er war drei Jahre in Köln und absolvierte anschließend eine zweijährige Ausbildung beim Zoll.

In seiner Freizeit spielt Georg Zörner Volleyball beim Familiensportverein Rückersdorf, ist Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr und liebt Gartenarbeit. Dass viele Leute in seinem Alter, darunter junge Familien, zurück in die Heimat kommen, freut ihn. „Für die meisten ist es eine bewusste Entscheidung. Sie werden sesshaft, bauen Häuser.“

Für einen Moment wird er nachdenklich. „Am ersten Tag nach der Wahl war es eigenartig durchs Dorf zu gehen und zu denken, für das alles jetzt Verantwortung zu tragen.“ Seine Wähler erwarten, dass er das Dorf voranbringt.