Das kann nicht nur das närrische Volk in Köln und Düsseldorf nachvollziehen: Es braucht die fünfte Jahreszeit. Die Alltagsflucht für wenige Tage gehört auch in mehreren Karnevalshochburgen in Elbe-Elster zum Leben dazu. Umso schmerzhafter waren die pandemiebedingten Absagen der großen Partys und Umzüge. Und umso kreativer wurde und wird die Rückkehr gefeiert. In Sonnewalde schon bald. Und ganz besonders.
Im Februar 2020 hatte der Reiter-Carneval-Club (RCC) Sonnewalde zu seiner letzten großen Sause eingeladen. Danach ist es still geworden um die Jecken. Der Grund ist bekannt. Und der Zeitpunkt der Rückkehr durchaus spannend. „Wir wollen zeigen, dass wir noch da sind“, sagt Carsten Kocksch.

Für einen Sommerkarneval war es einfach zu eng

Der 36-Jährige ist Präsident des RCC. Warum die Truppe am 16. und 17. September auf die Showbühne zurückkehrt, erklärt er so: „Wir hätten auch gern einen Sommerkarneval gefeiert, aber das war keine Alternative, weil einfach kein Termin frei war.“ Nach dem coronabedingten Veranstaltungsstau war es im Sommer zu einer Vielzahl solcher Partys gekommen. Massen, Finsterwalde und Friedersdorf (bei Sonnewalde) haben unter anderem kräftig gefeiert.

Friedersdorf (bei Sonnewalde)

„Das ist unsere Alternative“, sagt Betty Grund. Was die Jeckin meint: einen Maskenball. Besser gesagt zwei. „Schon wieder nur mit Maske?“, mag sich der ein oder andere an dieser Stelle fragen. „Diese, jene oder beide“, sagt Betty Grund. Also wie schon vor über 900 Jahren beim Karneval in Venedig mit glamourösen Ganz-Gesichtsversteckungen, 2022 aber mit oder ohne medizinischer Corona-Maske darunter.
Eine politisch korrekte Antwort also, die zu dem Treiben in Norditalien vor fast 1000 Jahren auch deshalb passt: Die Masken boten damals Anonymität. Soziale Schranken waren somit für kurze Zeit aufgehoben. Adelige wurden zu Dienstmädchen und Stallburschen zu Königen.

Maskenball steigt in Sonnewalde an zwei Tagen

Heute leben wir in anderen Zeiten. Große Gehaltsunterschiede sind im 21. Jahrhundert eher an den Autos zu sehen. Am Freitag, 16. September, und Samstag, 17. September, können sie im Kulturhaus Manhatten wohlfeil versteckt werden. An Partytag eins mit einer Sause für die U30-Bevölkerung und an Partytag zwei mit einer Veranstaltung für alle Altersgruppen über dieser magischen Grenze.
Gemeinsam haben beide Termine: Sitte, Anstand und Rollenzugehörigkeit dürfen dem närrischen Treiben geopfert werden. Die RCC-Gestalter liefern das Programm dazu. Sie versprechen: „Unsere Kreativität kennt in der Vorbereitung keine Grenzen.“ LR.de darf bei einem Probetraining reinschnuppern und kann sagen: Stimmt!
Ganz so schlimm ist es nicht gekommen: Die RCC-Jecken haben vor der Corona-Pandemie neben ihren Veranstaltungen auch mit großen Umzügen begeistert (Archivfoto).
Ganz so schlimm ist es nicht gekommen: Die RCC-Jecken haben vor der Corona-Pandemie neben ihren Veranstaltungen auch mit großen Umzügen begeistert (Archivfoto).
© Foto: Ivonne Kommolk

Jede Menge Tanzeinlagen beim Maskenball in Sonnewalde

So viel darf für das September-Highlight versprochen werden: Besucher erwartet eine von klassischen Karnevalsveranstaltungen losgelöste bunte Mischung Entertainment. Die Frauen und Männer bringen jede Menge Showeinlagen auf die Bühne. Karnevals-Stammgäste dürfte diese Info interessieren: „Zu sehen sein werden auch Perlen aus vergangenen Zeiten, also Klassiker, die gut funktioniert haben“, verrät RCC-Schriftführerin Sandy Egler.
Seit Ostern üben die Frauen für eine größtmögliche Synchronität bei den Showeinlagen, die Männer haben mit ihren beiden Tanzlehrerinnen Antonia Loper und Gina Knoll gerade losgelegt. Zu sehen sein werden im Manhatten Mitte September die alten Schachteln, die Tussis, die großen Funken und mehr. „Wir freuen uns riesig auf die Maskenbälle“, sagt Betty Grund.
Und auch das gibt großen Grund zur Freude: Die Sonnewalder Jecken sind glücklich, dass sie für alles Drumherum auf einen stabilen Feierbestand von 120 RCC-Mitgliedern bauen dürfen. Daran konnte auch Corona nichts ändern.

Alle Infos zu den Maskenbällen in Sonnewalde

Die U30-Party am 16. September und die Veranstaltung für die über 30-Jährigen am Tag darauf beginnen jeweils um 20 Uhr. Gefeiert wird im Kulturhaus Manhatten in Sonnewalde. Karten kosten im Vorverkauf 10 Euro und an der Abendkasse 12 Euro.
Der RCC bietet zwei Vorverkaufstermine im Manhatten an: am Freitag, 2. September, in der Zeit von 18 bis 21 Uhr sowie am Samstag, 3. September, von 10 bis 13 Uhr.