Von Heike Lehmann

„Guten Tag, Polizei Brandenburg. Ihre Fahrzeugpapiere und die Fahrerlaubnis, bitte!“ Mit ruhiger Stimme spricht der Polizeibeamte den Fahrer eines weißen Pkw Kia an. Drei Personen sitzen im Auto. Sie wollen zum Feel-Festival nach Lichterfeld an den Bergheider See. Wie Tausende andere auch an diesem Donnerstag. Für viele Autos, aber auch für Shuttle-Busse, gibt es in Sallgast einen unvorhergesehenen Zwischenstopp. Polizei und Zoll interessieren sich für sie.

Die Autokennzeichen sind so vielfältig, wie das Festival bunt wird. B, OH, CB, HSK, LDS, H, SRB, Schweizer, Schweden und Polen werden wie viele andere herausgewunken. „Wir wollen die tolle Veranstaltung in Lichterfeld nicht kaputt machen, aber wir wollen drogenbeeinflusste Autofahrer feststellen. Besitz von Drogen und Fahren unter Drogen- und Alkoholeinfluss sind nun mal gefährlich für andere Verkehrsteilnehmer und deshalb strafbar“, sagt Maik Kettlitz, Pressesprecher der Polizeidirektion Süd. Thomas Ballerstaedt, Leiter der Polizeiinspektion Elbe-Elster ergänzt: „Uns geht es um einen sicheren Zustand auf den Straßen. Im Umfeld des Festivals haben wir in den vergangenen Jahren immer wieder Auffälligkeiten in dieser Hinsicht festgestellt.“ Auch nach Waffen, gefährlichen Gegenständen, Feuerwerkskörpern und Zigaretten im Sinne des Zollverwaltungsgesetzes wird Ausschau gehalten. Gepäckstücke können vor Ort geröntgt werden. Axel Buder vom Hauptzollamt Frankfurt (Oder) hat in seiner 25-jährigen Dienstzeit schon die  tollsten Verstecke kennengelernt.

Es dauert nicht lange, bis bei einem ersten Fahrzeugführer der Drogenschnelltest anschlägt und sofort eine Blutprobe genommen wird. Der Arzt ist vor Ort. In der Mittelkonsole des Fahrzeugs spürt ein Zoll-Hund eine Tüte mit etwa 30 Gramm Cannabis und ein Tütchen mit Kokain auf.

Etwa 100 Einsatzkräfte – Kollegen der Polizeiinspektion Elbe-Elster, der Bereitschaftspolizei, der Bundespolizei und vom Zoll – wurden für die Großaktion zusammengezogen. „Das soll die Vernetzung der Behörden fördern und dient auch der Praxisschulung der Beamten“, sagt Maik Kettlitz.

Es geht trotz allem sehr entspannt zu – auf beiden Seiten. In einem schwarzen Mercedes mit Berliner Kennzeichen sitzen gut gelaunte Jungs, die sich aufs Festival freuen. Die Fahrerin gibt an, Schmerzmittel genommen zu haben, ist vielleicht deswegen auffällig beim Nystagmus-Test, bei dem geprüft wird, wie die Pupillen gleiten. Sie stimmt einem Drogenschnelltest zu, der den Speichel auf Cannabis, Amphetamine, Metamphetamine, Opiate und Kokain prüft. Er bleibt unauffällig. Sie darf die Fahrt fortsetzen.

In einem Shuttle-Bus aus Berlin haben die Beamten mit ihrem geschulten Blick eine Suppenbüchse gefunden. Darin ist eine Tüte mit Cannabis und sogar eine kleine Waage. „Vermutlich zum Zwecke des Handels“, heißt es. Zuzuordnen ist sie keinem. Das Verfahren wird gegen Unbekannt laufen. Zeugen: alle Businsassen. Deren Gepäck wird zudem von einem Drogenspürhund beschnuppert. Er schlägt an bei einem Rucksack. Mit Zustimmung des Besitzers wird er ausgepackt. Drogen findet man keine. Der junge Polizist entschuldigt sich für die Unannehmlichkeiten. Das übrigens war gar nicht so selten. Mit freundlichen Worten werden die meisten in Richtung Festival verabschiedet.

Drei Männer aus einem silbergrauen VW aber kommen dort erst später als geplant an. Der Fahrer darf nicht mehr ans Steuer – er hat Drogen genommen. Er muss jetzt mit einer Ordnungswidrigkeitsanzeige rechnen. Sein Kumpel ist betrunken. Der Dritte im Bunde hat noch Restalkohol. Ist der verflogen, darf er das Auto dann lenken.

Innerhalb der ersten sechs Stunden haben die Einsatzkräfte elf Autofahrer unter Drogeneinfluss festgestellt und auch 15-mal Drogen verschiedenster Art in den Fahrzeugen gefunden.